Der Bildhauer Heinrich Alken
und
Der Baumeister Michael Alken
von
Dr. Friedrich Born (1925)
Inhalt
I. Der Bildhauer Heinrich Alken
1.Einleitung
2.Der vergolder Jacob Alken
3. Heinrich Alkens Leben
4. Die noch erhaltenen Bildwerke Heinrich Alken
5. Rückblick auf Alkens Bildhauerische Tätigkeit
II. Der Baumeister Michael Alken
1. Lehr- und Wanderzeit Michael Alken als Tischler in Mayen
2. M. Alken als Baumeister
A b s h r i f t
V o r w o r t
Auf den folgenden Blättern handelt es sich nicht um eine "kunstgeschichtliche,Entdeckung", wenn auch die besprochenen Meistern, die beide aus dem gestaltenden Handwerke hervorgegangen sind, als Angehörige einer der letzten Stilepochen und wegen ihrer gediegenen Arbeiten der Vergessenheit entrissen zu werden verdienen. Nicht minder als von diesem kunstgeschichtlichen und bis zu einem gewissen Grade auch kunstlerischen Gesichtspunkte haben Herausgeber und Verfasser sich bei der Veröffentlichung von dem Gedanken leiten lassen, daß mit dem Leben und Wirken der Gebrüder Alken auch mancherlei Wissenswerte aus der Geschichte unser rheinischen Heimat um 1800 verwoben werden konnte, aus jenen schweren Tagen, die in so vielen Stücken an unsere eigene Zeit erinnern. Sollte durch diese Erinnerungen bei manchen Eifelfreunden die liebe zur engeren Heimat gestärkt werden und der eine oder andere sich mit der heimatlichen Scholle wieder enger verwurzlet fühlen, so hätte das Büchlein seinen Zweck erreicht.
Mayen, im August 1925
Friedrich Born
Der Bildhauer Heinrich Alken
Der Wanderer, der von einer umgebauten Randhöhen hinunterschaut auf das zu seinen Füßen liegende Mayen wird erstaunt sein über das hübsche Bild mit den alten Türmen, Mauerresten, dem schiefen Turm der St. Klemens Kirche und der alles überragenden sagenumwobenden Genovevaburg. Und wenn er dann durch eines der alten Tore in das Innere Stadt tritt, Straßen, alte Häuser, Marktplatz, Stadtbefestigung und Burganlagen aus der Nähe überschaut, so wird er bald erkennen, daß er sich in einer Stadt befindet, deren Geshichte tief in das frühe Mittelalter hineinreicht. Wollte nun unser Freund angeregt durch das Stadtbild, Umshau halten nach einzelnen Werken der Malerei und Bildhauerei, so wird er nicht viel finden und schon bald enttäuscht alles Suchen und Nachfragen einstellen. Zwar birgt das historische Museum, das jetzige Eifelvereinsmuseum auf der Genovevaburg in Mayen, welches als ein wahres Schätzkästlein von wohlgeordnet, Funden besonders der vorgeschichtlichen Zeit gelten kann, auch einige tüchtice Werke der Holz- und Steinplastik aus Mayen oder dessen nächster Umgebung. Aber diese wenigen Stücke eind doch sicherlich nur ein geringer Bruchteil dessen, was im Laufe der Jahrhunderte in Mayen oder für Mayen geschaffen worden ist und besonders in den Kirchen Aufstellung gefunden hat.Es ist hier nicht der Ort zu untersuchen, auf welche Weise so manche Kunstwerke verloren gegangen sind. Es soll nur festgestellt werden, und wir können Beweiß dafür erbringen, daß die Mayener nicht so ganz ohne Kunst durchs Leben geschritten sind, wie unser Wanderer es anzunehmen geneigt war.
Wer vor einigen Jahren, vor der Instandsetzung die alte gotische St. Klemens Kirche betrat, der fand im Innern eine wenig anheimelnde, grau in grau gestrichene Hallenkirche, ohne Malereien und sonstigen Schmuck, leer von allen Bildwerken früherer Jahrhunderte. Nur vier Lebensgroße Heiligenfiguren, dem 18 Jahrhundert angeförmd, zu je zweien im Innern der Kirche über den Seitengängen aufgestellt, fesselten das Auge des Kunstfreundes. Jedoch vermochte niemand auf Grund von schriftlichen Quellen den Namen des Künstlers anzugeben ober die genaue Zeit der Entstehung dieser 4 Figuren anzugeben. Die mündliche Familientradition schrieb die Bildwerke einem gewissen Alken zu; keiner aber konnte über dieses Mannes Leben und Schaffen etwas genaues berichten.(vergl. die Geschichte von Mayen von Hilger und Brink, Mayen 1910, wo S. 307 Alken als bildhauer erwähnt wird.) Die Liebe zur Altertumskunde nur sowie die verwandschaftliche Beziehung zur Familie Alken ließen den Konservator der Sammlungen des Eifelvereinsmuseum Peter Hörter nicht ruhen. Dieser gab die rechte Anregung, dem Bildhauer Alken sowie seinem Bruder, dem Baumeister Michael Alken, nachzugehen, und es gelang ihm auch manche Brief, Urkunden, Zeichnungen, die sich im Privatbesitz Mayener Familien befanden aufzuspüren und mir zuzuführen. Außerdem lieferten ine Reihe von Archiven, so die Pfarrarchive in Mayen, Monreal, Ettringen, Eich, Düngenheim und besonders in St. Johann ferner das Staatsarchiv in Koblenz untergebrachte Archiv (die Sterberegiester dieser Zeit befinden sich im Rathause zu Mayen) der Stadt Mayen viel urkundliches Material. (Allen denen die meine Arbeit unterstützten, besonders Herrn Konzervator Peter Hörter sowie seinem Sohne Fridolin Hörter, die die meisten Photografien herstellten, sei der herzliche Dank ausgesprochen).
Der Vergolder Jakob Alken.
Nach der Familiengeschichte (Den Stoff zu den folgenden biographischen Mitteilungen lieferte außer den schon erwähnten Archivalien besonders eine vom dem Bildhauer Heinrich Alken (1753 - 1827) im späten Alter geschriebene Familiengeschichte, betitelt: „Die Geschichte meiner Familie und meiner Eltern und Kinder, Heinrich Alken." Sie wird als F.G. angeführt. Das Buch entstammt dem Besitze der Gattin des Generalarztes a.D. Dr. Herchold in Hannover, einer geborenen Alken, welche es dem Mayener Geschichts- und Altertumsverein schenkte.) stamte der Großvater unseres Bildhauers, der Ackersmann Johannes Alken, aus Kettig bei Coblenzt wo er um 1684 lebte. Später zog er nach Niedermendig und blieb dort bis zu seinem Tode, der schon in seinem 40. lebensjahr ereilte. Einer seiner Söhne war Jakob Alken, der Vater unseres Bildhauers. Dieser Jakob Alken, geboren (F.G.S. 7 und Kirchenbuch Niedermeng) 1722 in Niedermendig, dessen an Entbehrungen und Kämpfen reiches leben später von seinem ältesten Sohne Heinrich, dem Bildhauer, in der Familiengeschichte beschrieben (F.G.S. 7ff) wurde, war anfänglich Weißbinder (Nach einer freundl. Mitteilung des Archives Weidenbach in Andenach wird Jak.Alken im Andernacher Standesregiesters einmal als Weißbinder und ein andermal als Maler bezeichnet). in Mayen und auch dorts, obwohl er "weder gehörig zünftig gelernt noch artikelmäßig auf sein Handwerk hatte wandern können" auf Befehl der kurfürstlichen Regierung (diese wie die anderen angeführten Stellen sind der Familiengeschichte H. Alkens entnommen) 1751 oder 52 in die Hämmerzunft (vergl. Brink und Hilger, Gesch. v. Mayen S. 191) aufgenommen, Später verlegte er sich, weil Not ihn zwang aufs Bildermalen und Vergolden. So malte er Kirchenfahnen, vergoldete Altäre, u.a. 1760 zu Alflen drei Altäre (zwischenUlmen und Cochem gelegen)g ferner 1763 einen altar zu Niederbreisig am Rhein und zu Ulmen in der Eifel bei vielen dieser Arbeiten half ihn seine äußerst energische und geschickte Frau eine geborene Niederehe aus Mayen die als Gesell öfters mitreiste." Wenn sie nicht ein gar zu kleines Kind hatte, so nahm sie selbigs in ihre Schürze, reißte mit meinem Vater fünf bis sechs Stunden wiet auf zwey bis vier Monath in eine Arbeit, und es wurde da manchesmal ein ehrliches Stück Geld verdienet". Aber Trotz allen Fleißes war ihm das Glück nicht hold. Nachdem er mit seiner Frau 1765 1766 13 Monate an dem Hochaltar und im Chore der Kirche zu Mayschloss an der Ahr gearbeitet hatte, geriet er mit dem dortigen Pfarrer wegen des vereinbarten Lohnes in einen Prozeß der, wie sein Sohn Heinrich uns erzählt, am chistlichen Gericht in Köln hangen blieb." Mein Vater reißte oft dorthin, meine Mutter reißte nach meines Vaters Tode etliche mal dahin, allein 150 Thaler mit 60 verreisten Tägen blieben aus." Inzwischen waren die beiden ältesten Söhne, Heinrich und Josepf, so weit herangewachsen daß sie dem Vater zur Seite stehen dürften und die Mutter zu Hause bei ihren kleinen Kinder bleiben konnte. So arbeitete der älteste Sohn Heinrich der später Bildhauer wurde, 1766 mit dem Vater an dem Altar zu Bermel (bei Monreal an der Elz) 1768 in „Wahnrath (Wanderath bei Virneburg in der Eifel) und Nürburg und half 1769 die Apotheke zu Mayen und in Cochem "eluminieren" das heißt ausmalen.Schon glaubte die Famllie infolge der vielen Aufträge der bitteren Not entrükt zu sien, da setzte 1770 eine allgemeine Teuerung ein, so daß „ das Malter Korn (280 Pfund Roggen o. 300 Pfund Weizen) mit Kösten an 18 Thaler kam." Die Teuerung hielt bis 1773 an. Infolgedessen blieben die Bestellung aus, und da der Vater 1770 ein neues Haus (Nr. 11) in Mayen gekauft hatte, auf welchem eine Schuldsumme stehen blieb, so begann das Elend von neuem. Als 1774 dann die Teuerung nachließ, erhielt Meister Jakob andere Aufträge, bei denen nun auch sein zweiter Sohn, Josef, der spätere Vergolder und angesehene Andernacher Bürger, half. Dieser ging 1774 mit dem Vater nach dem Arnulfsberge bei Hillesheim in der Eifel um den Hochaltar der Kirche zu bemalen Da wurde der Vater, der „schon über den Weg dorthin einige Melankolie" gezeigt hatte von einer Hitzige Krankbeit" ergriffen und starb nach wenigen Tagen im 52. Lebensjahr auf dem Pfarrhof zu Walsdorf, wohin man ihn gebracht hatte. Er liegt auf dem Friedhof des St. Arnolfsberges, des heutigen Arnulfus- oder Arnusberges begraben.(Vgl. Eifelführer des Eifelvereins S. 136, wo uns gesagt wird, daß der Arnulfusberg noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Begräbnisstätte gedient habe.) "So hörten seine Trübsalen hoffentlich auf" schrieb später der Bildhauer Heinrich Alken in der Familiengeschichte von seinem Vater, den er mit wenigen Worten als einen rührigen von heißem Wissensdrange erfüllten Lebenslustigen Mann zeichnet. Armut und Not mit denen der zeitlebens zu kämpfen hatte, hatten leider seine Wünsche ein tüchtiger Künstler zu werden und als ein „honetter Mann“ aufzutreten nicht in Erfüllung gehen lassen. Sein Tod muß die Familie hart getroffen haben,da die meisten Kinder (hierzu bemerkte H. Alken in seiner Familiengeschichte S. 3,8“) Also aus den in 21 Jahre 13 glücklich und ohne Fehler zur welt geborene, wovon noch sechs lebendig sind. Nun denke einer was es kostet und was es sonst wor Umstände gegeben hat.") noch unversorgt waren das jüngste Schwesterchen erst 2 Monate nach des Vaters Tod geboren wurde. Aber die Mutter war eine tüchtige tapfere Frau, die nicht verzagte, sondern so gut es ging, sich durchhalf und mit ihrer Hände Arbeit, in diesem Falle mit der Nähnadel, den Ihrigen den nötigen Unterhalt verdiente.Als sie nach vierundzwanzigjährigem Wittuma 1799 zu Ehrenbreitstein starb, da schrieb in Mayen ihr ältester Sohn der Bildhauer Heinrich Alken, in sein Familienbüchlein, in das er die wichtigsten Geburts- und Sterbefälle einzutragen pflegte über die Mutter. „Sie war ein Frau von gutem Verstand und von großer Rechtschaffenheit." („Das Heinrich Alken Schreibbüchel" befindet sich im Besitz der Geschwister Kraemer in Mayen.)
Heinrich Alkens leben
Als der Vater starb, stand der älteste Sohn Heinrich, der 1753 in Mayen geboren war, im 21. lebensjahr. Er hatte keine frohe Jugendzeit durchlebt. Die Armut und Not im elterlichen Hause waren vor allem Schuld daran, daß der gewandte Knabe, der schon mit dem fünften Lebensjahre „Hang zum Zeichnen und Lernen" (F.G.S.63) hatte eine seinem Talent entsprechende Ausbildung nicht erhielt. Der Vater wird ihm die ersten Unterweisungen im Weißbinderhandwerk erteilt haben, und als dann die Mutter, die einer zeitlang dem Vater als Gesell zur Seite gestanden, ungern der vielen Kinder zu Hause bleiben mußte, halft "Heinrich bis ins 14. Jahr anstreichen. Zwischendurch versuchte sein zwager Geist[1] auch andere Dinge zu erlernen, so daß Orgelspiel worin ihn der Organist von Rech bei Mayschoss, als sich der Vater dort aufhielt, unterrichte. (F.G.S.65) Aber viel wurde nicht daraus, weil Heinrich immer wieder zu handartlichen Arbeiten heran gezogen wurde, „Ich hatte Anfang an alles Lust zu erlernen; aber meines Vaters Armut gab keinen Nachtruck," und es war nicht möglich das Studium in einem und anderem mit erforderlichem Eifer fortzusetzen. „Nach dem 14. Jahr lernte er vom Vater die Technik des Vergoldens, er arbeitete 1768 mit in der Pfarrkirche zu Wahrath (Wanderath) und Nürburg und half 1769 die Apotheke zu M,ayen "eluminieren". Da sich die Aussicht, in Mayen als Organist angestellt zu werden - Heinrich Alken hatte dieserhalb 6 Wochen bei einem Koblenzer Organisten gelernt - zerschlagen hatte, verlegte er sich jetzt mit Nachdruck aufs Vergolden, arbeitete mit dem Vater an dem Altare Borler bei Hillesheim in der Eifel und vergoldete bald darauf allein 2 Bildgehäuse in der Pfarrkirche zu Luttersdorf.
Nachdem der Vater mit seinen beiden Söhnen Heinrich und Josepf 1770 den Hochaltar in der Kirche zu Retterath in der Eifel vergoldete, fing Heinrich an in „Leimfarbe die Zierrathen" zu Malen und gab sich in den folgenden Jahren aus Langeweile, da es an Arbeit fehlteg an das "Figurenmahlen in Oehlfarb". Außer dem Vater, der ihm keinen gründlichen Unterricht erteilen konnte, hatte er keinen lehrer, aber sein angeborenes Talent, die Freude an seinen Machwerken sowie sein Fleiß schienen ihn schnell vorangebracht zu haben. Leider sind nur wenige Zeichnungen und Malerarbeiten aus dieser Zeit auf uns gekommen. Daß seine Bilder aber gefielen, geht zurächst aus der Kirchenrechnung vom 1774 St. Johann bei Mayen hervor, die erzählt, daß Meister Alken zu Mayen für 2 Antependien, (eine in einen Rahmen gespannte bemalte Leinwand, die, auf den Altartisch gestellt, den Altaraufsatz verdecken sollte.) ein schwarzes und ein farbiges, 6 rthlr. ausbezahlt worden seien. Ungefähr die gleiche Summe von 6 rthl. und 24 Alb. erhielt er, wie er in der St. Johanner Kirchenrechnung von 1779 wörtlich heißt: „ Für das Bildt in die Fahn, den Fahnen, stecken und selbigen anzustreichen und zu beschlagen." und ebenso hat er 1781 für die Stadt Mayen eine Fahne gemalt. Die Bürgermeistereyrechnung (Stadt-Mayener-Bürgermeisterey-Rechnung 1781 im Stadtarchiv Koblenz) des Jahres 1781 berichtet hierüber: „Dem Heinrich Alken für mahlung eines doppelten Fahnenbildes nemlich St.Clemens und Vitus in die Stadtfahn 3 rthlr. 18 alb." Auf uns gekommen sind ferner die 2 Zeichnungen des Mayener Stadtbildes. Die eine vom Jahre 1779 deren Orginal im Mayener Rathaus hängt[2]. Diese Zeichnung erscheint uns in der Gesamtkomposition recht gefällig. Das Häusergewirr im Innern der Stadt ist trotz der vielen Einzelheiten so leicht und übersichtlich hingesetzt, daß wir uns der Jugendarbeit des sechsundzwanzigjährigen nur erfreuen können. Die andere, ein Aquarell (vergl. folgendes Blatt. Das Bild, 37:35 cm groß, im Besitze des Sattlermeisters Krümmel in Mayen, hat eine eigene Geschichte. Als es vor längeren Jahren vom jetzigen Besitzer im Bauschutte des Hauses, das einem Nachkommen Alkens gehörte, aufgefunden wurde, hatte es so gelitten, daß der obere Teil mit dem bläulichen Himmel dem Stadtwappen und einer über dem Bilde stehende Jahreszahl neu ersetzt werden mußte. Die vom Besitzer neu aufgeschriebene Jahreszahl kann aber nicht stimmen 1740; denn auf dem Bilde ist die erst 1757 gebaute Hospitalkapelle eingezeichnet, dagegen ist der 1785 neu errichtete vordere Teil der St. Veitkapelle, der heute noch vorhanden ist, nocht nicht zu sehen. Das Bild, das in vielen Stücken der oben erwähnten Zeichnung von 1779 gleicht, wird in der gleichen Zeit entstanden sein. Unter rechts in der Ecke sind die 4 letzten Buchstaben des Alken‘schen Namens noch zu entziffern.) befindet sich im Privatbesitze in Mayen; eine Nachbildung hängt im Eifelvereinsmuseum in Mayen. Da Heinrich nach dem Tode des Vaters zusamen mit der Mutter die Sorge für die z.Z. noch unmundigen Kinder tragen mußte konnte sein längst gehegter Wunsch, in die Fremde zu gehen und sich weiter auszubilden, nicht erfüllt werden.“Ich blieb und versäumte das Reisen, wie oft es micht seit hero gereuet, weiß ich, allein ich hab aus Aeltern und Geschwistern lieb das Weltreisen unterlaßen.“ Wir können daher der Mutter Betrübnis verstehen, als er 1777 die gleichaltrige „Maria Gerdruht Nevinger“ des kurfürstlichen Revierjägers Karl Nevinger Töchterlein heiratete. Heinrich übertrug nun die Sorgen für die Mutter dem jüngerer Bruder Joseph mit dem zusammen er 1775 die Kirche zu Alflen (zwischen Ulmen und Kochem) in der Eifel ausgemalt und die Orgel dort selbst vergoldet hatte. Ein paar Jahre nach der Verheiratung hat Heinrich sich und seine Frau porträtiert.
Die beiden in Oeltechnik gemalten Bilder befinden sich in Cöln im Besitze der Frau Wwe Schülter, einer seiner Nachfahren und stellen ihn uns seine junge Frau in ihrem 27. lebensjahre dar. Auf der Rückzeite sind beide Bilder von seiner Hand gezeichnet: ( Beide Bilder ohne Rahmen 35:30 cm groß, sind auf Leinwand gemalt. Das Bild Heinrich ist auf der Rückseite gezeichnet: Heinrich Alken den 17. Hornung 1780 pincit. Das Porträt der Prau ist auf der Rückseite gezeichnet: Maria Gertrudta Alken 1780 geb. 1757. H. Alken fli.) und als sein und seiner Frau Bildnis von ihm besonders vermerkt. Wenn wir bedenken, daß Heinrich in erster linie Bildhauer und kein Maler war und sein wollte und daß er nach seinen eigenen Angaben keinen regelrechten Malunterricht genossen hat, so müssen wir die geschickte Technik und Zeichnung anerkennen. Farbige Qualitäten weisen die Bilder nicht auf. Besitzen sie somit auch keinen hohen künstlerischen Wert, so erzählen sie doch mancherlei von den beiden dargestellten Persönlichkeiten. Auf dem Bilde lernen wir in Heinrich Alken einen jungen Mann kennen mit intelligenten, etwas weichen Gesichtszügen, einer breiten Stirn und darunter ein paar Augen, die den Beschauer gutmütig und ein wenig verträumt anschauen. Der wohlgeformte Kopf wird auf beiden Seiten von gewelltem Haar umrahmt, so daß man selbst wenn es der von der Rechten gehaltenen Zeichenstift nicht verriet, unwillkürlich an einen Jünger der bildenden Kunst erinnert wird.
