Grundlagen zur Heimatkunde
Geschichte meiner Familie zur Nachricht
für meine Kinder
von
Heinrich Alken
Geschichts- und Altertumsverein für Mayen und Umgebung e.V
Mayen 1992
Geschichte meiner Familie zur Nachricht
Für meine Kinder
Autobiographie des Mayener Bildhauers
Heinrich Alken (1753-1827)
bearbeitet
von
Fridolin Hörter und Hans Schüller
Mayen 1992
Grundlagen zur Heimatkunde Band 4
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Herausgegeben vom Geschichts- und Altertumsverein für Mayen und Umgebung e.V. im Selbstverlag; Mayen 1992; Schriftleitung Hans Schüller, Finstingenstraße 2, 5440 Mayen; Titelbild: Heinrich Alken (Selbstbildung in öl auf Leinwand, bez.: Heinrich Alken, den 17 Hornung 1780 pincit; Privatbesitz).
Vorbemerkung
Zu den “Eifler Persönlichkeit(en) nicht alltäglicher Prägung“ (H. Lentz) gehört zweifellos der Mayener Bildhauer Heinrich Alken (1753-1827). In einer nur kurzen Schaffensperiode hat Heinrich Alken eine Reihe von Plastiken für kirchliche Auftraggeber geschaffen, die – so Ernst Nick – “als tüchtige Leistungen vom Handwerk ausgehender religiöser Kunst über den engen Kreis seiner Tätigkeit hinaus (eine) kunstgeschichtliche Betragtung“ 1 verdienen.
Aber erst lange nach seinem Tode ist die kunstgeschichtliche Forschung auf Heinrich Alken aufmerksam geworden. Joseph Hilger erwähnt Heinrich Alken in seiner 1910 von Geschichts- und Altertumsverein herausgegebenen Geschichte von Mayen2. Der verein, maßgeblich beeinflußt durch seinen erster Konservator Peter Hörter, der mit einer Urenkelin Heinrich Alkens verheiratet war, gab zu Beginn der 20er Jahre auch die entschiedenden Impulse zu einer “Alken – Forschung“. Hier ist vor allen Friedrich Born zu nennen, der in Vorträgen und in einem Beitrag über St. Johanner Pfarrkirche auf das künstlerische Werk Heinrich Alkens aufmerksam machte.3 Eine damals geplante und im fertige Manuskript von Friedrich Born vorgelegte kunstgeschichtliche Würdigung blieb mangels Geld während der Inflationszeit unveröffentlicht.4 Die Stadt Mayen würdigte den Bildhauer 1934, als sie einer straße seinen Namen gab.5
Spätere Abhandlungen beschränkten sich meist auf eine biographische Darstellung,6 wobei immer wieder auf Heinrich Alken selbst verfasste Familien- und Lebensbescheibung als besondere Quelle zurückgegriffen wurde. Peter Hörter fertigte 1920 eine Abschrift des damals im Familienbesitz über Koblenz nach Hannover gelangte Originals an.7 Eine zweite Abschrift von Felix Stürmer (1935) diente Margret Markmann als Vorlage für einen, in begrenzter Auflage erschienenen und vornehmlich für den Familienkreis gedachten Manuskriptdruck.8 Die Familien- und Lebensbescheibung von Heinrich Alken gibt nicht nur Auskunft über die familiären Verhältnisse und sein künstlerisches Schaffen, sondern schildert zugleich auch die Lebensumstände am Ende der kurtrierischen Herrschaft und der nachfolgenden französischen und preussischen Zeit. Sie ist daher eine ausgezeichnete Quelle zur Geschichte Mayens um 1800 und soll mit einer erneuten Drucklegung auch einer breiteren öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Mayen, im April 1992 Der Herausgeber
1.E. Nick, Nachwort (Heinrich Alken). In: Eifelkalender 1939, Aachen 1938, S.52ff
2.L. Brink / J. Hilger, Geschichte von Mayen. Mayen 1910, S.307.
3.P. Hörter, Lichtbildervortrag Heinrich Alken (Vortragsbericht). In: Mayener Volkszeitung Nr.20 26.2.1920. F. Born, Die Kirche in St. Johann bei Mayen und ihre künstlerische Ausschückung durch Mayener Meister. In: Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz 15, 1922, S.89ff
4.F. Born, Der Bildhauer Heinrich Alken und der Baumeister Michael Alken. Zwei Eifeler Meister aus der Zeit um 1800. Maschinenschrift, Mayen 1925 (Bucherei des Geschichts- und Alterstumsvereines – Ge 50).
5.M. Feiden, Eine Ehrung für eine bedeutende Mayener Brüderspaar. In: Mayener Zeitung Nr.10, 13.1.1934.
6.H. Lentz, Heinrich Alken. Maler, Bildhauer und Schulmeister. In:Eifelkalender 1939, Aachen 1938, S.49ff. H.Gappenach / F. Hörter, Heinrich Alken. In: Kurzbiographien an Mittelrhein und Mosel (=Sonderheft der