Grobere Züge weist das Porträt der Gattin auf, die in häuslicher Tracht mit haube und geblümten Kleide dargestellt ist und mit verschränkten Armen in etwas steifer, eckiger Haltung als tätige und besorgte Hausfrau erscheint. Tätig und besorgt wird sie schon gewesen sein müssen; denn die 9 Kinder die sich im Lauf der Jahre einstellten - 2 davon starben früh - machten den Eltern ums größere Sorge als bei der Künsterlischen Tätigkeit Heinrichs das Einkommen meist unsicher und schwankend blieb. Trotz mancher Entbehrungen haben die beiden Ehegatten treu einander zur Seite gestanden. Bei der weichen und den härten des Lebens gewachsenen Natur Heinrich Alkens der ein Idealist war, wurde die energische und praktische und kluge Hausfrau ihm und Kindern mit der Zeit unentbehrlich.
Schon in den lezten Jahren vor dem Tode des Vaters hatte H. Alken den das Malen und Zeichnen allein nicht befriedigte, vor allem, weil es zu wenig einbrachte, sich mit den Bildhauerarbeiten beschäftigt. „Da wir dann und wann ein Bild von dem einen und anderen Bildhauer in den Kirchen zu vergolden bekamen, so machte es sich, daß bald hier und bald dort etwas von der Bildhauerarbeit zu ergänzen war; so lernte ich dann ein Bild flicken, Bald ein Hand, eine Kron oder sonst was, ich bekahm lust zu der Bildhauerei (F.G.S.71). Dem Vater war dieser neue Kunsttrieb des Sohnes nicht recht, weil er befürchtete, daß der Sohn zu vielerlei lernen und schließlich nichte recht verstehe." Wozu die tausend Künstlerey", sagte er. Heinrich vermochte seinen "Hang zur Bildhauerei jedoch nicht zu bändigen." Anfangs versuchte er Figure aus weichem Stein zu schneiden, dann aber schnitzte oder „bastelte" er etwas in Holz, welches Material er auf die Dauer bevorzugte. Als er einmal Freude an der neuen Kunstübung bekam, zumal da er Fortschritte sah ließ er sie nicht mehr liegen. "Was die Bildhauerei mich für Mühe und Studium kostete, war nicht gering, allein meine Wißbegierd versüßte mir das harte Studium."
Nach des Vaters Tod scheint er sich fast ganz der Bildhauerei gewidmet zu haben. Aber da die Aufträge unregelmäßig einliefen, so mußte er zunächst, das heißt in den ersten Jahren nach der Verheiratung, nebenher malen und sein Weißbinderhandwerk treiben. So erhielt er in der Abtei Maria Laach den Auftrag „Weißbender mahlerisch“ auszuführen für täglich 18 Alb. und die Kost. Bezeichnend für Alkens Charakter und Streben ist, daß er trotz geringen Bezahlungen den Laacher Aufenthalt deshalb für.ersprießlich hielt, weil ihm der Verkehr mit „Honetten Leuten“ gefehlt hatte und er durch den Umgang mit den Herrn zu Iag manche Gelegenheit erhielt, ein wenig geschliffener zuwerden“ (F.G.S.82). Dieser Aufenthalt, der "nur Sommers dauerte und zwar nur 8 - 10 Wochen“, nutzte ihm auch insofern, als man ihn wegen seiner Tüchtigkeit weiter empfahl, so daß er bald darauf „einen Tabernakul" zu Bachholzweiler (gemeint ist wohl Buchholzt ehemalige Propsteig bei Burgbrohl) vergolden und auch dem Rulandwerth (Die Insel Rolandswerth, früher Nonnenwerth bei Rolandseck) mehrer Arbeiten auszuführen bekam. Diese Malereien aber scheint er immer mehr als Nebenarbeiten betrachtet zu haben, weil er Bildhauer sein wollte. In den letzten Jahren des 7. Jahrzentes hatte er sich in dieser Bildhauerei so weit gefördert, daß er gröbere Aufträge übernehmen und ausführen konnte. „so schnitze er für Boos in der Eifel in die Kapel 2 Seitenältäre, lieferte drei Altäre nach Haydenburg und half nebenbei dem Schreiner Hilger zu Thür in Zierrathen an Kirchenarbeit.
Als Alken 1781 in Ehrenbreitstein bei seiner Schwester Margaretha zu Besuch weilte, lernte er einige bildhauer des Kurfürsten Glemens Wenzeslaus kennen und wurde bald darauf zu wichtigen Arbeiten mitherangesogen. Es handelte sich um den Bau einer überaus prächtigen kurfürstlichen Leibjacht (Zur Geschichte dieser Leibjacht vgl. den Aufsatz von I.Iai. Wagner in den Rheinischen Heimatblättern 1924 Heft 2 S- 39), welche wahrscheinlich von Joh. Leiz entworfen worden war. Der Bau wurde erst 1791 also zwei Jahre nach des Baumeister Leiz Tode, vollendet. Für dieses kostbare Staatsechiff, das 40.000 Gulden zu bauen kostet haben soll, ließ der Kurfürst Clemens Wenzeslaus dann in Ehrenbreitstein eine eigene gedeckte Halle bauen. Am Bau selbst, besonders an der Ausschmückung des Schiffes, waren viele Handwerker und Künstler in Ehrenbreitstein beteiligt, unter ihnen der Koblenzer Holzbildhauer Stadtmayer (vgl. über ihn Karl Lohmeyer, Barock kunst und Künstler in Ehrenbreitstein 1919 S- 35/36) Auf solche Bildhauerarbeiten beziehen sich Alkens Angaben in seiner Familiengeschichte. (F.G.S.84 ff): „ Entlich entstund der neue Jagdbau eines Schiffes bei trierischen Hoff zu Coblenz, welches sehr pressierte, ich kam da in Arbeit 1781.“ Natürlich ist es ihm, der keine gründliche und planmäßige Ausbildung als Bildhauer aufzuvieisen hatte, damals nicht leicht geworden die übertragenen Arbeiten richtig anzufassen und fertigzustellen, „zumal weilen daselbst sich geübte und gereiste Bildhauer befanden."
Auch verlangte der aufkommende Klassizimus mancherlei Neues vom Bildhauer, so war allein die Ausführung der „antik Zierraten," von denen unser Alken „ als ein Mann vom Lande“ noch nicht viel wußte. Trotz alle dem mußte er seine Arbeiten zur Zufriedenheit des Meisters vollendet haben, so daß es nach seinen eigenen Worten „mit Ehren, da weg kam und in 8 wochen nebst der Beköstigung dann noch 60 Gulden nach Haus brachte". Mit diesen Aufenthalte am Kurfürstlichen Hofe hatte Alken seine Ruf als Bildhauer in der Heimat geführt, und als er nach Mayen zurückkehrte, blieben die aufträge nicht aus. (Ob er später noch öfters in Coblenz gewesen ist oder anderswo sich Anregung für seine Kunst geholt hat, wissen wir nicht. Die von ihm verfaßten Familiengeschichte gibt uns über seine Künstlerische Entwicklung und Tätigkeit als Bildhauer leider nur ganz unvollständige und dürftige Angaben, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß er diese Familiengeschichte in seinen späteren Lebensjahren schrieb also zu einer Zeit, als die Bildhauerei längst hinter ihm lag und er als angestellter Lehrer allen Künstlersorgen enthoben war.) In den folgenden Jahren, also etwa bis 1788 hatte unser Bildhauer so viel zu tun, (alle Bildhauerarbeiten Alkens, soweit sie heute noch vorhanden sind, werden in folgenden Abschnitten eingehend behandelt.) daß ihm, zumal da seine Frau eine“sehr sparsame Haushälterin war", ein gewisser Wohlstand erblühte und er schon 1782 das Haus seiner Schwiegereltern kaufen konnte.
Diese ruhigen Jahre dauerten jedoch nicht all zulange, Alken lebte, ohne es vielleicht selbst klar zu erkennen, in einer Zeit großer geistiger Umwälzungen und Erregungen. Die neuen aufklärerischen Ideen des 18. Jahrhunderts, welche auf allen Lebersgebieten, den staatlichen, gesellsschaftlichen und religiösen mit den alten überkommenen Einrichtungen und Anschauungen zu brechen aufgeforderten waren von Frankreich her auch nach Deutschland, zunächst in unsere westlichen Provinzen, gedrungen. Vor allem richteten sich die Angriffeder Aufklärer - es sei nur an Voltaires gern gelesene satirische und haßerfüllte Schriften erinriert - gegen den bestehenden Kirchenglauben sowie gegen die kirchlichen Einrichtungen und Gebräuche. Wie es scheint hatte man auch im stillen Mayen damals von den neuen geistigen Strömungen etwas gehört und da Alken befürchtete, daß bald infolge der „hervorkommenden Aufklärung" die Kirchenverzierungen in Bildern in abgang kämen und er dann ganz ohne Verdienst dastände, verlegte sich unser Bildhauer, dessen beweglicher Geist stets gern etwas neues ergriff auf die Feldmessern( Gute Dieniste für die Vorbereitung auf diesen Beruf mag ihm das aus seinem Besitze stammende und mit seinem Namen versehene Buch geleistet haben: "Erster Unterricht in den Mathematicschen Wissenschaften zum Gebrauch der Kurtrierischen Gymnasien. Koblenz 1776). Da er aber „diese wie alle andern Wissenschaften ohne Lehrmeister lernen müßte“, - die Instrumente hatte er aus Gründen der Sparsamkeit sich selbet angefertigt - so opferte er dem neuen Studium viel Zeit und Kraft. Am meisten litt natürlich seine Kunst, die Bildhauerei; um die er sich zunächst nicht bekümmern konnte und in die er sich nach seinen eigenen Worten „schädliche Riße" tat. Nachdem er dann in Koblenz bei der Kurfürstlichen Regirung seine Prüfung als "Legalisierter Feldmesser (F.G.S.89) bestanden hatte vermaß er 1786 oder 87 den Platz ( Stadt Mayener Bürgermeisterey-Rechnung 1787, wo unter dem „Ausgabegeld wegen dem neuerbauten Städtischen Schulhauß dem Landmaßen Alken für die Abmeßung 3 rthlr. gezahlt worden sind". Kobl. Staatsarchiv) für das neue Schulhaus am Kirchplatz, 1787/88 den Mayener Wald (vgl. F.G.S.89/90 u. Stadt Mayener-Bürgermeisterey Rechnung(Koblenzer Staatsarchiv) 187/88, wonach er im ganzen 87 rthlr. für diese Vermessungen bekommen hat) 1790 den NicknisscherWald, (F.G.S.90) 1791 den Stadtgraben (Bürgerm. Rechnung Mayen 1781 er erhielt 2 rthlr. 18 alb.) vor obergfort" in Mayen, machte
im gleichen Jahre den(Beleg zur Stadtrechnung Mayen 1791 wonach er 2rthl 12 alb. erhielt "Abriß eines neu zu erbauenden Spritzenhauß“ und vermaß schlieblich 1793 (F.G.S.90.) den Kochemer Gemeindewald und einige Privatwaldungen zu Laubach.
Inzwischen war in Frankreich die große Revolution (1789) ausgebrochen, welche zunächst unseren westlichen Nachbarn, den Franzosen, die größten Umwälzungen und Wirren brachte, dann aber auch große Teile unseres deutschen Vaterlandes auf Jahre hinaus in den Strudel jener Bewegung und in langwierigen Kriegen mit hineinzog. Schon kurz nach dem Ausbruche der Revolution waren viele französische Flüchtlinge, die sog. Emigranten nach Deutschland, besonders in die linksrheinischen Gebiete geflohen. Nach Alkens Mitteilungen ( F.G.S.132) hatte Mayen 1791 etwa 600- 700 flüchtige Franzosen, die sehr üppig lebten, dreiviertel Jahre beherbergt. Seit der Hinrichtung Ludwig XVI. durch die Revolutionmänner des Jahres 1793 ging die französische Regierung immer mehr darauf aus, die revolutionären Ideen nach dem Osten, also auch nach Deutschland, zu tragen. Es kam darüber zum Kriege zwischen Frankreich einerseits und den Koaliierten europäischen Mächten, zunächst Osterreich und Preußen, anderseits. In diesem Kriege unterliegen die verbündeten Armeen den fränzösischen Truppen, die von jungen unternehmenden Generalen, später dem großen Napoleon Bonaparte, geführt wurden. Die fränzösischen Heere zogen zum Rhein, besetzten das linke Ufer und erklärten den Rheinstrom als Grenze Frankreichs. Im Oktober 1794 rückten die Franzosen in Mayen ein und blieben zunächst 11 Monate hier.(F.G.S-134) „Man mußte ihnen alles geben, Frucht, Schlachtvieht Pferden, sogar Hemden und Schuh; sie nahmen zwar nichts, man mußte es ihnen gutwillig bringen, und -was sie kauften, kauften sie für Papiergeld oder Aksignaten, welches sie unter Todesstraf befahlen zu lösen, was sie jedoch nachgehend selbst verriefen,( F.G.S.134) In diesem und den folgenden Jahren hatte die Stadt unter den Truppendurchzügen und Einquartierungen viel zu leiden. Unseren Alken aber brachte die Kriegszeit, die sich über eine Reihe von Jahren erstreckte noch besonderes Leid. Die Aufträge, die ihm früher in erster Linie von den Pfarreien aus zugeflossen waren, hörten plötzlich,auf. Interarma tilent musea, der Krieg verscheucht die Musen, die Freunde der schönen Künste. Zudem richtete in den besetzten Gebieten die Departimentsregierung, die allem Kirchenwesen wenig hold gesinnt war, ihre Hauptaufmerksamkeit auf praktische Dinge, den Bau von Straßen, die Verbesserung der Gesundheits- und Rechtspflege, der Viehzucht und des Ackerbaues sowie auf die Aushebung von Truppen, Wir, die wir heute in einer Zeit leben., welche der damaligen mit ihren Nöten und Demütigungen in so vielen Stücken gleicht, können die Sorgen unseres Bildhauers nachfühlen, der sich plötzlich aller Aufträge beraubt und mit seiner großen Familie der bitteren Not preisgegeben sah,(F.G.S.90). So hörte alle meine Hoffnung zum ferneren Verdienst inaller meiner Wissenschaft gänzlich auf. Keine Arbeit, kein Geld und ein Haus voller Kinder, meine mehrerste Leit mit Studium verdäntelt. Nun saß ich da, die Völker kamen 1794 ins Land gestürmt. Einguartierung gabs, welchen man alle Kost geben mußte. Und weilen die Franken das Relionssistun und Bilder zernichteten, so waren auch keine Hoffnung mehr daß ich mein Lebtage meine sehr sauer errungenen Bildhauerarbeit je wieder benuten würde. „Ein Mann von 40 Jahren ware ich damals, nun ware es zu spät, eine anderes Gewerbe zu erlernen, zumalen da ich mich durch das viele Lernen tief in meiner Denkkraft erschöpft hatte." In dieser Not erschien eines Tages sein Bruder Joseph, der Vergolder aus Andernach und überredete den Bildhauer, um dessen Kleinmut zu heben, hölzerne Schuhe anzufertigen. Die Entbehrungen der kommenden Zeiten so sagten sie sich, würden zo groß sein und die Armut der von den Franzosen ausgeplünderten Deutschen, besonders der linksrheinischen Bevölkerung, werde so zunehmen, daß die meisten bald nicht mehr in der Lage seien sich lederne Schuhe zu kaufen. So verfertigten die beiden während des Winters 1794 Holzsehule, „kaufeil Hölz, schaften Tag und Nacht fleißig fort, verkiefen anfangs solcher etliche, verborgten viele und die meisten blieben liegen." (F.G.S.92).
Als diese Hoffnung fehl geschlagen war und die bittere Not ihn und seine Familie von neuem bedrohten, trat Hieinrïch Alken 1795 zunächst 4 Monate lang als Magazinaufseher in Mayens städtische Dienste und mußte als solcher gegen 1 Brot täglicher Bezahlung das Requirierte Getreide backen lassen und die Brote an die französischen Soldaten austeilen.( vergl. Hierzu das Mayener Stadtratsprotokoll vom 8.6.1795 woe die „Munigipalität" vom commihsair Maljlan aufgefordert wird, einen „verständigen und ehrlichen Menschen in Vorschlag zu bringen welcher die Aufsicht über die auf dem Rathausspeicher ausgestapelten Getreidevorräte führen sollte und die Vermahlung und Verteilung des Brotes übernehmen“. Nach dem gleichen Protokoll wird der Bürger Alken vorgeschlagen. In den folgenden Jahren (1795 - 97) blieb unserer Bildhauer vor der äußersten Not bewahrt, daß ihm die von dem städtischen Beamten Keifenheim übertragene“ Untersuchungskommission „im Amte" etwas einbrachten. Auf diesen Untersuchungsreisen lernte er verschiedene Ortsbürgermeister kennen, in deren Auftrag er dann öfters die Gemeinderechnungen anfertigte, was ihm wiederum einen kleinen Nebenverdienst einbrachte. Trotz aller dieser Nebenbeschäftigungen hätte er seiner Familie dem hunger und dem Elend preisgeben müssen, ware er nicht von seiner tüchtigen und fleißigen Frau unterstützt worden, welche während des ganzen Krieges „durch ihre Arbeit mit Nähen aller Art das ihrig beygetragen hatte." Während dieser unruhigen Jahre verdiente Alken wie bereits oben gesagt worden ist, mit seiner Bildhauerei (Die Rechnung der Mayener Pfarrkirche vom Jahre 1791 berichtet „1791 den 15. Oktober und 1792 den 7. Jan. zahlten auf weisungen dem Heinrich Alken vergen gefertigten 4 Bildern an die Beichtstühlen laut Schein 17 rthlr“. Es handelte sich hier um 4 geschnitzte Reliefbilder, die oberhalb der Eingangstüre die vier Beichtstühle angebracht waren; diese Beichtstühle hatte nach der Kirchenrechnung. 1789/90 der damalige Schreinermeister Jörg Schneider für 100 thaler angefertigt, wärend nach der Kirchenrechnung 1785 dem Schreiner Michael Alken, dem jüngeren Bruder Heinrich, „wegen einem verfertigten Risse der Beichtstühlen“ 14 rthlr. 36 alb. gezahlt wurde. Weder von den geschnizten Reliefbildern noch von den Beichtstühlen ist heute etwas vorhanden.) sozusagen nichts, da kein Mensch an die Verziehrung der Kirche und Gotteshäuser dachte" und die Kriegslieferungen sowie die vielen Einquartierungen so viel Geld kosteten, daß „nichts übrig blieb, an die Auferbäudichkeit der Religionszirte zu denken.“(vgl. F.G.S.122) Nur eine einzige gröbere Bildhauerarbeit scheint Alken in dieser Zeit fertiggestellt zu haben. Die Hauptallee des schon1 785/86 neu eingerichteten (vgl. die Mayener Stadt-Bürgermeisterey Rechnung 1786, wo angeführt ist, daß Ausgabgeld wegen des neu an St. Veith dies Jahr errichten Kirchhofs, da Ihro kurfürstl. Dhlt. unterm 8. Merz 1785 endgiltig geruht haben den Kirchhof auserhalb der Stadt zu verlegen.“) St.Veitfriedhofes in Mayen sollte damals mit Stationen geschmückt werden. Wohlhabende fromme Bürger übertrugen Alkens die Ausführung dieser „sieben FuBfälle“, die ihm jedoch nach seiner eigenen Angab nur einen bettelhaften Lohn einbrachten. Da diese Stationen, von den leider nur noch 2 einigermaßen erhalten sind, aus einem ganz wieichen, bröckligen Sandstein gearbeitet sind, haben sie unter der Verwitterg im Laufe der Jahrzehnte so gelitten, daß wir uns ein abschließendes Urteil über die ursprünglichen Arbeiten nicht erlauben können. (Zwei der am besten erhaltenen sind von Herrn Friedolin Hörter in Mayen 1920 photographiert worden, so daß bei der schnell fortschreitenden Verwitterung diese arbeiten Alkens nicht ganz der Vergessenheit anheimfallen. Die eine dieser Stationen trägt die Jahreszahl 1810 [3]
So arbeitete sich Alken bis zum Jahre 1797 unter vielen Entbehrungen durch. Endlich half ihn eine glücklicher Zufall seine Lage bessern. Da die Lehrerstelle für die weibliche Jugend in Mayen neu zu besetzen war, wählte ihn der damalige Pfarrer Kohausen aus den von der Stadt vorgeschlagenen 3 kandidaten als den tüchtigsten Bewerber aus (vgl. Hansen, Beiträge zur Geschichte der Stadt Mayen, Trier 1828 Seite 75 ff. und Hilger, Geschichte von Mayen 1910 S. 307)
Anno 1797 habe ich „ so sagt er in dem Familienbüchlein,“ die Mädchen Schul angenommen" damit betreten wir die zwiete Hälfte seines Lebens die er mit 44 Jahren begann. Es ist ihm sicherlich nicht leicht geworden durch den Ubertritt in den Schuldienst mit seinen künstlerischen Neigungen zu brechen. Aber was blieb ihm in dieser ernsten Zeit anders übrig als der bitteren Not und Pflicht zu gehorchen, zumal da er keine Aussicht hatte, sich und seine Familie mit all seiner „so sauer errungenen Wissenschaften durchzubringen". (F.G.S.96) Das Schulgebäude befand sichs seit 1787 (Zur Geschichte dieses Schulgebäudes und der Michaeliskapelle vgl. meinen Aufsatz „von alten Kirchen und Friedhöfen Mayens" in den Rheinischen Heimatblättern) am heutigen Kirchplatz in dem Hause Nr. 13/14 an der Stelle wo vor 1787 die kleine Michaeliskapelle gestanden hatte, da das Schulhaus vorerst noch mit französischen kranken Soldaten belegt war, so mußte Alken die Kinder im Kapitelhause unterrichten..
Am 15. April 1798 „ besagt eine kurze Notiz im Familienbüchlein, „sind mit in die Schul eingezogen". So blieb er vor Unglück und vor schweren Nahrungssorgen behütet, wenn auch der Lohn, (F.G.S.123) den er als Lehrer erheilt allein nicht ausreichte, das zum Leben nötige zu beschaffen. Nach seinen eigenen Angaben zahlten von den 90 Schülerirnen jede das Jahr 26 Albus. Für den Unterricht der armen Kinder erhielt er aus dem Hospital 3 Malter Korn, außerdem als festes Gehalt von der Gemeinde 7 und von dem Hospital 19 Thaler.“Mit diesem kümmerlichen Gehalte mußte ich mich und die Meinigen durchbringen denn worauf hätte ich Schulden mchen können. (F.G.S.123) Erst einige Jahre später setzte der französische Prefekt das Schulgeld der Kinder von 24 auf 36 Albus, und erst der bekannte Prefekt Lezay Marnesia, der vorletzte in der Reihe der Prefekten des Rhein- und Moseldegartements, bestimmte nach Alkens Mitteilungen in der Familiengeschichte, (F.G.S.125) „ daß ein Schullehrer, welcher alle seine Zeit auf sein schulamt verwenden müße, auch davon zu leben hatte, und nicht außer der Schulzeit nöthig hette brod für sich und die Seinigen kümmerlich zu erwerben." Von diesen Perfekten wurde das feste Lehrergehalt auf 500 Franken festgesetzt, und da die Zahl der zu unterrichtenden Mädchen inzwischen 200 überstieg und alle noch 36 Albus bezahlten, konnte Alken endlich aufatmen und sich vorerst helfen. Kaum hatte er sich ein paar Jahre in den neuen schweren Beruf eingelebt, da riß ihm der Tod die Gattin von der Seite. Sie starb 1800 in ihrem 48. Lebensjahre. Was sie ihm und seiner Familie im Leben und besonders in den vergangenen sorgenvollen Jahren gewesen, geht vor allem aus den wenigen rührenden Worten hervor, die er seiner Frau in dem Familienbüchlein widmet. „ Ihr Betragen in ihrem Ehestand“, schreibt er " verdienet als Christin, Frau, Mutter und Haußhälterin lob und Ehre, und deswegen ist der Verlust derselben den hinterlaßenen sehr ampfinglig. God gebe ihr den ewigen Lohn ihres rechtschaffenen Verhaltens." Die unruhigen Zeitverhältnisse sowie die Unmöglichkeit, sich bei dem anstrengenden Lehrerberufe um seine meist noch unversorgten Kinder zu bekümmern, mögen ihn veranlast haben sich nach einer neuen Gattin umzusehen.( Er heiratete 1801 die, 38 jährige Jungfrau 'Eva Katharina Knauf“, die ihm in den folgenden Jahren 2 Kinder schenkte. vgl.
auf F.G.S.105) Mittlerweile war, etwa seit 1800, das linke Rheinufer dem französischen Staate einverleibt worden, und an die Stelle der Militär- und später der Zentralverwaltung (1798) war seit 1801 die französische Degartements- oder Prefekturregierung getreten.( vgl. hierzu Handbuch für die Landleute von Rhein- und Moseldegartement für das Jahr 1808 Koblenz in der Prefekturbuchdruckerey Seite 16 ff, vgl. auch die Geschichte von Mayan S. 202).
Die Bewohner des linken Rheinufers, also auch die Mayens, welches damals etwas über 2.500 Einwohner zählter, (Hansen a.a.O.S.9) und Handbuch für Landleute S, 15) galten nun als direkte Untertanen der franzbeischen Regierung und blieben es bis 1814. „Wir waren also auch Franzosen; denn alle gerichtliche und öffentliche Verhandlungen mußten in französischer Sprache.geschrieben werden, welches uns als geborene Deutscher nicht wenig Kummer machte." (F.G.S.135) Alken konnte in diesen Jahren der geordneten französischen Verwaltung, somit sein lehrerberuf ihm Zeit dazu ließ, wieder einige wenige Aufträge von Bildhauerarbeiten übernehmen. Außer der bereite erwähnten, für den St. Veitfriedhof in Mayen verfertigten Station vom Jahre 1810 hat er 1811 für die Kirche in St. Johann bei Mayen ein Missionskreuz gearbeitet, das heute noch vorhanden ist. (Nach der St. Johanner Kirchenrechnung von 1812 hat Alken für Arbeiten am Friedhofstor 8 fris 65 ce erhalten.) (vgl. Abb 3). Im großen und ganzen wird er in dieser zweiten Hälfte seines Lebens als Bildhauer nicht mehr viel schaffen können.
So flossen die Jahre für ihn in seiner stillen, emsigen Lehrtätigkeit dahin, welche nur hin und wieder von den unruhigen Zeitverhältnissen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nachdem er schon 1809 den zwanzigjährigen Sohn Urban als Konkribiertan (vgl. außer dem Familienbüchlein auch die F.G.S.117) in die französische Armee nach Spanien hatte schicken müssen, forderte der Kaiser Napoleon 1813 auch seinen 2. Sohn Joseph (die gleiche Nachricht bingt die F.G.S.104) von ihm, damit er in dem bevorstehendem Entscheidungskampfe unter Napoleon gegen die Verbündeten Heere mit-kämpft. Alken sollte diesen Sohn nicht wiedersehen. Eine kurze, aber vielsagende Eintragung in das Familienbüchlein vom Jahre 1871 berichte: „Den 27. April 1813 würde mein Sohn Joseph zum Soldaten gezogen und unter das 85. Regiment zu Fuß gestellt. Hat bis zum 24. Hornung 1817 noch nicht von sich hören lassen, ist allem vermuthen nach bey Leibzig in der Schlacht geblieben."
Nach 1812 habe ich Alkens Tätigkeit als Bildhauer nicht mehr verzeichnet gefunden. Die Sorge um seine Familie und Enkelkinder, deren er en die vierzig zählte, sowie der große Ernst, mit dem er den Unterricht seiner Schüler auffaßte und durchführte, nahmen seine,Zeit und Kräfte ganz in Anspruch.
Da die Bevölkerung nach dem Kriege, also seit 1815, wie überall so auch in Mayen beträchtlich gestiegen war, - die Stadt zählte 1817 bereite 2.635 Seelen - ( Hilger Gesch. der Stadt Mayen, S. 224) erwies sich das alte d. h. das 1787 erbaute Schulhaus schon bald alszu klein. (am Kirchplatz). Man baute in den Jahren 1821 - 24 eine Schule (der Baumeister war Heinrichs Alkens Bruder Michel Alken vgl. auch Hansen a.a.o.S.76) es ist das heutige städtische Verwaltungisgebäude in der Göbelstraße, und beschloß, da 2 Lehrkräfte die 550 Schüler und Schülerinnen unmöglich allein unterrichten konnten, (vgl. Hansen S.78 demnach hatte der Knabenlehrer bisher 338 Knaben und der Mädchenlehrer 218 Mädchen zu unterrichten.) die neue Schule mit 2 Lehrer und Lehrerinnen zu besetzten. Alkens zog im Herbst 1824 in das neue Schulhaus. Bald darauf wurde von dem Landrat Hartung eine neue Schulordnung 1825 ausgearbeitet, die 1826 in Kraft trat. vgl. Hansen a.a.O.S.78 ff) da der vierundsiebzigjährige den erhöhten Anforderungen sich nicht mehr gewachsen fuhlte, bat er den Mayener Stadtrat, ihn aus dem Schuldienst zu entlassen. (P.G.S.140). Die Bitte, wurde ihm gewährt und dem verdienten Lehrer außerdem ein jährliches Ruhegehalt von 50 Tahlern bewilligt. Bevor Alken sich von seinen Schülerinnen und der Lehrertätigkeit, die er 30 Jabre ungefähr lang ausgeübt hatte, trennte, wandte er sich in einer kleinen Abschiederede, (Mayen, den 20.4.1826. Anrede, welche Schulleiter Heinrich Alken an seine Schülerinnen gehalten, nachdem er seit anno 1797 den 6.ten Dezember bis anno 1826 den 30. April in der Gemeinde Mayen als Lehrer der weiblichen Jugend
Vorgestanden, und also zu seinen Schülerinnen, folgende Abschiederede gehalten. „Geschrieben von Maria Anna Kopsin [4]. Die Rede findet sich im Besitze des Herrn Karl Alken in Mayen) die urschriftlich auf uns gekommen ist, an seine Schülerinnen, Diese Rede hat für uns nicht nur als zeitgeschichtliches und pädagogischee Schriftstück einen Wert, sondern ist uns vor allem deshalb lieb, weil sie uns in Alkens reine, und vornehme Seele eine Blick tun läßt, in die Seele eines Mannes und Lehrers, der, ohne die eigenen Schwächen zu verkennen und zu bemänteln trotz mancher Enttäuschung in Leben und Beruf den Glauben an die Kraft des Guten in der menschlichen Natur nicht aufgibt. (Es können hier nur die Hauptgedanken dieser Abschiedsrede mitgeteilt werden. Nach dem Alken sich eingangs daruber beklagt hat, daß bei manchen seiner Schülerinnen all sein Fleiß und alle seine angewandte Mühe nicht gefruchtet hätte, fragt er nach dem Grund dieses Mißerfolges und stellt fest, daß er in vielen Fällen vielliecht zu milde und nachsichtig gewesen sei. Vor allem habe er zu viel Rücksicht auf manche unvernünftige Eltern genommen, den denen er sich, da sie ihre „krabitzigen Kinder wie die Affen liebten," nicht hätte verfeinden wollen. Leider hätten manche Eltern aus Geiz oder anderen Gründen ihre Kinder vom Unterricht ferngehalten. Denen aber, die fleißig und brav den Unterricht bei ihm genossen hätten, gebe er als beste Lehr den Satz mit auf den Lebensweg „Tue jedem, wie du selbet getan hättest." Wie werde es ihn freuen, wenn aus seinen Schülerinnen später „gute, gesittete, ehrbare und wahrhaft fromme, tugendsame Weibsbilder geworden seien." Obwohl er so stets vom besten Willen beseelt gewesen sei, eine "wirkliche Sittenverbesserurig unter die weibliche Jugend Mayens zu bringen“, so seien es doch bei manchen Sohülerinnen eitle Luftschlösser gewesen". Habe er somit sein Ziel nicht erreicht, so seien seiner eigenen menschliche Schwäche und die Unbügsamkeit mancher Herzen" Schuld daran. Möchten sich, so sagt er zum Schlusse, im späteren Leben alle Schülerinnen so betragen, daß auf diesen traurigen Abschied ein Strahl der Freude falle.) In den Tagen, da Alken einer seiner Schülerinnen diese Abschiedsworte diktierte, nahm er noch einmal sein geliebtes Schreibbüchlein zu Hand, in das er die wichtigsten Geburte- und Sterbetagdaten der Familie einzutragen pflegte. Vor vielen Jahren, als er das Büchlein anlegte, hatte er auf dem 1. Blatte verwerkt daß viel Trauriges, aber auch viel Fröhliches in ihm enthalten sei. Jetzt, am Ende seines Arbeits- und sorgenreichen Lebens, fügte er mit zitternder Hand hinzu:
Überhangt mehr leid als Freude
Gott wolle uns Helfen!
Nicht lange hat unser Lehrer und Bildhauer sich der verdienten Ruhe erfreuen können. Am 18.10.1827 nahm ihn der Tod hinweg.( Aus dem Register für die Sterbefälle der Gemeinde Mayen geht hervor, das Heinrich Alken, „ex Schullehrer zu Mayen" am 18.10.1827 nachm. 2 uhr an Altersschwäche gestorben ist. Das noch erhaltene Alken‘sche Nachlaßverzeichnis (im Besitze des Mayener Geschichts- und Altertumevereins) erzählt uns, daß Alken an Kapitalien, Grundbesitz etc. ein Vermögen von inegezamt 3640 Tahlern hinterlassen hat, ein Beweis, daß es dem Manne im späteren leben geglückt war, sich von den alten materiellen Sorgen zu befreien. (Er war äußerst sparsam).Er ging von vielen geliebt und betrauert aus dieser Welt. Als ein Jahr nach seinen Tode der damalige Kaplan Hausen seine Beiträge zur Geschichte Mayens schrieb, gedachte er auch des verstorbenen Alken mit folgenden Worten:
„Der nun mehr entschlafene Hr. Alken hat sein Amt treu und zur Zufriedenheit aller verwaltet. Sein freudlich heiterer und kindlicher Sinn machte ihn seinen Schülerinnen immer lieb und werth, und die Eltern zollten ihm allgemein Achtung. Sanft ruhe die Asche des verdienten Lehrers!"
Die noch erhaltenen Bildwerke Heinrich Alkens.
Von einen guten Kenner der Barockplastik ist einemal richtig bemerkt worden, daß es nicht allzuoft einem Bildhauer mit Sicherheit gelinge, eine künstreiche Plastik der Barockzeit, d.h. mit Hilfe urkundlicher Belege zuzuschreiben. Das mag wohl besonders Kirchen aufgestellten Bildwerke von einzelnen Personen oder Vereinen und Zünften gestiftet wurden und die schriftlichen Belege und Rechnungen hierüber, da man sie nur höchst selten bei solchen Schenkungen einem Archive, hier also einem Pfarrarchive, einfügte, verloren gingen. So ist der Kunsthistoriker, will er einem Meister früherer Zeiten nachgehen, oft fast ganz auf die vergleichende Stilkritik angewiesen. Für die Bestimmung der Alkenschen arbeiten konnte ich außer wichtigen urkundlichen Belegen und der Stilkritik sowie dem Stilgefühle für gewisse Fragen auch die mündliche Familientradition verwerten, (Wertvolle Aufschlüsse durch die Familientradition erhielt ich z.B. von dem Konservator des Eifelvereinsmuseums P. Hörter, dessen Gattin, eine geb. Alken, manches Wissenswerte übermitteln konnte.) mit großer Vorsicht zu gebrauchen ist, selbst wenn wir bedenken, daß Alkens Tätigkeit noch nicht allzuweit zurückliegt. Unsere Untersuchung und Zusammenstellung der Bildwerke, das sei gleich forweggenommen, wurde in mancher Hinsicht, dadurch erleichtert und geklärt, daß in allen durchgesehenen Archivalien, die aus M;ayen sowie den näher und weiter gelegenen Ortschaften stammen und die Zeit von etwa 1770 bis 1830 umfassen, außer Heinrich Älken kein Bildhauer genannt wird.
Die meisten Bildwerke Alkens werden, wie bereits erwähnt wurde, in der Zeit von ungef. 1775 bis in die neunziger Jahre in der Hauptsache für die Kirchen Mayens sowie für die nähere und weitere Umgebung auzgeführt worden sein. Die Zeitverhältnisse waren ihm zunächst recht gunstig. Aus dem inhaltreichen Buche von Karl Lohmeyer (Karl Lohmeyer Barocke Kunst und Künstler in Ehrenbreitstein, Heft I/II 1919 der Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatserschutz) über barocke Kunst und Künstler in Ehrenbreitstein wissen wir, daß während des ganzen 18. Jahrhunderte künstliebende und baulustige Kurfürsten an der Spitze des Erzbistums Trier standen. Die erzbischöfliche Residenz befand sich in Ehrenbreitstein, wo sich „eine wahre Künstlerkolonie von Baumeistern, Bildhauern und Malhern um ihren hohen Gönner gephart hatte." Man geht wohl nicht fehl in der Annahme daß diese Kunstfreudigkeit der damaligen Erzbischöfe auch anregend wirkte auf die vielen Pfarreien des Bistums; und tatsächlich läßt sich urkundlich nachweisen, daß besonders im Laufe des 18. Jahrhundert in der Diözese Trier nicht weinige Kirchen gebaut und manche neue Bildwerke, Altäre, Kanzeln für sie oder Ausschmürckung der alten Kirchen geeschaffen worden sind. Die rheinische Kunst der damaligen Zeit, also um 1750 und später, stand unter dem Einflusse des bekannten Barockbaumeisters Balthasar Neumann aus Würzburg (1687-1753) der vorübergehend auch in Ehrenbreitstein im Dienste des Kurfürsten von von Schönborn, der ein Bruder des Würzburger Bischofes war, arbeitete. (Vgl. hierzu die Aufsätze von Karl Lohmeyer in der Zeitschrift für Heimtkunde des Regierungsbezirkes Coblenz 1920 und 1921)
Als unser Alken zu schaffen anfing, also in den siebziger Jahren des 18. Jahrhundert, wird er noch ganz unter dem Einflusse des Barockstiles gestanden haben. Wenn dieser Stil des 17. und 18. Jahrhunderts vielleicht manchem Leser bekannt sein wird, so seinen hier trotzdem noch einmal kurz seine wesentliche Merkmale hervorgehoben. Die Bildhauerer des Barock gingen vor allem darauf aus, malerisch zu wirken, d.h. die Figuren ohne feste, geschlossene Umrißlinie in meist bewegter Haltung darzustellen. Die Gefühle und Seelenregungen der dargestellten Personen suchten sie nicht nur auf dem Antlitze sich widerspiegeln zu lassen, sonderrn vor allem durch bewegte Gebärden von Armen und Beinen Ausdrucke zu bringen. So erhalten die Figuren, auch die Heiligen der Kirche, nicht selten eine gezierte theatralische Stellung. Entsprechend behandelt der Barockkünstler die Gewandfaltung. Die Gewänder legen sich tief gebauscht und auch flatternd um den Körper, so daß die Körperformen nicht selten unter den tiefen Fälten
verschwinden.
Wir besitzen in Mayen eine prachtige aus Holz gefertigte Kreuzigungsgruppe (Abb-3) in gemäßigtem Barockstile mit lebensgroben Seitenfiguren sowie einem 1,52 m. großen Kruzifiqus. Die Gruppe steht in einer der Nischen des Vorhofes zum Eifelvereinsmuseums. Jetzt, wo nach dem Verschwinden so mancher Farbschichten die Feinheiten (Früher stand die Gruppe an der Koblenzerstraße in Mayen) der Modellierung zichtbar geworden sind, wird die Gruppe besonders wirken. Recht eindrucksvoll ist das schmerzerfüllte Antlitz des Heilandes modelliert, dessen Haupt sich im Todeskampfe zur Seite geneigt hat. Der nackte Körper mit etwas herauzgetriebenen Brustkorb und eingefallenen Unterleib ist richtig und künstlerisch schön gearbeitet. Ergreifend prägt sich der verhaltene Schmerz auf den weich modellierten Gesichtern der Muttergottes und des hl. Johannes aus, die zum Heilande in leidensvoller Geste sich hinwenden. Der Längsstamm des Kreuzes trägt die Jahreszahl 1712. Diese Zahl besagt aber für die Entstehung der Gruppe nicht viel; denn gewöhnlich wurde Anschlusse an eine Mission zunächst das Kreuz gestittet, und erst später wurden der Kruzifizus und die Nebenfiguren hinzugefügt. Das wird auch hier der Fall gewesen sein, da die eingeschnitzte Jahreszahl am Kreuzesstamme von dem Körper des Gekreuzigten ganz überdeckt wird. Wichtiger für die Entstehung des Werkes ist die Stilkritik. Wir haben hier, wie gesagt, ein Werk der gemilderten Barockkunst vor uns, war uns vor allem die beiden Seitenfiguren trotz der gezierten Haltung an ihrer schon mehr ruhigeng festen Umrißlinie erkennen lassen. Während das Obergewand des hl. Johannes sich in tiefen, in die Breite gehenden Parallelfalten über den Unterarm legt, fallen bei beiden Gestalten die Gewänder in meist gebrochenen Längstfalten zur Erde. Zugleich aber, und das ist das Wichtigste, zeigt besonders die F'igur der Muttergottes manche charakteristische Merkmale des persönlichen Stiles unseres Heinrich Alken, Merkmale, wie sie sich später an vielen seiner z.Z. urkundlich beglaubigten Bildwerke vorfinden: der in ungebrochenen Längsfalten herabfließende Mantel der Muttergottes staut sich zwischen den Knieen ein wenig an und läßt oberhalb und unterhalb des einen Kniees die Körperform hervortreten. Besonders charakteristisch ist für unserm Bildhauer die dreieckige Form der Fältung, die hier bei der Mutter Gottes in der Mitte zwischen den Knieen und sodann auch bei fast allen seinen späteren Figuren ander Stelle vorkommt, wo das Gewand die Erde berührt. An dieser Figur und fast allen seinem späteren Bildwerken ist eine gewisse großzügige Faltenlegung zu rühmen, die im Gegensatz zu der überaus knittrigen uud gebauschten Fältelung so vieler Barockplastiken steht. Auch der nackte Christuskörper zeigt auffallende Übereinstimmungen mit anderen von ihm gearbeiteten Körpern des Gekreuzigten (vgl. Abb.11) Am meisten charakteristisch scheinen der lang gezogene Oberkörper, die Modellierung der Muskelpartien am Ober- und Unterarmes, an welchem die Sehnen z.Z. scharf hervortreten. Auch vergleiche man Stellung und Modellierung der Beine und Füse des Gekreuzigten. Auf Grund aller dieser Feststellungen glauben wir in der genannten Kreuzigungsgruppe eine frühe Arbeit Heinrich Alkens vor uns zu haben, die in die Mitte oder das Ende der 70er Jahre des 18. Jahrhundertes gehört. Dass es sich bei der Kreuzigungsgruppe überhaupt um die Arbeit eines jungen Bildhauers handelt, beweisen durch keine sonstigen Gründe zu erklärende Fehler in der Behandlung und Modellierung des Oberkörpers, besonders der Brustpartien der Muttergottesfigur, Fehler, die Alkens spätere Figuren nicht aufweisen.
Die Familientradition erzähltt daß unser Bildhauer außer der besprochenen Gruppe auch das bekannte große Mayener Prosessionskreuz verfertigt habe, das auch aus Papiermaché gearbeitet und mit einer Kreidemasse überzogen und dann bemahlt worden ist. Der Kruzifixus des Prozessionskreuzes zeigt auf den ersten Blick eine auffallende Übereinstimmung mit dem Gekreuzigten der oben besprochenen Gruppe. Angestellte Meesungen ergaben, daß der Kruzifixus des Prozessionskreuzes dieselben Größenverhältnisse aufweist wie der Gekreuzigte unserer Gruppe (kleiner Abweichungen am Prozessionskreuze sind auf Verbiegungen der weichen Papiermachémasse zurückzuführen.) und das somit das Prozessionkreuz, als dessen Verfertiger Heinrich Alken gelten darf, wohl nach dem gleichen Gipsmodelle wie der Kruzifixus der besprochenen Gruppe gearbeitet worden ist.
Bevor wir nun die Hauptarbeiten unseres Bildhauers kennen lernen, müssen wir von der bedeutenden Wandlung des Sïiles sprechen, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Europa einetzte. Man hatte sich vielleicht an den malerisch bewegten, unruhigen und gezierten Darstellungen des Barock leid gesehen; vor allem aber wollte das allmählich erstarkende Bürgertum im im Gegensatz zur barocken Hofkunst im Kunstwerke nicht mehr „den Reiz einer ungefähren( Heinr. Wölfflin Kunstgeschichtliche Grundbegriffe, München 1915) Erscheinung, sondern die Gestalt wie sie ist" besitzen. Die Kunst dieses Bürgertums, das im ausgehenden 18. Jahrhundert die vornehme Adelgesellschaft aus seiner beherrschenden Stellung verdrängte, „konnte nur eine vollkommen sachliche sein."(Rud. Kautzch, der Begriff der Entwicklung in der Kunstgeschichte, Frankfurt a.Main 1917 S. 18) So setzte gegen den überreif gewordenen barocken Stil die Gegenwirkung ein. In Deutschland wird als erster der Kunstgelehrte Joh. Winkelmann den Künstlern seiner Zeitt die barocke Art preiszugeben und sich die strenge und geschlossene Form der Griechen zum Vorbilde zu nehmen. Nichts gehe, so meinte er über die edle Einfalt und stille Größe antiker Kunstwerke. Winkelmann fand überall Anklang, ja begeisterte Zustimmung. Am meisten half ihm sein Freund der Maler R. Mengs den er in Rom kennen gelernt hatte, die neuen Ideen verbreiten. "Ubertriebene und überladene Sachen“,.so schrieb Mengs, „verderben den Geschmack, schöne und einformige gewöhnen das Auge zur zarten Fülung.“(Diese Stelle ist dem Werke von W. Hausenstein entnommen:"Die Kunst und die Gesellschaft, München 1916 S. 154) So bereitete sich der Stil des Klassizismus vor, der nicht, wie man oft irrtümlioh amnimmt, in einer mehr oder weniger erstklassischen Nachahmung der Antike besteht, sondein der im Gegensatz zum malerisch schaffenden Barock anfing wieder linear zu sehen und deshalb den Künstlern seiner Zeit die strenge Kunst der Griechen als klassisch, d.h. mustergultig oder vorbildlich hinstellte.
Von Frankreich aus, wo die neue Kunstweise sich unter ludwig XVI. am schnellsten durchsetzte und alle barocken und rokoko Motive verbannte, verbreitete sich der Klassismus auch auf dem linken Rheinufer. Der trierische Kurfürst Wenzeslaus Klemens, der von 1768 bie 1794, dem Einzuge, der Franzosen, regierte, hatte in den ersten Jahren seiner Regierung durch seinen Baumeister Seiz noch im Stil des Rokoko bauen und die Innenräume ausschmücken lassen. (vgl. hierzu Lohmeyer XVI. O.S.35) Bald aber wurde der Kurfürst, der ein Onkel Ludwigs XVI.war mit den neuen klassizistischen Formen bekannt, und da er an ihnen Gefallen fand und auch nicht als künstlerisch rückständig gelten wollte, legte er seinem Baumeister Seiz in den siebziger Jahren des öfteren ans Herz, „ sich der neuen Kunstweise anzupassen und seine Baurisse mehr á l'antique zu gestalten." (vgl. hierzu auch Alkens Bemerkungen über diese neuen antik Zierathen.) Von Ehrenbreitstein und Coblenz aus werden die Klassizistichen Formen dann auch nach Mayen zu unserem Bildhauer Alken gekommen sein. Dieser scheint noch auf einem anderen Wege sich von dem Barockstile abgewendet und der antiken Richtung sich genähert zu haben. Die Familientradition schreibt ihm eine Reihe von Originalzeichnungen zu, die zu einem Buch[5] zusammengehalten und größtenteils noch gut erhalten eind.( Diese Blättert 53 : 30 cm groß, stammen, als von ihrem Urgroßvater H.Alken herrührend aus dem Besitze der Gattin des Konservators P. Hörter in Mayen. Einige charakteristische Blätter sind in dem Alkenzimmer des Eifelvereinsmuseum in Mayen aufgestellt.) Bine Signatur fehlt leider, so daß wir uns zunächts nur auf die mündliche Familientradition stützen können. Aber andere Überlegungen lassen die Autorschaft Alkens doch als glaubenswürdig erscheinen. Auf diesen Blättern sind nämlich mancherlei Akte, Studien zu Gewandfaltungens Hände und Füße gezeichnet, offenbar in der Absicht um später beim Modellieren verwertet zu werden. Auf anderem Blättern desselben Buches finden sich Freifiguren und Gruppen und zwar von verschiedenen Blickpunkten aus aufgenommen, weil den Zeichner die Bewegungemotive und Körperformen fesselten. Bei einer Reihe dieser Figuren handelt es sich um Nachzeichnungen Griechischer Bildwerke und solcher der italienischen Renaissance sowie einiger dem Barock angehörenden Kutten und Gewandstudien.( So bringt Bl. 78 die spätgriechische Gruppe der Steiger, Bl. 84 eine Wadusa, Bl. 101 den Stie aus der brk. Gruppe, Bl. 120 den Laokoon aus der Gruppe. Aus der italienischen renaissance stamt außer einer Reihe von nackten Männergestalten besonders, die Darstellung des Raubes der Sabinerinnen von Giovanni da Bologny (Auf den Blättern 122-128) von 7 verschiedenen Seiten aus aufgenommen. Ob alle diese Zeichnungen nach Gipsabgüssen oder anderen Nachbildungen angefertigt worden sind, konnte ich nicht feststellen.) Da nun einige z.Z. urkündlich beglaubigte Bildhauerarbeiten Alkens, die wir noch besprechen werden, eine auffallende Beeinflußung durch ähnliche Werke der Antike und der italienischen Renaissanceplastik aufweisen, so können wir, wenn auch die Autorschaft Alkens für diese zeichnungen nicht unbedingt festateht, doch immerhin als sicher annehmen, daß er diese Zeichnungen für seine Bildwerke benutzt hat.
Nachdem wir so gezeigt haben, wie Alken in einer Zeit lebte, welche der Barockkunst entfremdet und dem neuen linearen Stille zugeführt wurde, können wir seine Arbeiten selbet kennen lernen. Daß bei diesen vielfach barocke und klassizistische Entschlüsse sich miteinander verknüpfen, wird jetzt nach alledem, was wir über Alkens Entwicklungsgang gesagt haben, niemandem mehr befremdlich erscheinen.
Als die ersten urkundlich beglaubigten größeren Bildwerke wollen wir die bereits erwähnten 4 groben Holzfiguren besprechen, die früher au den Wänden der Seitenschiffe im Innern der Mayener Pfarrkirche standen, jetzt aber nach der Ausmalung der Kirche in das Westhaus gekommen sind. Dort stehen sie zu je zweien links und rechts vom Westportale in schlechter Beleuchtung. (Die vier Figuren sind von Herrn Schwarz (Photogroph Mayen) frëundlichst aufgenommen worden. Die Figur der hl. Katharina (vgl. Abb.4) der Rad und Schwert als Zeichen ihres Martyriums beigegeben sind, ist von der Mayener-Steinhauer- und Schreinerzunft, die diese Heilige als Patronin verehrte, gestiftet worden. In der Archivtruhe der genannten Zunft, fand sich hierüber folgende Urkunde: "daß vor das neue cadrein bildt, welches die löbliche Steinhauerzunft hat bey underschribenem verferdigen lassen, mit 14 Reichsdal zalt worden, wird hiermit bescheinigen. Mayen, den 16. Sept. 1788 Heinrich Alken." Die Figur wurde bereits 1787 Auftrag gegeben und dem Bildhauer eine Abachlagsumme darauf bezahlt, wie folgender Vermerck der Rechnungsbelege der Steinhauerzunft vom Jahre 1787 erkennen läbt: "Noch dem Bildhauer Heinrich Alken (Henrikus) vor ein neuen Cathatina Zunftbild per abschlag 10 rthlr." Nachdem Alken das neue Bild fertiggestellt hatte, mußte von ihm, wie eine andere Notiz besagte, das alte kleine Zunftbildchen aus der Kirche herausgenommen werden und durch das neue ersetzt werden. Die Zunftgenossen werden das neue Bild mit Recht bewundert haben. Hoheitsvoll, mit der Krone geschmückt und in vornehmer Tracht steht die Heilige vor uns. Während die Hand des vorgestreckten 1. Unterarmes den Griff eines langen, schmalen zur Seite stehenden Schwertes hält, führt sie ihre Rechte mit beteuernder Geste zum Herzen, den Blick nach oben, zum Himmel erhoben Recht malerisch legt sich um das eigentliche Gewand, daß aus langem Mieder mit anshließendem Über- und Unterkleide besteht, ein wallender Mantel. Dieser ist oben um die Schultern geschlungen, geht von der Rückseite aus unter dem 1. Oberarm her und wird von dem Lufthauche der linkere Körperseite so angeschmiegt, daß die Körperformen ober- und unterhalb des Knies sich abzeichnen. Wir haben auf das eigentümliche seiner Gewandbehandlung schon hingewiesen bei der Figur der Muttergottes. Auch bei der hl. Katharina fließt das Gewand in langen, nicht ungebrochenen Falten zur Erde. Und eben so häufig kehrt hier wie dort die dreieckige Form der Fältelung wieder bezonders an der Stelle, wo das Gewand die Erde berührt. Auch daß weich modellierte Antlitz sowie das in Strähnen zusammengefaßte Haar erinnern an die Maria der Kreuzungsgruppe. Leider sind diese und die anderen Figuren, die ursprünglich alle bemalt waren, im Laufe der Jahre so oft überstrichen wordens daß von den Feinheiten der Modellierung besonders der Gesichter, nicht viel mehr zu sehen ist. Die Figur steht auf einem runden, antik profilierten Sockel, dessen vordere Rundung mit einer Kartusche oder einem Zierschilde geschmückt ist.(An diese Figur der hl. Katharina erinnert in vielen Stücken eine etwa 60 cm großbe Holzfigur der hl. Luzia in der Kapelle zu St. Johann- Nitz bei Mayen. Der Hauptaltar wurde wie es in der Nitzer Kapellenrechnung vom jahre 1783 heißt, von dem Meister Alken geliefert. Somit dürfen wir auf Grund dieser Tatsache und der vielen stilistischen Übereinstimmungen annehmen, daß Heinrich die heute noch vorhandenen etwa 60 cm großen Figuren, nämlich äußer der hl. Luzia auch die Heiligen Rochus, Maternus, Sebastian sowie das Vesperbild in der Mittelnische des Altars geschnitzt hat. Es sind weniger bedeutsame Arbeiten. Das Vesperbild, etwas roh gearbeitet, ist innig in der Auffassung, wie das Antlitz des toten Heilandes und der leidenden Gottesmutter bezeugen.)
Im Gegensatz zu der vornehmen Gestalt der hl. Katharina mit ihre hoheitsvollen Zügen steht neben ihr in einfacher Tracht der hl. Wendelin, der Patron der Schäfer. Als unser Bildhauer diese Figur schnitzte, hat ihm sicherlich das Bild des einsamen Schäfers vor Augen gestanden, der draußen in der weiten Natur inmitten seiner Schäflein überwältigt wird von dem Gefühle der menschlichen Ohnmacht und deshalb die Hände zum Gebete zum Himmel erhebt. Der Heilige ist dargestellt in der üblichen Schäfertracht mit den bekannten, beigaben:Tasche, Stab und Schäferhut Wie die Kleidung so verraten auch Gesichtszüge und Haartracht den Mann aus dem Volke, den unser Bildhauer der Wirklichkeit abgelauscht und getreu wiedergegeben hat. Als Ganzes betrachtet hinterläßt diese Figur einen in sich geschlossenen, gerundeten Eindruck; man konnte sie mit den Augen gleichsam abtasten, so linear ist sie gesehen. Wohltund wirkt auch an ihr der Gegensatz der vertikalen Körperlänge und des vertikalen Stabes zu den horizental gerichteten Unterarmen, die schließlich in die Vertikale der gefalteten Hände überleiten. Das sind alles Merkmale, die dem Barock fernliegen und nur von der Klassizistischen Richtung übernommen sein können. Das Postament, fast genau so gearbeitet wie das der h. Katharina, ist auf beiden Seiten mit ein paar antiken Girlanden, wie die Kunst des Louis seize sie liebte, verziert.(Zum Beweise dafür, daß auch die mündliche Familientradition mitunter Richtiges übermittelte, sei folgende kleine Geschichte erzählt. Als unser Bildhauer, seo erzählen noch heute seine Anverwandten, in seiner Werkstätte einst einem Freunde die bis auf den Hut fertiggestellte Figur des hl. Wendelin zeigte, da habe Alken plötzlich seinen großen Schlapphut der Pigur unter den linken Arm geschoben mit den Worten: „Wozu noch einen Hut modellieren und schnitzen, es geht nichts über die Naturwahrheit." Von uns angestellte Unteresuchungen ergabeb, daßder schön modellierte Hut des hl. Wendelin aus einem echten schwarzen Filzhute der damaligen Zeit mit Leinband und Schnalle besteht, den der Bildhauer dann mit einer Kreidemasse überzog.[6]
Über die beiden anderen Bildwerken, die sich nach den angegebenen Stilmerkmalen und bei genau übereinstimmenden Postamenten auf den ersten Blick als Alken‘sche Arbeiten erweisen, ist nicht viel za sagen. Sie werden wie der hl. Wendelin auch von Zünften gestiftet worden sein. Auf der einen Selte steht der hl. Josepf mit dem nackten Jesusknaben, der in kindlicher Freude mit den Beinen strampeld zum Heiligen emporschaut, Während das Christuskind die linke in segnender Gebärde ausstreckt, berührt es mit der Rechten im Spiele des Heiligen Kinn und Bart. Diese Figur des hl. Joseph erinnert an Blatt 115 der erwähnten Handzeichnungen.
Neben dem hl. Joseph steht der apostel Matthias als Patron der Mathiasbruderschaft. Der Heilige, der Aufmerksam in einem Buche liest, hält in der ausgestreckten Linken ein Zimmermansbeil. Die Figur fällt besonders auf durch ihre schlanke Gestalt und leicht geschwungene Haltung. Das Obergewand, das von den Hüften aus nach unten fällt und von dem ein paar Zipfel in barocker Manier zur Seite herausschauen, schmiegt sich dem Körper recht malerisch an.
Im Zusammenhange mit diesen 4 Figuren können wir 2 lebensgroze Heiligengestalten aus Holz erwähnen, die früher in den Seitennischen des Chores der St. Klemenskirche standen. Vor einer Reihe von Jahen sind diese bleiden Figuren auf den Speicher des Mayener Pfarrhauses gekommen, wo sie ein friedliches, aber durch den Holzwurm erhin gefährliches dasein führten. Vor kurzer Zeit hat sie dann der Altertums- und Geschichtsverein in Mayen mit einige anderen Alken' schen Bildwerken von dort heruntergestellt und mit Erlaubnis des Kirchenvorstandes im Museum, dem jetzigen Eifelvereinemuseumt aufgestellt. Auch diese beiden Heiligeng der hl. Severus als Patron der Wollweber und der hl. Johannes Nepomuk[7], sind zicherlich gestiftet worden. Der hl. Severus (Abb. 6) mit dem Bischofshute steht vor uns in segnender Gebärde, während der hl. Johannes mit der Geste des Predigers zum Volke spricht. Die Modellierung der beiden Figuren zeigt alle bekannten Stileigentümlichkeiten unseres Bildhauers. Die Postamente, deren Reste noch auf dem Pfarrhausspeicher liegen, sind die gleichen wie die der oben besprochenen 4 Figuren im Turmhase der Pfarrkirche. Nach der Kirchenrechnung der Mayener Pfarrkirche vom Jahre 1810 erhielt Alken, wie es wörtlich heißt, „für einen Fuß an das St. Johannes bildt," also für ein Postament," 29. fris 76cs. Danach darf man annehmen, daß die beiden Figuren erst nach 1800 entstanden sind. Ein glücklicher Zufall hat sie vor dem entstellenden Ölfarbanstrich späterer Zeiten bewarht. Die ursprünglichen Farben und die versilberten und vergoldeten sowie grün und rot lasierten Teile an ihnen sind noch verhältnismäßig gut erhalten. Die wenigen Reste lassen uns erkennen, wie prächtig diese und all die anderen Bildwerke von Alken sich in den leuchtenden Farben ausgenommen haben müssen. Die Vergoldungs- und Versilberungstechnik hat H. Alken selbst gekannt und geübt.(Vgl. Hierzu die früheren Bemerkungen über das beim Vater Jak. Alken erlernte Vergolderhandwerk.) wie aus verschiedenen urkundlichen Belegen hervorgeht. So fand ich ihn in der St. Johanner Kirchenrechnung des Jahres 1787 als Vergolder des Antegendiumstäbchens erwähnt, wofür er 1 rthlr 45 alb. erhielt. Ferner nennt ihn die Mayener Kirchenrechnung des Jahres 1807, also der Franzosenzeit als Vergolder und Versilber. An einer Stelle dieser Rechnungelegung heißt es: "à Henri Alken Mayen pour l'argentement des Girandoles 16 fris 16 ca." und weiter „à Henri Alken Mayen pour d‘oreries 59 fris 0,8 cs." Bis 1794 war der bereits genannte Bruder unseres Bildhauer, der Vergolder Joseph Alken (geb. 1758) als Vergolder und Bemaler von Altären Kanzeln, Beichtstühlen tätig. Als dieser 1794 nach Andernach zog und dort einer wohlhabende Kaufmannswitwe heiratete, gab er seinen alten Vergolderberuf auf. (Freundliche Mitteilung des Ärchives Weidenbach in Andernach, nach dessen weiteren Angaben Jos. Alken Andernach als Kaufmann in der Kramgasse (jetzt 17) wohnte, 1798 Schultheis war und am 15.3.1828 dort gestorben ist.) Somit können wir annehmen, daß alle nach 1794 entstandenen Arbeiten Heinrich Alkens, also auch die beiden besprochen Figuren, von ihm selbst bemalt und vergoldet worden sind, während sich von den vor 1794 verfertigen Bildwerken nicht immer mit Sicherheit sagen läßt ab Heinrich oder Joseph Alken sie bemalt hat. Die auf Abbildung 7 wiedergegebenen etwa 1980 m grobe Holzstatue der Maria Immaculata soll von einem der alten Seitenaltäre in der Mayener Pfarrkirche stammen. Sie wird dann sicherlich den Altaraufsatz gekrönt haben.[8]) Die Figur gehört zu denjenigen, die mit anderen erwähnten Bildwerken Alkens bis vor kurzem auf dem Pfarrspeicher ruhte und jetzt im Eifelvereinsmuseum steht. Die Mutter Gottes, eine imposante Frauengestalts ist vom Bildhauer dargestellt worden, wie sie uber der Erde schwebt, die Blicke zum Himmel richtend. Wie sehr Heinrich Alken hier unter dem Einfluße der Antike steht, lehrt ein Blick auf die Natur der Mutter Gottes, die der Bildhauer Guthmann um 1750 für die Kreuzkirche in Ehrenbreitstein gearbeitet hat.( Abgebildet bei Lohmeyer a.a.O.S.48) Während die Ehrenbreitsteiner Maria alle wesentlichen Merkmale den Barockstiles aufweist, deutet unsere Madonna, abgesehen von ein paar Zipfeln des Mantel, die zu beiden Seiten barockartig hervorschauen, in Bezug auf Gewandbehandlung und Modellierung des Kopfes auf antike oder Renaissance vorbilder hin. Das überden Hüften gegürtete Untergewand fällt wie bei so vielen Alken‘chen Gestalten in langen Parallelfalten zur Erde und läßt oberhalb des r. Knies die körperformen sich abzeichnen. Von höchstem Interesse ist der Kopf der Mutter Gottes, der mit dem weich modellierten Gesichte, dem kleinen, ein wenig geöffneten Munde, den großen aufwärts gerichteten Augen sowie dem rund geformten Halse und der griechischen, in einem Haarknoten auf der Rückseite zusammgengefaßten Frisur an einem altgriechischen Frauenkopf, besonders den Niobe in Florenz erinnert. Zu dieser Ansicht führt uns auch eine der erwähnten Handzeichnungen, nämlich Bl. 94, auf dem gleichfalls ein an die Floretiner Niobe erinnernder Kopf dargestellt ist.
Aus derselben Zeit wie die besprochene Madonna stammen 6 etwa 90 om große Holzfiguren in Eich bei Andernach, sien standen früher auf Rokokopostamenten im Innern der alten Eicher Pfarrkirche (vgl. Paul Lehfeldt, die Bau- und Kunstdenkmäler des Reg. Bez. Coblenz. Heft VII S.376/77. Da die alten jetzt abgebrochene Kirche in Eich 1784 erbaut worden ist, wird Heinrich Alken ähnlich wie in St. Johann b. Mayen für die Inneneinrichtung mancherlei geschnitzt haben.) an den Pfeilern. Vor ein Reihe von Jahren sind sie auf dem Orgelhaufe der jetzigen neuen Kirche in einer Ecke zusammengestellt worden, wo sie auf eine ihres künstlerischen Wertes würdige neue Aufstellung im Innern der neuen Kirche warten. Es ist zu bedauerng daß man im Laufe der Zeiten aus romanischen und gotischen Kirchen und solchen die in diesen Stilen neu erbaut wurden, vielfach prächtige Kunstwerke anderer Stilepochen wie der Renaissance, des Barocks und Rokoko entfernt hat, oft in dem guten Glauben man müsse die Kirchen möglichst stilrein halten. Vor allem, zo sagte man, seien aus romanischen Stilepochen dann zu entfernen, wenn sie vereinzeltn in der Kirche ständen und alle Verbindungsglieder fehlten, die vom alten stile, dem romanischen oder gotischen, zu ihnen hinüberleiteten. Die Folge dieser irrigen Ansicht wart daß aus romanischen oder gotischen Kirchen viele prächtige Kunstwerke späterer Zeiten herausgebracht, verkauft oder, wenn es gut ging auf irgend einen Speicher oder in eine dunkle Ecke der Kirche gestellt wurden, wo die Bildwerke dann ein wahres Aschenbrödel dasein führten. An ihre Stelle kamen vielfach, wie F. Witte richtig bemerkte( F. Witte, die Stellung der Kirche zur modernen Zeitschr. für christl. Kunst 1912, Heft 1 S. 5 ff.) nun romanische oder gotische Heiligen bilder, die nichts anderes sind als zumeist konvertionelle seelenlose Mache, ohne Spur oft von religiöser Tiefe und schlichter Frömmigkeit, mehr auf Stilechtheit als auf Gehalt gearbeitet. Der verknöchterte inneren Archaismus, so sagt Witte hat üble Triumpfe gefeiert auf Wänden, Altäre und Glasgemälden. Die genannten Eicher Figuren sind nach ihren Stileigentümlichkeiten besonders was die Gewand- und Haarbehandlung anbetrifft als Alken‘sche Arbeiten anzusprechen. Betrachten wir zunächst den hl. Benedikt, den Gründer des Benediktiner-Ordens und des berühmten Klosters Monte Kassino in Italien, das im laufe der Jahrhunderte eine weltberühmte Stätte des klösterlichen Lebens wurde. Der Heilige, der mit seine durchgeistigrten Antlitze und dem wallenden langen Barte an einen Apostel der italienischen Renaissanceplastik erinnert, wendet sich im eifrigen Gespräche zu der neben ihm Stehenden hl. Scholastika, seiner Schwester, die in Ordenstracht als Äbtissin eines ihr gegründeten Frauenklosters dargestellt ist. An der Gestalt der Scholastika erfreut uns vor allem die edle Linienführung sowie das schön herabfliebende Gewand.
Von den beiden anderen Eicher Figuren überrascht die des hl. Quirimus mit dem Bischofshute durch ihre gedrehte und gezierte barocke Haltung, die sich hier von allen Alken‘sche Arbeiten
am schärfsten ausgeprägt. Der neben ihm stehende Heilige ist warscheinlich der Bischof Marcellus (vgl. hierzu die Ikanographie von Wessely, Leipzig, 1874 sowie Dezel, Christl. Ikanographie, Freiburg 1896) aus dem 4. Jahrhundert, der in der Kunst öfter mit einem Drachen dargestellt wird, den er an der leine führt oder mit einer Stola gebunden hält. Die Wendung des Kopfes sowie des r. Armes und der r. Hand lassen darauf schließen, das der Heilige den Drachen ursprünglich an einer leine führte. Außerdem wird die Figur früher einen Bischofshut getragen haben, wie die abgeflachte Schädeldecke beweist. Über die beiden letzten Eicher Figuren, den hl. Rochus mit Hund und einem Engelchen, das dem Heiligen die Beinwunde auswäscht, und den Erzdikon Laurentius ist nichts besonders zu bemerken.(Über die Tätigkeit des Baumeisters Michel Alken in Eich des Bruders von H.Alken) Die Rokokoverzierungen an.den Postamenten sowie die Modellierung der 6 Figuren berechtigen uns die Zeit der Entstehung in das Ende der siebziger oder in den Anfang der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts zu verlegen. Anzunehmen ist daß die Figuren sich auf eine Reihe von Jahren verteilen, so daß der Quirinus und Marcellus als die ältesten, der hl. Benedikt und die Scholastika als die jüngsten dieser Serie anzusprechen wären.
Aus einer etwas späteren Zeit, vielleicht dem Anfang der neunziger Jahre stammen 2 prächtige etwa 1,20 m hohe Holzfiguren in der Pfarrkirche zu Monreal. Wir brauchen nur die eine von dem hl. Severus, dem Patron der Wollweber, mit der bereite besprochenen Severusfigur in Mayen zu vergleichen, um die große Übereinstimmung zwischen beiden in Bezug auf Körperhaltung, Gewandung und Gesichtazüge festzustellen. An diesen Monreal Severus wie an dem neben ihm stehenden Papste Sylvester mit Mitra und Hirtenstab erfreuen uns die Parallelfalten malerisch herabfliebenden Untergewänder ebenso wie die großzügig umgeworfene Chormäntel, die vom Winde dem einen auf der linken, dem andern auf der rechten Seite dem Körper angeschmiegt werden. (Diese Figuren sind zusammen mit einigen andern der Kirche neuerdings bemalt worden.) Daß H. Alken für die Kirche in Monreal gearbeitet hat, ließ sich urkundlich feststellen. Nach der Monrealer Kirchenrechnung 1779/80 wurde "dem meister Ennerich zu Mayen die 2 leuchter und Füß an die Sträuß anzustreichen 3 rthlr bezahlt. Im Zusammenhange hiermit seien 2 etwa 80 cm große holzgeschnitze Figuren genannt, welche in der Kirche zu Reudelsterz bei Mayen in den beiden Seitennischen des Hauptaltares stehen und auf den ersten Blick als Alken‘sche Arbeiten zu erkennen sind. An der Gestalt des hl. Nikolaus zu dessen füßen 3 nakte Kinder in einer Bütte sich vergnügen, sind die hübsche Gruppierung ebenso zu loben wie die charakteristichen Züge des Heiligen. Dasselbe gilt auch von der Figur des hl. Antonius, der in einem Buche liest.
Nicht oft hatte unser Bildhauer das Glück, das Innere einer neuen Kirche mit ausschmücken und versieren zu helfen. Diese Gelegenheit bot sich ihm, als die Bewohner von St. Johann bei Mayen an die Stelle ihres gebrechlichen alten Kirchleins im Jahre 1784 ein neues schöneres Gotteshaus zu errichten beschlossen. Die Pläne hierzu wurden von dem kurfürstlicht trierischen Hofwerkmeister und dem Baudirektor Michael Wirth, (Die St. Johanner Kirchenrechnung 1784/85 berichtet hierüber:"Dem Hofwerkmeister Michael Wirth als Baudirektor der neuen Pfarrkirche vermög seines anords vom sendt auszahlt worden die Summa gelds rthl 125--
Derselbe wegen nebengehabten Beschwerden und an sanften anidentalien der sendt Ihnen zahlt rthl 22“) in Ehrenbreitstein entworfen, der sich vom einfachen Zimmermann zum Werkmeister und schließlich zum selbständigen Architekten umgearbeitet hat.(Vgl. über Wirth das angeführte Buch von Lohmeyer, S. 529 wo Michael Wirth als Hofzimmermeister und Gehilfe des Hofbaumeister, Seiz erwähnt wird. Vgl. auch über Wirth: Lohmeyer, Johannes Seiz, Heidelberg 1914. S. 210 ff). Nachdem die Baurisse Wirth's genehmigt worden waren und man mit dem Bau der neuen Kirche schon 1784 begonnen hatte, wurde am 3l August 1785 der Grundstein zur Kirche unter großen Feierlichkeiten gelegt, wie aus dem ausführlichen Protokolle der Grundsteinlegung hervorgeht. Da die St. Johanner Kirchenrechnungen dieser Jahre fast alle unversehrt erhalten sind und ausführlich über die Baukosten und Neuanschaffungen im Inneren berichten, so sind wir in der Lage, uns ein anschauliches Bild von der Entstehungsgeschichte und inneren Ausschmückung dieser Dorfkirche im Stile des Louis Seize zu machen. (Vgl. meinen Aufsatz über „die Kirche in St. Johann und ihre innere Aussmükkung durch Mayener Meister“ in dem vom Rhein Verein für Denkmälspflege und Heimatschutz herausgegebenen Hefte über „Mayen und das Maifeld." 1922).
Die St. Johanner Kirche ist ganz kurz erwähnt im Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler von Dehio Bd. V, 1911 S. 349, wo von einer „guten Ausstaltung im Innern gesprochen wird.“ auch Paul Lehfeldt, Bau- und Kunstenkmäler des Reg. Bez. Koblenz, S. 438.)
Am Kirchenbau selbst waren fast nur Mayener Handwerker beteiligt. Die innere Einrichtung, die unversehrt auf uns gekommen ist, wurde mit ausnahme des Hochaltares und der Kirchenbänke von den Mayener Brüder Heinrich, Josef und Michel Alken geliefert. (Über die von Josef Alken, dem Vergolder, und vom Baumeister Michael Alken ausgeführten Arbeiten) Von diesen hat Heinrich Alken zunächet das Hauptportal der Kirche ausschmücken helfen. Die St.Johanner Kirchenrechnung vom Jahre 1785 erzählt daß "an meister Alken für oben auf das Portal verfertigten Aug. Gottes 7 rthlr 18 alb. auszahlt worden." Dieses in Sandstein gearbeitete Auge Gottes ist heute noch über dem Haupteingange an der Westseite der Kirche zu sehen. Die meisten Aufträge für die innere Ausstattung der Kirche erhielt nicht Heinrich sondern sein Brunder, der Baumeister (Vgl. über ihn und seine für die St. Johanner Kirche angefertigten Arbeiten meinen oben erwähnten Aufsatz in dem Hefte „Mayen und das Maifeld.“) Michael Alken, der schon damals als Zeichner und Erbauer von Altären, Beichtstühlen, Kanzeln im Kreise Mayen und darüber hinaus einen guten Namen besaß. Für die St. Johanner Kirche hatte Michael Alken die beiden Nebenältäre, die Kanzel sowie die beiden Beichtstühle zu liefern. Diese Beichtstühle tragen über den Eingangstüren runde geschnitzte Reliefbilder, von denen das eine die büßende Magdalena, das andere den hl. Petrus mit Hahn und Himmelschlüssel darstellt. Diese beiden Reliefbilder sind von Heinrich Alken geschnitzt worden wie folgende vorgefundene Quittung bestätigt:" Das von Kirchenmeister zu St. Johann vor die 2 Bilder in die Aufsätze deren beichtstühle fünf reichtstaler kölnisch empfangen habe wird hiermit beschienen. St. Johann den 5. Juli 1789. Heinrich Alken von Mayen." Da Michel Alken selbst nicht schnitzte, so ist als sicher an zunehmen, daß an allen von Michel Alken gelieferten oben genannten Gegenständen die Schnitzarbeiten von Heinrich Alken ausgeführt wurde. Im folgenden Jahre 1790 schnitzte er dann noch für die Seitenaltäre 2 kleine noch heute vorhandene Kruzifixe, worüber sich folgender Beleg fand. "Daß Meister Alken Bilder-Hauer zu Mayen an versamlten send für 2 crucifix Bilder für auf die neben altär aufs das genaueste verairordiet bezahlet worden 3 rthl. welche drei rthl. richtig empfangen wird anmit qauittirend beschienen. S.Johan 20 Jan-1790 bekamen Heinrich Alken"
In dieser Zeit wird Alken auch zwei wahrscheinlich gestiftete 76 cm große Holzfiguren verfertigt haben, die früher im Chore St. Johanner Pfarrkirche standen, jetzt aber wieder einem ehrenvollen Platz In der Kirche selbst angewiesen bekommen haben.
Die eine Figur (vgl. Abb. 1=) ist als der Hl. Johannes Nepomuk sofort zu erkennen. Wie bei der besprochenen Mayener Nepomukfigur wendet sich auch hier der Heilige als Prediger zum Volke. Der Kopf mit dem nach dem Leben gearbeiteten Gesichtazügen läßt erkennen, daß unser Bildhauer sich nicht mit einem der ausdruckslosen typischen Nepomukgesichter, wie sie die Durchschnittskunst der damaligen Zeit schuf, zufrieden gab, sondern daß er den Heiligen mit den naturalistischen, wirklichen Zügen eines Zeitgenossen, vielleicht eines guten Bekannten oder Verwandten ausstatten wollte. Außerordentlich fein sind die einzelnen Teile der Gewandung gearbeitet. Über dem Talar, dessen mittlere Knopfreihe unten gut zu sehen ist, trägt der Heilige die Rochette mit, Spitzensaum und darüber einen Hermelin mit Pelzschwänzchen. Nachdem die Figuren in jüngster Zeit von ihrem dicken weißen Ölfarbenanstrich, den sie im laufe der jahre erhielten, befreit worden sind lassen sie nunmehr alle Feinheiten der Modellierung wahrnehmen. Nicht minder als diese Einzelheiten erfreut uns der Gesamteindruck, den beide Arbeiten, insbesondere auch die Mutter Anna mit ihrem Kinde hinterlassen. ( An den St. Johanner Nepomuk erinnert eine prachtige kleine Nepomukfigur aus Buchebaumholz, 26 cm groß, die aus dem Besitze der Alken‘chen Familien in den des Eifelmuseum in Mayen übergegangen ist. Bewundernewert erscheint uns, wie unser Bildhauer trotz des harten und äußerst schwer zu bearbeitenden Holzes mit größter Liebe und Sorgfalt dieses Figürchen geschnitzt hat, so daß all die Feinheiten in der Behandlung der Gesichtszüge, der Haare sowie der priesterlichen Gewandung klar und schön hervortreten.) Die Heilige, eine große, schlanke Frauengestalt, sieht in mütterlicher Liebe und Besorgnis zur Kleinen Maria hinunter, welche bescheiden vor sich hinblickend den Worten lauscht, die die Hl. Anna mit belehrender Geste zu ihr spricht. Die ganze Figur der Mutter Anna erhält infolge der Schriftstellung und des zur Seite geneigten Hauptes einen leichten den Körper durchziehenden Schwung. In die hierdurch entstandene Einbuchtung der rechter Körperseite hat Alken die Kleine Figur der Maria so einzufügen verstanden, daß sie mit der Mutter Anna zu eine harmonischen Gesamtblick sich verschmeltz. Man verfolge daräufhin die schöne Umrsißlinie, welche die ganze Gruppe umsäumt und dazu der prächtige Fluß der Gewänder, die alle Stileigentümlichkeiten unseres Bildhauers aufweisen. Wie hübsch wird das in parallellen Längsfalten herabfließende untere Gewand der Heiligen umrahmt von dem malerischen Uberwurf der Mutter Anna, der vorne auf der Brust zusammengeknotet, ist..Die hl Maria, für zich allein betrachtet, könnte, besonders was den Kopf und die Gewandbehandlung mit der durchscheinenden Form des r. Beines angeht, als Engel an einem Renaissancealtar gedacht werden. Nur in einem hat sich Alken hier von der Klassizistischen Richtung nicht beeinflußen lassen. Man schaue sich daraufhin die Gesichtszüge der Mutter Anna einmal an. Das schmale, längliche etwas verhärmte Gesicht mit den eingefallenen Zügen, den schmalen, geschlossenen Lippen und dem spitz zulaufenden unten gebogen Kinn, dazu den feinen Gesichtefältchen, die über Kinn, Hals bis zum Schlüsselbein gehen, alle diese der Natur abgelauschten Merkmale erinnern an die vom Leben gezeichneten Züge einer alten Frau aus dem Volke..So vereinen sich bei dieser Figur, die vielleicht als die beste seiner Arbeiten gelten kann barocke, klassizistiesche und naturalistische Stileigentümlichkeiten, welche dem Ganzen einen eigenen Reiz verleihen.(Eine ähnliche Gruppe steht in der Pfarrkirche zu Monreal bei Mayen. Allerdings erscheint hier die Mutter Anna nicht im Idealgewand wie in St. Johann sondern in ländlicher Tracht. Die prächtig gebaute Gestalt, an eine Gutsbesitzersfrau erinnernd, als Kopfbedeckung ist wie in St. Johann eine Haube mit herabwallendem Schleier gewält worden, drückt mit der Rechten die junge Maria an sich, wärhend sie mit der linken dem Kinde irgendeinen Gegenstand, vielleicht ein Buch, hinhält. Das Antlitz der Mutter Anna zeigt vergrämte und versorgte Züge. Trotz mancher äußeren Abweichungen erinnert die Gruppe in vielen Stücken an die St. Johanner Arbeit; man vergleiche daraufhin die Gestalt der kleinen Maria, das malerisch umgeschlungene Obergewand sowie die Gewandfaltungen im einzelene. Die Gruppe, die in ähnlicher Ausführung auch in Andermach steht (früher in der Hospitalekirche jetzt in der Läufstr. Ist um 18oo entstandten.)
Als letztes seiner für die St. Johanner Kirche angefertigten Bildwerke sei das Holzgeschnitzte etwa 1,25 m große Missionskreuz besprochen. Es ist in der Franzosenzeit entstanden, wie aus den folgenden Angaben der St. Johanner, Kirchenrechnung vom Jahre 1811 her vorgeht: “Dépense de quarante siz francs quatre vingt quatre centimes paye an monsieur Alken, sculpteur de Mayen, pour courteuire un croix misionné an c‘imetière." Der Körper dieses Missionskreuzes, das heute noch auf dem St. Johanner Friedhofe an der Südspitze der Kirche steht hatte leider unter den Witterunseinflüssen so gelitten, daß er heruntergenomen und ausgebessert werden mußt. Im übrigen zeigt dieser Christuskörper alle bereits genannten Stileigentümlichkeiten unseres Bildhauers. Das Gleiche gilt von dem schönen Kruzifixe, welches als kostbares Erbstück aus Alkens Nachlaß sich im Privatbesitze (Das Kruzifix entstammt dem Besitzer der verstorbenen Fr. Comes in Mayen, einer Verwandten unseres Bildhauers.) in Mayen befindet. Wer dieses Holzgeschnitzte, etwa 55 cm große Kruzifix Vgl. Abb 11 zur ersten Male siehts, bewundert vor allem den schlanken, ganz linear geschauten Körper des Gekreuzigten sowie die symmetrische Anordnung der Teile, Blicken wir genauer zu, so erkennen wir dei oben erwähnten Alken‘chen Stileigentümlichkeiten in der Modellierung des nackten Körpers und in der Haltung und Stellung von Armen und Beinen. Das Haupt des mit der Dornenkrone geschmückten Christus, der bereits am Kreuzesstamme ausgelitten hat, ist auf die rechte Schulterseite gesunken. Die Gesichtszüge prägen ergreifend die überstandenen leiden aus, nicht grob naturaliatisch, sondern hoheitsvoll und abgeklärt. So hinterläßt dieses Kreuz den Eindruck eines tüchtigen Werkes, an das man natürlich nicht die Maßstäbe moderener expressionistischer Kunstkritik anlegen darf sondern das man aus dem Geiste der damaligen Klassizietischen Richtung und besonders aus der tiefen, echten Frömmigkeit unseres Bildhauers heraus verstehen und würdigen muß.
Weit mehr hat sich Alken bei der 1,60 m großen Holzfigur des hl.Michael die im Mayener Museum stëht, durch die klassizietische Richtung beeinflussen lassen. Nachdem 1789 die kleine Michaeliskapellen ( Vgl. den "Extractur protocolli curials Mayeng den 6. Mertz 1787,“ wo es heißt: "Hat därselbe (Maurermeister) das Michaels Capelgen medt beinämßgen abzubrechen, den Keller und fundamenten unter dem Michaelis Capelgen auszuwerfen." Aus den Belgegen zur Bürgermeisterei/Rechnung 1787 Von Mayen im Koblenzer Staataarchiv.) die hinter der Pfarrkirche am Kirchplatze stand, abgebrochen worden war, wurde zu Ehren des Hl. Michael in der Pfarrkirche ein "schicklicher Altar" eingerichtet.( Vgl. Hansen a.a.O.S.75; vgl auch Geschichte von Mayen S. 276). Man darf als sicher annehmeng daß Alken damals für diesen Altar den hl. Michael gearbeitet hat. Der Erzengel wird dann, wie die Wendung des Kopfes sowie der nach unten weisende Blick andeuten, vielleicht den Altaraufsatz geschmückt haben. Leider sind nicht alle Teile an dieser Figur unversehrt erhalten geblieben. Die beiden Unterarme sind später (besonders schlecht der linke), ergänzt worden. Der Erzengel Michael ist als Bekämpfer der aufrührerischen Engel in der Kunst gewönlich mit Wage und Schwert dargestellt worden. Wie bei vielen Renaissanofiguren wird auch bei unserem Michael der Oberkörper von einem aus Leder gefertigten Harnisch umschlossen, der die Formen des Oberkörper, so genau wiedergibt, daß man ihn für unbekleidet hält. Den Unterleib schützt ein von den Hüfte bis zu den Knien reichender Lederschurz, der an einem über die linke Schulter gehenden Bande bevestigt ist. Am meisten erfreut an der ganzen Gestalt der charakteristische Kopf mit der seltneren Form des griechischen Helmes, unter dem zu beiden Seiten des Hauptes das dicht gelockte Haar gleichsam hervorquillt. Wer den Kopf im Profil schaut der glaubt zunächst einen griechischen Helden vor sich zu haben, bis ihn die auf der Brust angebrachten 3 ersten Buchestaben des Namens Jesus sowie das Rokokomotiv am Halsausschnitte des lederwamses daran erinnern, daß es ein Bildwerk der Kirchlichen Kunst aus dem Ende des 18. Jahrhundert ist.
Rückblick auf He.inrich Alkens Bildhauerische Tätigkeit.
,Als Heinrich Alken am 18. Oktober 1827 aus dieser Welt schied, wußten von den Bewohnern Mayens nicht viele, daß mit ihrem geliebten Lehrer auch ein ganz tachtiger Billdhauer dahingegangen war. Er hatte in seinr großen Bescheidenheit von seinen Arbeiten, mochten sie in Mayen oder auberhalb stehen, nie viel aufhebens gemacht. Leider war sein Schaffensdrang infolge der Armut.im Elternhause und später infolge der über aus trauigen Zeitverhältnisse so oft gestört und gehemmt worden, daß ihm besonders in der zweiten Hälfte seines Lebens für seine Geliebte Kunst, von der er sich so schwer zu trennen vermochte nicht allzuviel Zeit übrig blieb. Wenn es uns auch bis heute noch nicht gelungen ist, eine Ubersicht über alle seine noch vorhandenen Arbeiten zu bringen, so sind wir doch jetzt schon imstande, uns an Hand der erwähnten Arbeiten ein Urteil über ihn als Bildhauer zu bilden. Sollten sich mit der Zeit noch andere Bildwerke von ihma auffinden, so werden sie sich leicht den übrigen einreihen lassen.
Wir haben als wir die einzelnen Werke kennen lernten, darauf hingewiesen, daß Heinrich Alken zunächst unter dem Einfluße des barockstiles stand und nach und nach immer mehr in den Bann der klassizistischen Richtmg geriet. Diese mag in ihm vorallem ein feineres Gefühl für die schönen Formen und den antiken Fluß malerisch drapierter Gewänder sowie für edle Iinienführung und symmetrische Anordnung der Teile bei Einzelfiguren und Gruppen geweckt haben. Dabei blieb er jedoch nicht stehen. Er besaß eine scharfe Beobachtungsgabe, die sich nicht damit begnügte antike, Idealbilder in antike Gewänder zu kleiden sondern die weiter ging, indem er seinen Heiligen öfters naturalistische Züge sowie das Kostüm von Zeitgenossen verlieh. So kommt es daß einige seiner Werke und gerade die besten durch ihre harmonische Verschmelzung von barocken, klassizistischen und naturalistischen Stileigentümliehkeiten einen eigenen Reiz gewähren und rein qualitativ betrachtet zo schön sind, daß man alle beeinflussungen und Vorbilder darüber vergißt und diese Bildwerke mit stiller Freude genießt. Wenn Heinrich Alken auch kein großer Künstler war, so verdient er doch als ein stiller bescheidener lokaler Künstlers der sein Talent ganz in den Dienst der Kirchlichen Kunst stellte, der Vergessenheit entrissen zu werden. Wer ihn gerecht beurteilen will, der darf nicht mit dem Maßstabe moderner Kunstkritik oder gar mit abgegriffenen Schlagwörtern an ihn herantreten, sondernder bracht nur Erzeugnisse unserer heutigen modernen, Kirchenplastik - von der ortsüblichen Fabrikwaren gar nicht zu reden - neben seine Arbeiten zu stellen. Dann wird einem erst recht klar, wie arm an seelischen Kulturwerten unser Maschinenzeitalter trotz aller Zivilisation ist und wie stillos wir heutigen sind gegenüber früheren Jahrhunderten und auch der einfachen und doch so charakteristischen Alken‘schen Kunst.
Der Baumeister Michael Alken.
Vor mehr als 100 Jahren, am 7. November 1810, zu der Zeit, als das ganze linke Rheinufer schon lange französisch war, bemächtigte sich der stillen landstadt Mayen, die damals etwa 3000 Einwohner zählte ein zichtbare Erregung. Hatte sich doch in wenigen Stunden rund gesprochen, daß der längst tot gesagte Caspar Alken, der zweite Sohn der Mayener Baumeisters Michel Alken, einen ausfuhrlichen Brief aus Spanien an seine Eltern geschrieben und ihnen darin von wunderlichen Abenteuern erzählt habe. Dieser Caspar Alken hatte als Konskribierter 1807, zwanzigjährig in die fränzösische Armee eintreten müssen und war dann mit den Truppen nach Spanien gekommen um gegen die Engländer zu kämpfen, die von Gibraltar aus nach Norden drängten. Seit Anfang 1808 über 2 Jahre lang, hatte die Familie nichts mehr von ihm gehört. Umso begreiflicher war die aufregung, als der Vater von diesen Sohne 1810 plötzlich einen Brief erhielt. Da die in ihm mitgeteilten Erlebnisse und Neuigkeiten bald von Mund zu Munde sich fortpflanzten und auch bis zum Rathause drangen, ließ das damalige Stadtoberhaupt den Vater gleich auf die Mairie holen und den Brief allda öffentlich verlesen. (Der Briefwechsel zwischen Kaspar Alken und dem Elternhause in Mayen, die Jahre 1807 – 1813 umfassend ist von dem Besitzer Herrn Klee dem Archiv des Geschichts- und Altertumeverein in Mayen überwiesen worden; er gibt uns mancherlei Aufschlüsse über allgemeine und örtliche Verhältnisse der damaligen Zeit. Dieser Brief wurde schon am Tage darauf von dem älteren Bruder Nikolaus sowie einigen beigefügten Zeilen des Vaters Michael Alken beantwortet, und der Bruder in Spanien ward zum Schlusse noch besonders gebeteng mehr von seinen Erlebnissen zu schreiben und den Brief nur ja "ordentlich zu setzen" da jeder in Mayen ihn lesen wolle. Diese allgemeine Anteilnahme galt aber nicht nur dem seit Jahr und Tag tot gesaten Kaspar sondein vor allem dem Vater Johann Michel Alken, einem der angesehensten Bürger der damaligen Mayens, jenem prächtigen Menschen und tüchtigen Baumeister, von dessen Leben und Wirken die folgenden Blätter berichten wollen.)
Lehr- und Wanderzeit Alken als Tischler in Mayen.
Am 1. Oktober 1776, so erzählt uns das Protokollbuch (Aus der Zunfttruhe der Steinhauer- Maurer und Schreinerzunft in Mayen.) der Mayener Steinhauer- Maurer- und Schreinerzunft, „hat Georg Schneider aus Berresheim einen lehrjungen aufdingen laßen zu seinem Schreinerhandwerk mit namen Joh. Michel Alken 3 Jahre zu stehn." Als der am 10. Oktober 1760 geborene Johann Michel-Alken, der jüngste Bruder des Bildhauers Heinrich Alken, sich 1776 entschloß Schreiner zu werden, hatte er einen Beruf gewählt, der ganz seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprach. Er wurde dem tüchtigen Mayener Schreinermeister Georg oder Görg Schneider, der aus Berresheim stammte, in die lehre gegeben, einem Manne, der nicht nur die zum Handwerk nötigen Fertigkeiten ihm übermittelte sondern auch seinen Sinn für Kunstgerechte Arbeiten zu wecken verstand. Im gleichen Jahre 1776 hatte man dem Görg Schneider die Anfertigung eines neuen Hochaltares für die Pfarrkirche ( Die Errichtung dieses neuen Hauptaltare hatte man schon einige Jahre früher ins Auge gefaßt, denn im dem Mayener Stadtratsprotokoll vom 3.1.1771 (Staatsarchiv Koblenz) „stellte Herr Bürggrmeister Ostermann vor, daß Ihre Hochwürden Herr Dechand ihn dahin ersucht, daß, vielen anjetzo durch letzthinnigen starken windt vielle aichenbäum in deme waldt umbgefallen, nothwendig seyen, ein hohes Altar in hießiger Kirche neu verfertigen zu laßen, ihm darzu das nötige gehölz zu gestalten und hierhin in der Stadt überfahren zu zu laßen." Obwohl dem Magistrat diese Begründung nicht ganz einleuchtend war, bewilligte er für den Altar „7 darzu dienliche aichenbäum." Erst am 20.8.1776 berichtet nach dem Stadtratsprotokoll der Bürgermeister Cüntzer, daß “ von seiner Höchwürden Herrn Decand Molitor undt ihme mit dem Schreinermeistern Georg Schneider in betref des zu erneuernden Pfaaraltars ein aricord dergestalt geschlosen worden, daß er darob 36 rthlr empfange, wozu die Kirch die Halbscheidt, die andere Halbscheidt die Stadt beyzutragen haben, jedoch solle besagter Schreinermeister befügt sein, aus dene geschnittenen städtischen auf dem rathauß liegenden auch Dillen so viell als hierzu dienlich zu nehmen." Und endlich erzäh1t die Bürgermeisterey-Rechnung 1776, daß dem Schreinermeister Görg Schneider wegenen neu gemachter Pfarraltar nicht nur die accordierte Halbscheidt ad 18 rthlr sondern auch die a magistra tu zugesetzte 2 rthlr (zus. 20 rthlr) ausgezahlt worden sein." Für die Vergoldung des Altars erhielt der Vergülder Johann Jakob Geisen von Polch 45 rthlr. 9 alb.) in Mayen übertragen, wofür er außer dem Holze, das die Stadt lieferte, noch 38 Taler erhielt. An diesem Altare, von dem heute leider nichts mehr verbanden ist, wird der junge Alken mitgeabeitet haben.
Da Alken die damals vorgeschriebene dreijährige Lehrzeit zur Zufriedenheit des Meisters durchlief, so wurde, wie das genannte Zunftbüchlein weiter erzählt, „ob bemelter michel Alken am 10.10. 1779 bey gesambter Zunft frey gesprochen." Allem Anscheine nach verblieb der junge Geselle noch ein Jahr in der Werkstatt des Meisters. Dann aber hielt es ihn nicht mehr. Der Drang in die Ferne und der Wunsch, sich weiter auszubilden, führten ihn auf die Wanderschaft. 1781 treffen wir ihn in Mainz. Diese Stadt mit ihrem prächtigen Dome, ihren schönen alten und neuen Gebäulichkeiten, von einheimischen Baumeistern errichtet und von Tüchtigen Künstlern und Handwerkern ausgeschmückt, bot ihm so viel Neues, daß er vorerst zu bleiben sich entschloß. Wenn wir auch über diesen Mainzer Aufenthalt, der von 1781 bis Ende 1783 dauerte, weder durch Briefe oder noch durch sonstige Schriftstücke unterrichtet sind, so geben die vielen auf uns gekommen Zeichnungen und Entwürfe, die dieser Zeit entstammen, ein anschauliches Bild seiner weiteren Entwicklung. Aus diesen sauber gezeichneten Blättern ) Die im folgenden angeführten Originalzeichnungen Alkens sind aus dem Privatbesitze Mayener Familien in den des Geschichte- und Altertumsvereins Mayen übergegangen. Nur zwei der Alken-schen Risse bewahrt das Staatearchiv in Koblenz.) können wir klar ersehen, daß es ihm nicht nur darum zu tun war, sich in seinem Schreinerhandwerke auszubilden - das beweisen vor allem die Nachzeichnungen von Flügeltüren, englischen Schaufenstern, schönen Standuhrgehäusen im Louis-seize Stil-, sondern daß ihn vor allem bautechnische Aufgaben und Lösungen fesselten. Davon berichten zunäehst 4 Blätter gez. M. Alken 1791 mit 4 verschiedenen Scholportalen, ferner 9 Blätter aus dem Jahre 1782, Grabmäler oder Teile von solchen darstellend und besonders 10 Zeichnung mit Darstellungen der verschiedenen antiken Säulenordnungen nebst beigegebenen äußerst sauberen Querschnitten (alle Blätter gez. Michael Alken, Mainz 1782). Dieße letzten Blätter und vor allem eine aus dem Jahre 1782 stammende Zeichnung eine weich profilierten Pfeilers mit Quer- und Längeschnitten und Alkens eigenhändiger Unterschrift „perspective stillent ligen umgiewent seitwerts Michael Alken von Mayen anno 1782 gezeigent 6. Merz in Mainz" beweisen, mit welcher Liebe und Sorgfalt er solch geometrischen Bauzeichnungen Anfaßte und durchführte. Jedoch blieb er nicht bei den einfachen Nachzeichnungen stehen, sondern er gab sich damals schon daranp selbst zu entwerfen, wie ein noch erhaltenes Blatt (34:50 om) zeigt, auf welchem ein einfacher, aber hübscher Altartisch mit dem unteren Teile eines aufsteigenden Kreuzes nebet Querschnitten dazu dargestellt ist und das die Unterschrift trägt: "giemacht und gezeigent Michael Alken von Mayen 1783. angeifangen 16. Januarius Mäintz." Verraten die erwähnten Blätter Alkens große Vorliebe und Geschicklichkeit für die geometrische Zeichnungen, so erzählen uns die wenigen gleichfalls der Mainzer Zeit entstammenden figürlichen Darstellungen, daß es ihm ungleich schwerer fiel, Ausschnitte aus dem Leben der Natur und der Menschen zeichnerisch richti wiederzugeben.
Blicken wir zurück auf die Mainzer Zeit, so können wir sagen, daß ihn dieser Aufenthalt als Schreiner weiter ausgebildet, ihn mit den neu aufkommenden klassizistischen Formen bekannt gemacht und ihn angeleitet hat, Möbel, kirchliche Ausstattungsstücke sowie architektonische Bauglieder geometrisch und perspektivisch richtig zu entwerfen. Mit diesen Kenntnissen kan der junge dreiundzwanzigjährige Alken Anfang (Die letzte Zeichnung aus Mainz stammt vom 7.12. 1783) 1784 nach Mayen zurückt wo er wahrecheinlich sofort als Meister in die Zunft aufgenommen wurde.
Wenn auch dem älteren Meister Görg Schneider in der ersten Zeit noch alle größeren und wichtigeren Arbeiten übertragen wurden, so erkannten die Bewohner Mayens und der Umgebung schon bald wie viel Neues der junge Tischlermeister aus der Fremde mitgebracht hatte. Daher zog man ihn schon bald als Bautischler (Als 1785 der neue St. Veitfriedhof außerhalb der Stadt Mayen angelegt wurde, hatte Alken die Friedhofstür anzufertigen, wofür er von der Stadt 5 rthlr 5 alb. erhielt. (Stadtbürgermeisterrechnung 1786 „Ausgabegeld wegen des neu an St. Veit dies Jahres errichteten Kirchhofs.“)
Bei dem neuen Schulbau vom Jahre 1787 hatte zwar Görg Shneider die Hauptarbeiten für 196 rthlr auszufürhen dagegen zog man den jungen Alken mit hinzur damit er sein Urteil über die Einrichtungen im Innern gebe und einen Kostenanschlag mache, wofür ihm wegen desdamit verbundenen Zeitverlustes 1 rthlr 36 alb. von der Stadt bezahlt wurde. Vgl. Belege zur Bürgermeisterey-Rechnung Mayen 1787, Staatsarchiv Koblenz. zu mancherlei Arbeiten sowie besonders zur Anfertigung von Nutz- und Ziermöbel heran. Von diesen geben uns verschiedene geschmackvolle Entwürfe im klassizistischen Zeitstile ein anschauliches Bild. Besondere Erwähnung verdienen eine Holzmangel mit 3 Walzen, gez. 1786 ein gefälliges Kinderwägelchen (1787), ferner ein paar Zierschränke (gez. 1790), Bettstelleng ein Ruhesofa und besonders einige schöne Saaltüren (vgl. Abbild hierzu die"Stadt Mayener Rehntmeisterei Rechnung (Staatsarchiv Koblenz) pro 1796, in der eine von Alken ausgestellten Quittung sagt: „Den großen Schrank auf den sahl auf das rathaus gemacht mit inwendig 16 gefächer, außerhalb mit zwey grosse Düren und oben we unden gesimßleisten 9 rthlr 10 alb.") Beim Durchblättern dieser mit peinlicher Sorgfalt entworfenen hübschen Zeichnungen (Jetzt alle im Besitze des Mayener Geschichts- und Altertumsvereines) gedenkt man besonders gern der guten alten Zeit, in welcher der Schreiner, noch nicht beinflußt vom modernen Fabrik- und Maschinenbetriebe, als entwerfender und ausführender Meister solch geschmackvollen Möbel liefern konnte. Wenn wir zugleich daran denken, daß die erhaltenen Zeichnungen nur einen geringen Bruchteil dessen bilden, was Alken in diesen Jahren nach seiner Rückkehr aus Mainz bis in die Franzosenzeit hinein verfertigt hat, so wird uns klar, daß er bei den reichlichen eingehenden Aufträgen verhältnismäßig früh eine eigene Familie gründen konnte. Er heiratete 1784 oder 1785 die ein Jahr ältere Maria Katharina Himmes aus Mayen eine Tochter des tuchmachers Joh. Casp. Himmes dessen Vater Joh. Matthias 1726 von Longwey in Frankreich nach Maven gezogen war. (Das erste Kind wurde 1786 geboren und erhielt den Namen Nikolaus, dann folgten noch zwei Söhne Caspar und Heinrich. Alle diese familiengeschichtlichen Angaben sind einem im Besitze der Familie Alken befindlichen Stammbaume entnommen.)
Neben den erwähnten Tischlerarbeiten erhielt unser junger Meister( Wir besitzen aus dieser Zeit ein kleines Pastellbild das unserm Meister im Altar von 26 Jahren darstellt, das Bildt ohne Rahmen 20:3ó-cm groß, entstammt dem Besitze der Fau Dr. Schmitz Mayen, seiner Enkelin, und ist, wie die Aufschrift angibt 1786 von einem Maler Hirschmann gemalt worden. Es zeigt uns den jugendlichen Meister in seinen Sonntagsstaat, worauf auch das sorgfältige zurück gekämmte Haar, das.in einem steifen künstlichen Zopf über geht, deutet. Nach diesem Bilde, besonders den schmalen, etwas herabfallenden Schultern zu urteilen, wird Alken ein Mann von zartem Körperbau gewesen sein, aber die prachtige breite Stirn sowie die beiden großen, klar und ruhig darein schauenden Augen verraten uns, daß in dem kleinen Manne ein beweglicher, gesunder Geist steckte.) schon bald nach seiner Rückkehr aus Mainz größere Aufträge, welche an seine technischen und künstlerischen Fähigkeiten höhere Anforderungen stellte. Ob Michael Alken den Altar in der Kirche zu St. Johann Nitz bei. Mayen gliefert hat, läßt sich nicht bestimmt sagen, (Dieser bereits erwähnte Altar wurde nach der Nitzer Kapellenrechnung vom Jahre 1783/84 „dem meister Alken mit 60 Talern bezahlt,“ Wer von den brüdern gemeint ist, erwehen wir nicht. Den Altar zu "vergolden oder illuminieren" kostete gleichfalls 60 rhtlr.) weil wir nicht witsen, ob Alken Anfang 1784 schon wieder in Mayen war. Das große Zutrauen zu seinen Fähigkeiten zeigte sich zuerst, als man ihn zu der inneren Ausschmückung der 1784/85 erbauten neuen Pfarrkirche (Vgl. hierzu meinen Aufsatz üer die
Kirche in St. Johann in dem vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz herausgegebenen Hefte „Mayen und das Maifeld".) in dem Dorfe St. Johann bei Mayen mit heranzog. Zunächst übertrug man ihm die Kanzel sowie die beiden Beichtstühle der Kirche, für die er nach den Angaben der Pfarrarchive vorhandenen Kirchenrechnungen und Quittungen im ganzen 167 rthlr 18 alb. erhielt. Die Alken'schen Originalentwürfe von Kanzel und Beichtstühlen, die im Eifelvereinsmuseum in Mayen aufbewahrt werden, zeigen nur geringe Abweichungen von den ausgeführten, heute noch gut erhaltene Arbeiten in der st. Johanner Kirche. Diese Arbeiten verraten eine geschickte, wohl abgewogene Verbindung von barocken und klassizistischen Stileigentümlichkeiten, wie die Zeit des Louis seize sie liebte. Man betrachte daraufhin an der prächtigen Kanzel die geschungene linie des Predigtstuhles sowie die Woluten und daneben die Verzierungsstücke des Klassiziemus: die Eierstäbe, Perlschnüre, Larbeerkränze und Rosetten. Da unser Meister diese arbeiten zur Zufriedenheit des Sends oder Kirchenvorstandes ausgeführt hatte, übertrug man ihm 1788 auch die Anfertigung der beiden Nebenaltäre, (Eine Zeichnung von diesen Altären ist nicht mehr vorhanden, dagegen zeigt ein im Eifelvereinsmuseum aufbewahrter Entwurf Alkens vom Jahre 1785 einen ähnlichen einfachen und hübschen Altar.) die er 1789 aufstellte, so daß ihm die vereinbarte Summen von 137 rthlt hierfür ausbezahlt werden konnte. ( Kirchenrechnung von St. Johann im Pharrarchiv dortselbst.). Der woh1tuende Eindruck von Kanzel, Beichstühlen und Seitenaltären wird noch erhöht durch die prachtige warme Vergoldung und Versilberung mit entsprechden Laturen sowie durch die alte Bemalung. Alle diese Vergoldungsarbeiten wurden von Josef Alken, dem jüngeren Brüder Michels, ausgeführt worüber sich ausführliche Protokolle im St. Johanner Pfarrarchiv vorfanden. (Alle zum Bau und der inneren Ausschmückung der St. Johanner Kirche bezüglichen Urkunden sind vom mir veröffentlich worden in dem angeführten Aufsatze des Heftes über "Mayen und das Maifeld.“) Der Besucher der Kirche wird außer an den genannten Arbeiten auch an der schönen Orgelbühne, dem Mannhause oder dem Duksal (Duksal vom mittelalt Doxall - Empore oder Orgelbühne) sich erfreuen, der gleichfalls von M,. Alken entworfen und ausgeführt worden ist. Daß ihm hierbei die bereits erwähnten in Mainz betriebenen Studien der antiken Säulenordnung zu gute kamen lehrt ein Blick auf die schlanken Holzsäulen mit ionischen Kapitell, sich anschließenden Architrave, dem glatten Friese, der nach oben mit einem hübsch profilierten Gesimse abschließt. Auch das hölzerne Gitterwerk an dem Brüstungsgitter der Empore bedarf lobender Erwähnung. Während so bei der Ausschmückung der St. Johanner Kirche Michel Alken die wichtigsten Schreinerarbeiten ausfürte hatte sich Görg Schneider, der ältere Meister, mit der Anfertigung der Kirchen und Sakristeitüren, für die er 26 rthlr erhielt zufrieden geben müssen. Die drei Kirchentüren mußten dann von Alken 1790, wie eine von ihm eigenhandig geschriebene Quittung vom 4.5.1790 sagt, mit gutem Eichenholz stark verdoppelt, was ihm 12 rthlr einbracht.
Obwohl man sicherlich in Mayen um Alkens tüchtige St. Johanner Arbeiten wußte, übertrug man 1789 die 4 neuen Kirchenbeichtstühle für die Mayener Pfarrkirche dem älteren Görg Schneider, der hierfür 100 Taler erhielt. Wenn nun die Mayener Kirchenrechnung (Pfarrarchiv Mayen.) 1795:96 erzählt, „daß dem Michael Alken wegen einem neu verfertjgten Risse der beichtstüllen 14 rthlr. 36 alb. zalt wordeng" so geht daraus hervor, daß Alken die von Schneider angefertigen Beichtstühle entworfen hatte.
Görg Schneider scheint um 1790 gestorben zu sein.
Bald darauf wurden auch die Nachbarorte auf ihn aufmerksam, und manches Ausstattungsstück in den Kirchen der Mayener Umgebung ist aus Alkens Werkstatt hervorgegangen. Leider können wir aus den noch vorandenen Entwürfen von Kanzeln, Chorstühlen, Altären und Beichtstühlen nicht immer ersehen, für welche Kirchen die einzelnen Stücke bestimmt waren und ob sie heute noch vorhanden sind. Erwähnt seien von diesen Entwürfen vor allem ein Beichtstuhl 1789 und ein entsprechender Chorstuhl, beide schlicht aber hübsch im Aufbau, ferner ein prachtiger Altar mit Baldachin, ein reich verziertes Chorgestühl mit dem Namen des Pastors Michels sodann drei Kanzeln. Von der ersten Kanzel wissen wir nicht, wo sie steht. Der zweite Entwurf zu einer Kanzel ist. eigenhandig unterschrieben vom Pastor Berresheim in Pommern an der Mosel, (Die Kanzel steht heute noch in der 1785 erbauten Kirche in Pommern, wo der genannte Pastor Berresheim von 1789-1804 gewirkt hat. Da in den Kirchenrechnungen dieser Zeit der Verfertiger der Kanzel nicht aufgeführt ist, jedoch von dem Schreiner Kaufmann aus Karden berichtet wird, daß er die neue Kanzel für 14 rthlr aafgeschlagen habe, so dürfen wir annehmen, daß die von Alken entworfene und angefertigte Kanzel von einem Wohltäter der Kirche geatiftet worden ist.), der dritte unterzeichnet vom Pastor Luxem in Pillig (Auch diese im Emporstil ausgeführte Kanzel ist heute noch vorhanden.ygl. zur Kirche von Pillig Dehio, Handbuch IV, S-322 u. P. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmaler des Reg. bezirkes Koblenz S. 435) bei Münstermaifeld. Dem Stile nach gehören diese beiden Kanzeln in die Mitte oder das Ende der 90 er Jahre.
Alken als Baumeister.
Inzwischen hatte, wie bereits geschildert wurde, die französische Revolution mit ihren Wirren und Umwälzungen außer Frankreich auch auf die Nachbarländer, vor allem das Rheinland, in Mitleidenschaft gezogen. Im Oktober 1794 rückten die Franzosen in Mayen ein. Die langwirigen Kriege der Folgezeit führten nach und nach zur Besetzung des ganzen linken Rheinufers und zur Verwaltung durch die Franzosen. Während dieser traurigen Zeit lag die Kunst besondere in den dem Kampfe ausgesetzten und von den Franzosen eroberten gebieten zunächst ganz darnieder. Wir haben bereits von der Not und den Sorgen erzähltg welche diese Umwälzungenen dem Bildhauer Heinrich Alken brachten, wie er sich genötigt sah vorübergehend andere Beschäftigungen zu suchen und schließlich einen neuen Beruf, den des Schullehrers zu ergreifen. Wie trafen nun unserem Michel Alken die veränderten Verhältnisse? Wir sind zwar nicht durch Aufzeichnungen und Briefe über diesen Lebensabschnitt unterrichtet, können aber aus den vorhandenen Zeichnugen wichtige Schlüsse ziehen. Als M. Alken, der bis dahin neben seinen Schreinerarbeiten in der Hauptsache kunstgerechte Ausstattungsstücke für Kirchen angefertigt hatte, sah, daß infolge der neuen Zeitverhältnisse auch bei ihm die Kunst bald noch Brod geben werde, gab er sich, zumal er das nötige Talent dazu besaß daran, Wohnhäuser zu entwerfen und zu bauen.
Der älteste Entwurf 3 Blätter mit Aufriß und Grundriß ist der zu einem ganz einfachen Hause und trägt den von ihm eigenhandig geschriebenen Vermerk: „schiema, wo zu einem neu zu bauenden Hause an die Stadtmauer von Nikulas Dietz bürger dahir errichtet wihrt. Mayen den 17. Mai 1798. ferdiger des schimas J.M.Alken." Der äußerst sauber gezeichnete Grundriß und Aufriß nebst Querschnitten zeigt, daß Alken schon einige Zeit früher mit den Entwürfen von Bauzeichnungen begonnen haben muß. Dann folgt eine Reihe von Zeichnungen zu Privatbauten, die alle hier anzuführen und zu besprechen nicht möglich ist. Es sind durchweg schlichte, im strengen klassizistischen Stile entworfene Häuser, für die er in Koblenz und Ehrenbreitstein sicherlich manche Vorbilder finden konnte.(vgl Lohmeyer, Barocke Kunst u. Künstler in Ehrenbreitstein S. 63=4 ff.) Außer ihm wird es damals in Mayen keinen selbständigen Baumeister gegeben habeng, der imstande gewesen wäre, geometrisch richtige Bauzeichnungen nebst den entsprechenden Berechnungen anzufertigen.( Als man z.B. 1787) also wenige Jahre, bevor Alken zu bauen anfing, daran ging, in Mayen eine neue Schule, ein ganz schlichtes Gebäude, am Kirchplatze zu errichten, mußte sich der Stadtrat an den kurfürstlichen Hofwerkmeister und Baumeister Wirth in Ehrenbreitstein wenden, der die Plane anfertigte.) So hat Michel Alken in den 3 Jahrzehnten seiner Baumeisterlichen Tätigkeit von etwa 1798 bis zu seinem Tode 1827 die Stadt Mayen und ihre nähere und weitere Umgebung mit einfachen geschmackvollen Bauten versehen. Von denen heute noch manche stehen und dem alten Mayener Stadtbilde zur Zierde gereichen.
Von den entworfenen Häuschen sei zunächst erwähnt ein Privathaus mit Mittelgiebel (gez. M. Alken, 18. Januar 1798). Man brachte die prächtige barocke Treppe, die hübsch profilierten Kamine und ferner den gefälligen Hauseingang. Erwähnungswert ist ferner der Entwurf zu einem hübschen Hause für den Friedensrichter in Kaisersesch 1805.
Den praktischen Sinn und den guten Geschmack unseres Baumeisters verraten besonders ein ausführlicher Kostenanschlag mit 5 verschiedenen Rissen, welche im Jahre 1817 für den Bürgermeister „breyer" zu Bell bei Mayen angefertigt worden sind. Aus diesen Plänen ist zu ersehen, wie Alken die ihm gestellte Aufgabe, über einem gewölbten Keller einen Neubau zu errichten und diesen dem angrenzenden Gebäude anzupassen, glücklich gelöst hat. In diesem ausgesprochenen klassizistischen Stile hat Alken für Mayen eine Reihe von Häusern gebaut, welche z.T. heute noch stehen und seine, Hand, selbst wenn Zeignugen nicht mehr vorhanden sein sollten, leicht erkennen lassen. Als ein Musterbeispiel dieser schlichten Bauweise mag der Originalriß zu einem heute nicht mehr stehenden Hause an der Ecke Neu- und Hombrichstraße in Mayen gelten. Die Zeichnung trägt Alkens Unterschrift und die jahreszahl 1820. Erscheint uns dieser auf jegliche Schmuckformen verzichtende Bau, an welchem der von Alken so gern verwandte Mittelgiebel mit Rundbogen öffnung so zu sagen das einzig Belebende bildet, auf den ersten Blick ein wenig nüchtern und allzu sachlich und mathematisch genau, so werden wir leichter über diese Schönheitsfehler hinwegsehen und uns seines schlichten Eindruckes freuen können, wenn wir bedenken, wie gut sich diese Bauweise dem älten Stadtbilde einfügte. Die Freude an Alkens schlichten Privathäusern wird noch erhöht, durch den Gedanken an so manche traurige Gebaude aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, das im Zeichen der Maschine verlernte Urwüchsiges zu schaffen und es nicht verstand, mit seinen oft so protzigen Neubauten das alte schöne Stadtbild zu wahren. Von anderen heute noch vorhandenen Privathäusern in Mayen, welche die Alkensche Hand leicht erkennen lassen, seien genannt das Haus im Mühlenweg 24 mit der Jahreszahl 1822, das Haus Neustraße 11, in der Marktstraße die Häuser Nr.12, Nr. 29 und Nr. 50, Post und Apotheke.
Das Alken für die nähere und weitere Umgebung auser den bereits erwähnten Privatbauten noch manche andere errichtet haben muß, können wir aus einem Briefe schließen, den der älteste Sohn unseres Baumeisters Nikolaus Alken am 8.11.1810 an seinen jüngeren Bruder Kaspar in Spanien schriebt „Ferner muß ich dir auch wißen duhn, daß mein Vatter im Jahre 1809 zu Oberwesel, 8 stund ober Koblentz 12 verbrannte Häuser aufgebaut hat, wo er 9 mohnad gewesen ist, und hat p. mohnad 120 frcs gehalt gezogen.“ Ebenso hatte er für Niederzissen einen Lagerplan abgebranter Häuser-gezeichnet u. wahrscheinlich durch neue erzetzt. In diesem Zusammenhange sei auch zweier Blätter gedacht, die die Grundrisse zu einem Wohngebäude mit Kellerei für Bacherach bringen und gezeichnet sind "Plan du Catiment avex dependencedit Kellerey a Backeraite M. Alken.“
Das Alkens Bauweise gefielt beweisen außer den vielen privaten Aufträgen auch solche der deutschen und französischen Behörden. So bittet in einem Brief vom 29.8.1808 der „Maire de Wehr“ unseren Baumeister um Baukostenanschläge wegen „Erbauung eines Pfarrhauses zu Wehr, reparierung der Cahsernen daselbst und reparierung des Pfarrgebäudes zu Niederzehsen." Wie sehr die französiche Besatzungsbehörde ihn als Baumeister sehätzte, geht aus 4 recht sauber angefertigten Zeichnung hervor vom Jahre 1809 mit der Aufschrift: „ Plan d'une nouvelle Maison construire dans la commune de Polch dont le front dome sur la grande rue de Treves d‘apres description cy hant ; Mayen am 30 ten Jemer 1809, J. Michel Alken“. Wie der Grundriß uns sagt, handelt es sich um ein größeres Gebäude, daß als Gemeindehaus eine Reihe von Sälen und Zimmern umfaßte.
In dem unteren Geschossen lagen das Schu1zimmer für Knaben und Mädchen, die Kuche und ein Zimmer für den Lehrer sowie Zimmer für das Polizeigericht. Im oberen Stocke waren vorgesehen die Wohnung des Lehrers, die Wohnung des greffier oder Kanzlisten, ferner ein Archivraum, das Sekretariat der Mairie und der Sitzungssaag. So übersichtlich das alles angelegt ist, ebena so gefällig erscheint im Außenbau die streng klassizistisch angelegte Front mit dem breiten zehnfenstrigen Mittelbau, der von einem Mittelgiebel nach oben abgeschlossen wird. Rechts und links vom Mittelbau liegen die Toreingänge und zu ihren äußeren Seiten, die Vorratshäuser und Stallungen. Das Gebäude hinterläbt trotz des Fehlens jeglicher Schmuckformen und trotz des streng symmetrisch angeordneten einzelnen Teile in seiner Gesamtwirkung einen vornehmen, schlichten Eindrück. Lobenswert ist auch die Lösung des Seitenansicht, welche an Stelle einer öden, glatten Wand eine dem Auge wohltuende Gliederung mit gefälligen Uberschneidungen zeigt. Wann der Plan zu diesem Bau ausgeführt worden ist, ließ sich nicht feststellen. Erst 1811 scheint man ihn in Angriff genommen zu haben, wie ein Brief des Maire von Polch vom 4.5.1811 uns erzählt. In diesem Schreiben teilt der Maire unserem Baumeister mit, „Daß der Plan wegen der Erbauung des Gemeindehauses von Polch von Paris zurückgekommen sei“ und daß der Maire mit Alken "wegen einer allenfalls noch daran zu machenden Abänderung, die sehr pressiere, zu sprechen habe.“( Das besprochene Polcher Gemeindehaus, das heute nicht mehr vorhanden ist, soll an der Stelle der neuen Kirche gestanden haben.)
Noch mehr als dieser Brief verrät uns eine von dem damaligen Präfekten des Rhein-und Moseldepartements Lezay- Marnesia (Vgl. über diesen bekannten Präfekten des Katalog der Jahrhundertausstellung 1914 in Coblenz, S. 80 und 89.) eigenhandig unterzeichnetes Schreibens wie sehr die Napoleonische Regierung unseren Alken als Baumeister Schätzte und ihm dem entsprechend bei der Vergebung von Nenbauten innerhalb des Rhein- und Moseldepartements berücksichtigte. Dieser Brief (Im Besitze, des Mayener Geschichts- und Altertumsvereins im Eifelvereinemuseum Mayen.) lautet: „Coblentz, le 10. Janvier 1809. Le Prefet du Département de Rhin- et Moselle, vommandant de la légion d‘honneur monsieur Alken a' Mayen.
J‘attends déja depuis longtemps les projets de construictions et plans, y relatif pour la batisse de maison, qui ont été reduites en c‘endres dans le département pendant 1808. Il faudra 3 classes de maisons; savoir: de 400 à 600 de 600 à 1000 et 1000 et au-dessus Dans ce plan il faudra surtout avoir soin de parler de la construiction des écuries (Unter Alkens Zeichnungen befand sich ein "Plan d'une l économique pour quatre bestiaux." 1. écurie) et de l'ingenieur de liquidez.
Je vous salue!
lezay marnesie."
Ausser dem Polcher Gemeindehause entwarf er 1811 ein einfaches Gemeindehaus für Mertloch ( 2Blätter) das aber, wie es scheint, erst 1819 nach neuen Entwürfen (2 Blätter mit Grundriß und Aufriß) gebaut worden ist.
Schließlich hat Alken wichtige Vergrößerungsbauten an dem alten Mayener Rathause ausgeführt, Da die Bevölkerung in Mayen, wie bereits erwähnt wurde, nach 1815 schnell wuchs und das alten, aus dem Jahre 1717 stammende Rathaus sich für den vergrößerten Verwaltungsbetrieb als zu klein erwie, sah man sich genötigt, entweder ein neues Rathaus zu bauen oder das alte zu erweitern. Man enschied sich für den zweiten Schritt, indem man ein mit dem alten Rathause verbundens Neben- oder Stellungsgebäude, das einen Binnenhof umschloß, niederlegte und durch Alken dem alten Rathausgebäude einen Anbau anfügen ließ. Der von Al.ken gezeichnete Lageplan aus dem Jahre 1824 deutet den alten Rathausbau und den geplanten Anbau (Der Bau scheint erst 1826 ausgeführt worden zu sein, wie eine vom Mayener Stadtbaumeister de Witt 1905 aufgenommene Rathauszeichnung mit Ansicht und Grundrissen angibt. Die alte Bauzeichnung Alkens, auf welche die de Witt‘sche Zeichnung zurückgeht, war nicht aufzufinden.) an. Dieser Anbau, von dem je 2 Fenster nach dem Markte schauen und dessen Rückspitz nach der hinteren Rathausgasse blickt, ist von unserem Baumeister so geschickt mit dem alten Rathause verschmolzen worden, daß jeder den Mayener Rathausbau als ein aus einer Hand hervorgegangenes Gebäude anschaut und bewertet.
So wird sich Alken infolge seiner gediegenen Bauweise das Vertrauen der verschiedenen Gemeinden erworben haben, so daß man ihn bei den Baufragen hinzuzog und ihn neben den Gemeindehäuser oft auch den von Schule- und Pfarrhäusern übertrug. Von den noch vorhandenen Entwürfen zu Schulbauten seien genannt : „Plan de la maison d‘ecole a constrouire à Andernach rue Kramgahse, dressé à Mayen le 20 février 1809 par le soussignè M.Alken, ferner Plan des alten Schulgebäudes in Hausen 1818 (1Bl.), altes und neues Schulgebäude in Monreal 1818/19 neues Schulgebäude der stadt Mayen 1821/24 (9Bl.), daß Schulhaus zu Rieden 1822 (1B1.), das Schulhaus zu Saffig 1823 . (3B1), das Schulgebäude zu Eich 1826, das alte Schulgebäude zu Kottenheim und zu Kehrig (o.Jahreszahl).
Von den gananmten Schülhäusern war das der Stadt Mayen, das größte und prachtigste. Das Gebäudes das bis ver einer Reihe von Jahren noch-als Schulhaus diente, ist das jetzige städtische Verwaltungsebäude in der Göbelstraße. Die Alken‘schen Risse zu diesem in den Jahren 1821 - 24 errichteten Gebäude sind auf 9 Blätter erhalten.( Aus einem von Alken gezeichneten Lagerplan (O.J.) ersieht man, daß als Bauplatz der Garten der Erben des „Jörrich Feilser“ benutzt wurde.) Der im streng klassizistischen Stiele gehaltene einfache, gediegene Bau, der auf den ersten Blick die gekennzeichnete Bauweise unseres Meisters verrät, kommt leider nicht zur verdienten Wirkung, weil er auf allen seiten von Häusern umgeben ist und wegen der engen Straßen nur aus nächster Umgebung betrachtet werden kann. Der damalige Kaplan Josef Hansen, der Verfasser der Beiträge zur Geschichte und Beschreibung der Stadt Mayen (1828), muß von dem neuen Schulbau ganz begeistert gewesen sein, sagt er doch von ihm : „Wenn man das prachtvolle Äußere und den Zweck dieses Schulgebäudes betrachtet, so kann man in Wahrheit von ihm sagen, was der bairrische Schulfreund von einem Schulhause überhaupt sagt.:
„Das schönste Haus in jedem Staat
Ist wohl der Schul geweihet;
Hier keimt, hier blüht die heilige Saat,
Und Geistesfrucht gedeihet.
Gewährt die Schule und kein Licht
Durch Vorbereitungsunterricht,
So nützt selbst Gotteshaus uns nicht."
(vgl. Hansen a.a.O. S- 78)
Im Zusammenhange mit diesen Neubauten sei auch der vielen Begutachtungen gedacht, die von privater und öffentlicher Seite in Baufragen von ihm eingeholt worden, (Vgl. vor allen ein ausfuhrliches vom Friedensrichter in Mayen 1805 eingefordertes Gutachten über beanstandete Maurerarbeiten sowie ein gleichfalls vom Friedensrichter eingefordertes Gutachet über 2 abgebrannte Häuser, die ineinder gebaut waren.) sowie die mannigfachen Entwürfe zu Umbauten. Von wichtigeren Umbauten, die er leitete, seien hier genannt der Plan über die Umänderung des alten Mayener Hospitalgebäudes in ein Kgl-Pr. Gerichtegebäude 1816 ferner der Umbau des Inneren der alten Schule an dem Kirchplatz in Mayen 1787 erbauten zwecks Aufnahme des Friedenggerichtes 1823.
Wie weit das Vertrauen ging, das man unserem Meister entgegenbrachte, ersieht man auch daraus, daß man ihm sogar Kirchenbauten und Umbauten übertrug.
Als die Bewohner des Dorfes Allenz bei Mayen sich 1810 entschlossen, (Vgl. hierzu die im Pfarrarchiv zu Allenz befindliche Rechnung über alle Einnahmen und Ausgaben, welche "bey der neu Erbauung der Allenzer Kirche im 1810ten Jahre und so die die folgenden 1811ten zwölften Jahre zusammengezogen. „Ausgaben 1810:“ bey Legung des 1. Steines für Essen etc 8 Frcs. 70 cs. „Dem Herrn Schullehrer Alken zu Mayen für die Gedenkschrift in gedachten Stein zu machen 5 Frcs. 50 cs.“ ferner 1811 in den 1. Juny mit den Bauherrn zu Mayen die endliche Abrechnung gemacht, darüber verzehrt 6 Frcs.“ ferner: “den Bauherrn zu Mayen ihre ganze Forderung zahlt mit 7020 Frcs 60 es.“) eine neue größere Kirche zu errichten, betrauten sie unserem Michel Alken mit dem Entwurfe und der Ausfiihrung der neuen Kirche. Das erste dernoch vorhandenen 4 Blätter (56:44 cm trägt die Aufschrift: „Plan Profils et elevations de la novelle eglise à construire en la Commune d' Alken Mairie de Mayen; fait et adressé par l'aricetecte sonsignè Alken, Mayen, le 14 fivrier 1810.“
Die genannten Risse mit Aufbau, Grundrissen, Durchschnitts und Gebälklagezeichnungen erweisen, daß Alken der ihn gestellten Aufgabe gewachsen war. Dieser ganz einfache Kirchenbau, etwa 24,50 m lang und 13 m breit, zeigt uns besonders was die Westfront angeht, wie de Klassiziemus sich der alten gotischen Bauformen dienstbar zu machen und mit seinen eigenen Stilbestrebungen zu verbïnden wußte. Die Kirche die 7020 frcs 60cs. zu bauen kostete, ist vor etwa 12 Jahren abgebrochen und durch eine neue ersetzt worden.
Von Alkem sonstigen Zeichnungen zu Kirchenbauten seien erwähnt der uasführliche Kostenanschlag für die Erholung des Kirchentums in Langenfeld Krs. Adenau, 5 Blätter). „Heute den 2. Mertz 1817 habe ich underschribener Baumeister von Mayen auf anstegen des Herrn Bürgermeisters der Bürgermeisterey ferneburg Krs. Adenau, den Klocken Turm zu Langenfeld besichtiget, an welchem Turren des Gedäch durg den wint sturm ganz herunder geworffen wahr.“ Die Wiederherstellungskosten des Turmes, der nach Alkens Vorschlag um 15 Schuh erhöht wurde, beliefen sich auf 670 rthlr.( Das Langenfelder Kirchlein mußte leider wegen seiner Baufälligkeit, wie Prof. Renard in den nachrichten der Rheinischen Denkmalpflege 1921, Nr. 3/4 mitteilt, woselbst auch Abbildungen der Kirche gebracht worden, abgerissen werden.) Die vorhandenen Risse zeigen, wie geschickt Alken dem im Kern noch mittelalterlichen Turme" der Kirche einen klassizistischen Helm aufzusetzen verstand. Von den 4 Entwürfen wählte man klugerweise den schlichtesten, da er sich am besten dem alten Kirchlein anpaßte.
Schon im folgenden Jahre bat ihn die Gemeinde Adenau, einen Kostenanschlag über Wiederherstellungsbauten ander alten Pfarrkirche einzureichen. Es handelte sich nach Alkens eigenen Worten um das" ausbrechen des alten Kirchenturren in der Kirchen zu Adenau, dann äben die neben mauren witter gefährlich recht anzubessern zugleich das gewelbe und Dachwerk herzustellen und mit aufbauen eines müzen Klockenturm form außerhalb and de besachten Kirche.“ Der gesamte Kostenanschlag belief sich auf 1576 rthlr 37
Eine Zeichnung herzu war leider nicht mehr vorhanden. Außer der Kirche zu Langenfeld hat Alken den „bestand der alten Kirch in der Gemeinde Falkesfeld zeichnerisch auf einem Blatte vom 30.8.1821 richtig aufenommen. Schließlich sind von seinen Zeichnungen für Kirchenbauten noch erhalten die Grundrißzeichnung zu einer Kapelle vom Jahre 1825 (1 Bl.) und 3 Blätter zu einer anderen Kapelle, sowie der Grundriß der alten Pfarrkirche in Kehrigt die heute nicht mehr steht.
Der Umstand, daß Alken bei allen diesen Zeichnungen geometrisch richtige Grundrisse beizugeben verstand, mochte manche Bürger und Gemeinden veranlaßt haben, durch ihn auch Ortspläne und Lagerpläne von Gebäulichkeiten anfertigen zu lassen. Es seien hiernur erwähnt ein Lageplan der Hauptstraße von Kehrig mit angrenzenden Gebäulichkeiten, ferner abgebrannte Häuser in Niederzissen (vgl. hierzu eine Stelle aus dem Briefe den der älterste Sohn des Baumeisters, Nikolaus Alken an seinen jüngeren Bruder in Frankreich schreibt am 13.9.1807 „Unser Vater der ist noch zu Niederzissen und hat auch sonst noch zwayries zu zaigenen“ Alken wird diese Häuser wieder aufgebaut haben. Und Obermendigs ein Lageplan der Schiefersteinbrüche zu Müllenbach, Lageplan des Grundstückes ander Ecke Feilsgraben und Göbelstraße in Mayen sowie endlich das Längsprofil zur Pflasterung der Straße von der Kelbergerstr. bis and die Döppengasse in Mayen.
Beweisen schon diese letzten Blätter unseres Baumeisters vielseitige Begabung, so wird unsere Anerkennung noch wachsen, wenn wir jetzt auf seinen Entwürfe zu Brückenbauten und Brunnen zusprechen kommen. Handelt es sich bei den Brücken auch nur um ganz einfache Kleine Stein- und Holzbrücken vorhanden sind noch Zeichnungen zur Brücke über den Laacher Graben 1818 zur „ rurer Brück nach Mayen zu," ferner zur Plunsbrücke und zu Holzbrücke in Bürresheim 1821 - so genügen doch die den Zeichnungen beigegebenen Querschnitte und Grundrisse, um zu erkennen, daß Alken alle diese Brücken auf Grund richtiger Berechnungen zu bauen verstand. Das trifft noch mehr zu für die von ihm gezeichneten Brunnenanlagen, von denen u.a. ein ausführlicher Entwurf zu einer Brunnenpumpe mit Längs- und Querschnitten vom Jahre 1825 sowie der Plan eines ummauerten Weihers bei der Kirche in Kehrig genannt seien. Doch auch an größeren Aufgaben durfte er sich wagen. So besitzen wir von ihm 5 in sauberer Wasserfarbentechnik angelegte Blätter(36:26)cm zu einer Rohrbrunnenleitung in Sinzig am Rhein; auf diesen.Blättern ist außer dem Lageplan mit angrenzendem Stadtteil auch die Ansicht des Brunnens in der Gestalt eines Obelisken sowie Grundriß und Längsprofil mit Rohrleitung zu sehen. Aus derselben Zeit stammt Alkens Entwurf zu einem „bronnen heisgen wo vür der oberen port“ zu Mayen. 12.6.1812
Schließlich hat Alken dann 3 größeren Blätter hinterlassen, welche die Entwürfe zu dem Mayener Marktbrunnen bringen. Eines der Blätter ist gezeichnet: Mayen am 14 ten feber 1812. J.Michel Alken. „ Dieser mächtige von einer Empirevaße gekrönte Brunnen wirkt nicht nur als Ganzes durch den schön gegliederten Aufbau man beachte den vierstufigen Unterbaul, den mächtien quadratischen Mittelteile mit den seitwärts angebrachten Becken sowie die geschickte Überleitung zur krönenden Vase sondern er gibt auch dem weithin sich erstreckenden Marktplatze, dem er sich prächtig einfügt, den nötigen Ruhepunkt. Darüber hinaus aber vermag der alken-sche Brunnen, von 4 hübschen Linden umrahmt, unter dem Schutze des alten Rathauses und umgeben von einigen prächtigen älteren Gebäulichkeiten in stillen Sommernächten jene romantische Stimmung in uns hervorzuzaubern, die wir besonders an den mittelalterlichen Brunnen so lieben, vielleicht weil das leise tönende Geräusch, daß Rieseln im Wasserbecken uns wie ein Gruß aus alten, besseren Zeiten entgegentönt. Als die Bewohner Mayens 1812 zum 1. Male ihren Brunnen sahen, werden sie nicht wenig stolz gewesen sein. Das wissen wir aus einem Briefe, den der jüngste Sohn unseres Baumeisters am 9 August 1813 aus Mayen an seinen in Spanien unter Napoleons Fahnen kämpfenden Bruder Kaspar schrieb: „ Dan haben wir dieses Jahr einen neunn Bronn auf dem Markt gebaut. Mein Vatter hat die ganze aufsigt darüber gehabt, und ich und mein Bruder Nikolaus haben das Wasser mit steinen gebackener Rohr geleit von dem oberportner pützgen an bis auf den Markt es waren 1600 schu lang und ist recht gut geraten, und es laufen 3 zaub zeuben wie ein donnerwetter, daß die ganze stadt freit daran hat."
Blicken wir zurück auf Alkens Tätigkeitg, so werden wir vor allem seine vielseitige Begabung anerkennen müssen. Wir lernten ihn zunächst schätzen als den Verfertiger von Geschmackvollen Nutz- und Ziermöbeln sowie von prächtigen kirchlichen Ausstattungsstücken: Altären, Kanzeln, Beichbtühlen, Wir sahen, sodann, wie er als Architekt die verschiedensten Bauten richtig entwarf und ausführte, Wohnhäuser, Gemeindebauten, Kirchen, und daß er Brunnenleitungen anlegte, Marktbrunnen sowie kleine Brücken baute. Daneben ist er in vielen Fällen als Ratgeber und Begutachter von seinen Mitbürgern und den weiterliegenden Ortschaften und Städtchen herangezogen worden. Wenn wir auch zugeben, daß in der damaligen Zeit bei den meisten Baumeistern eine solch vielseitige Begabung nichts ausergewöhnlichee war, so müssen wir diese Vielseitigkeit bei unserem Michel Alken besonders rühmen. Hatte er doch außer dem dreijährigen Aufenthalte in Mainz, wo er als Geselle arbeitete, keine besondere Ausbildung aufzuweisen. Fragen wir uns nun, wie es ihm möglich wurde, all die verschiedenen Aufträge zur Zufriedenheit der Besteller, der einzelnen sowohl wie der deutschen und französischen Behörden, auszuführeng so werden wir außer seinen eisernen Fleiße eine nicht geringe bautechnische Begabung zu erwähnen haben. Nicht vergessen aber dürfen wir, daß Alken aus dem gestaltenden Handwerke, der Tischlerei hervorgegangen war und dieser Handwerk bis an sein Lebensende übte, wie uns manche mit äußerster Sorgfalt noch in den letzten Lebensjahren entworfene Zeichnungen von Hausmöbeln (Vor allem seien hier, ein paar in streng klassizistischen Stile gehaltene einfache Uhrgehäuse zu Stadtuhren vom Jahre 1819 erwähnt.) verraten. Und gerade diese enge Verknüpfung mit dem Handwerke, das Handwerkliche Gestalten, das infolge der ganz veränderten Zeitverhältnisse unseren heutigen Künstlern, den Baumeistern und Innenarchïtekten, meist fehlt, konnte unserem Alken mancherlei Anregungen, Erfahrungen und Werte vermitteln. Seine handwerkliche Ausbildung und bautechnischen Fähigkeiten jedoch hätten unseren Meister nicht weit gefördert, wäre bei ihm mit diesen Gaben nicht eine große Willenskraft verbunden gewesen. Wir konnten schon oben darauf hinweisen, wie er in der Zeit der fränzösichen Besatzung sich kurzerhand entschloß, Häuser zu zeichnen und zu bauen. Sicherlich wird ihm das von Anfang an nicht eo leicht gefallen sein, weil er sich in Mainz mit solchen Baufragen allem Anscheine nach wenig befaßt hatte. Aber Alken fand den Weg, weil er sich nicht leicht von den traurigen Zeitverhältnissen niederringen ließ. Dabei wußte dieser aus härterem Holze als sein Bruder Heinrich geschnitzte, praktisch denkende Mann, den ein rühmenswerter Bildungseifer leitete, stets den wirklichen Nutzen und Erfolg im Auge zu behalten. „Lieber Sohn“ so schreibt er 1807 seinem in Spanien weilenden Kaspar, "wihr klauben, wenn du ders franschös läsen, schreiben und sprächen kanst, die rechgenkunst wihrst du auch nicht vergessen, und lernst etwas weiter die geomederie, so wihrt sich gewiß etwas machen, daß Dir gefällt, wo man getz noch nicht an denket. Liebe Kasber, halte dich from, still und probber in deiner Klaitungstück und sonsten freinschaftlich mit deinen mitgesellen, besondres mit deinen offizihren, dan man weis nicht, wo man einen guten freint braucht. Wen etwa forfalt, so schreibe uns docht Lieber Kasber, halte dich wie gesagt!"
Die gleichen Ermahnungen, sich weiterauszubilden, entnehmen wir noch aus manchen Briefstellen, und wir hören nur den vater Michel sprechen, wenn der älteste Sohn Nikolaus seinem Bruder in Spanien schreibt: „Halte dich doch recht net und sauber und mach, daß bey den offizier kein Klag über dich einfällt. Und wenst du nur half die gemetrie lernen kanst, su lerne sie, es mag kosten, was es nur immer wil. Wir möchten hiergerne lernen, wen wir nur könten." Alkens eiserner Fleiß und sein Bildungseifer sollten nicht unbelohnt bleiben. In den Jahren wo infolge der Kriegswirren wirtschaftlich so mancher schwer zu kämpfen hatte, erfreute sich unser Baumeister eines stetig zunehmenden Wohlstandes. Von diesem Wohlstand hören wir u.a. in einem Brief, den der älteste Sohn Nikolaus 1813 an seinen Bruder in Spanien schreibt: „Und wenn du mal wieder komst, so wirst du vermögen finten;denn wir haben gar keine schulten mehr, wie vorher.“ Daher ist die Furcht, der Bruder in Spanien könne desertieren und dadurch der Eltern Glück zerstören, wohl zu verstehn. „Bruder, aber alles was ich Dir anbefehle: Disotir mir nicht, sonst kommen wir um alles, denn wenn einer disortirt, so bekommen die Eltern gleich Excution ins Haus und verkaufen alles."
Ebenso sehr wie der äußere Wohlstand wird unseren Alken die hohe Achtung gefreut haben, welche er bei seinen Mitbürgern genoß. Wir konnten schon früher darauf hinweisen, wie hoch man ihn als Baumeister schätzte und wie häufig man seinen fachmännischen Rat- nicht nur in bautechnischen Fragen- einholte. Davon erzählen mancherlei Blätter, besonders aus den letzten Lebensjahren. Da zeichnet er dem einen die ganze Einrichtung einer Seifensiederei samt Kesseln, einem anderen 1823 einen Sparher zu einer kleinen Haushaltung, einen dritten die Einrichtung der Ohlmühle zu Bürresheim 1826, und schließlich sogar - es sei als Kuriosum erwähnt – einen Schneider, der vor der Meisterprüfung steht, ein sauberes Meisterstück.
Das Vetrauen, das Bürger und Behörden in ihn setzten, zeigte sich vor allem auch darin, daß man ihm im öffentlichen leben besondere Aufgaben übertrug. So stellte Alken 1796 mit 3 anderen Bürgern im Namen der Bürgerschaft bei der „Municipalität in Mayen" den Antrag, (Protokoll der Munizipalität zu Mayence 1796 Staatsarchiv Coblenz) daß, da kein Stadtrat mehr sei, ein Polizeigricht gebildet werde, dem außer dem Bürgermeister 9 Bürger angehören sollten. Im gleichen Jahre überreichte Alken im Namen der Bürgerschaft eine schriftliche Vorstellung die Waldfrevler zu bestrafen. Einige Jahre später 1803 wird er als Friedengerichtsbeisitzender des Kanton Mayen genannt, (Das steht in einer Vollmacht, welche Alken zum Testamentevollstrecker ernennt u. seinen Wohnsitz in Mayen Nr. 195 angibt.) was er wahrscheinlich auch in der Folgezeit gewesen ist den in dem Handbuch für Landleute des Rhein- und Moseldepartements vom Jahre 1808 wird Alken zusammen mit einem anderen Bürger als Beisitzer des Friedensgerichtes aufgeführt.
Wieder ein paar Jahre später lesen (Original im Archiv des Mayener Geschichts- und Altertumsvereines) wir von seiner Ernennung zum répartileur de la commune de Mayen, also zum Steuerverteiler, wozu ihn der Unterperfekt berief.
Und wie sehr die eigenen Zunftgenossen ihn Ehren geht daraus hervor, daß er in den Jahren 1824,25,26 als Zunftmeister der Mayener Schreinerzunft genannt wird.
Aber trotz des erwähnten Wohlstandes, trotz der hohen Achtung die er sich bei seinen Mitbürger erworben, brachten diese unruhigen und traurigen Zeiten, in denen er lebte, ihm mancherlei Bitternis. Zunächst quälte ihn jahrelang die Sorge um den zweiten Sohn Kaspar, der, wie bereits erzählt wurde, von 1807 -.1813 unter Napoleons Fahnen in Spanien kämpfte. Wie oft mußte er dem armen Jungen, dessen Briefe an seine Eltern ebenso wie deren Antworten noch alle gut erhalten sind, Mut zusprechen! „ Alle Verwanden“, schreibt Alken am 20.2.1812, „bitten mit uns, daß du doch öfters schreiben wollest. - Lieber Kaspar, halte dich bestens gesont und zufrieden, got wird dich nicht verlassen, vertraue fest.“ Und ähnlich klagt der Vater 1813 in einem anderen Brieffe; „Wir halten immer ungemenschlich wägen deiner, läben also all in Sorgen. Es wihrt sich doch mit der Hilfe Gottes machen, daß du zu uns kommen kanst.“ Diese Sorge um den fernweilenden Sohn wird vorübergehen noch vermehrt durch den Gedanken, daß auch der jüngste seiner 3 Söhne Hienrich, eingezogen werden könne. Das war um so mehr zu fürchten, als Napoleons Stern zu sinken began, seine Niederlage in Rußland 1812 bekaunt, wurde und neue Aushebungen nötig zu machen schien. Waren doch nach einem Briefe vom 9. August 1813 im ganzen 220 junge Leute eingezogen worden. Wenn auch Napoleon mit neuen, schnell zusammengerafften Streitkräften im Frühjahr 1813 die verbündeten Russen und Preußen noch einmal schlug und zurüekdrängte, so waren diese Siege doch nicht entscheidend, im Gegenteil, den Preußen wurde in diesen Kämpfen der Mut gestählt. Daher verstehen wir, wenn Nikolaus Alken im August 1813 an sien Bruder in Spanien schreiben konnte: Die Sprach geht hier, als wens nicht gut aussehen däht. Und ähnlich schreibt Alken selbst am 14 Oktober 1813 also 2 Tage vor der Völkerschlacht in Leipzig „Mihr stegen in sowiet noch gut, wenn uns die Fölker nicht auf die Seiten über den Hals kommen.“ Was Alken vermutet hatte sollte eintreffen. Napoleon, der bei Leipzig am 16. und 18 Oktober 1813 geschlagen worden war, mußte von den Verbündeten verfolgt nach Frankreich zurück. Besonders den Bewohner des linken Rheinufers standen infolge der Truppendurchzüge böse Tage bevor. Aber man hatte in den letzten Jahren der französischen Besatzung so viel ausgestandeng daß man der Feindherrschaft recht überdrüssig ward und die Verbündeten als Befreier umjubelte. Das sagt uns keiner deutlicher als Alken in seinem letzten Briefe vom 6.12.1813 "Die großen Folterungen, die die Franzoschen an uns machen, von aller art, an gelt, früchten, fisch und fleisch, verursadhen, daß fille leite vermuthen, daß die fransoschen diese gegent nicht behalten würten.“
Als bald darauf nach Napoleons Sturz und der Neuordnung der staatliche Verhältnisse durch den Wiener Kongrese 1815 ruhigere Zeiten für das Volk anbrachen, konnte auch M. Alken unter dem Schutze des preußische Staates, dem das Kurfürstentum Trier, also auch Mayen zugefallen war, bessere Tage verleben und ungestört seinen Beruf ausüben. Das hat er bis zu seinem Tode, der ihn am 26 Februar 1827 im 66. Lebensjahre er eilte. Mayen verlor mit ihm einen seiner besten Bürger und einen Tüchtigen Meister aus der guten alten Zeit, dessen wir uns in unserer Tagen besonders gern erinnern wollen.
[1] Waarschijnlijk “zwager Geist” niet goed leesbaar, maar deze naam komt verder nergens voor.
[2] Heute in Museum
[3] Heute Museum
[4] Zie: Heinrich Alken, Geschichte meiner Familie zur Nachricht für meine Kinder
[5] Map met losse bladen
[6] Volgens de pastoor in 1980 tijdens een H.mis op de grond gevallen. Sindsdien spoorloos verdwenen.
[7] Met de hand erbij geschreven: “auf der Brucke am Bruckentor”
[8] Patronin der Hämmerzunft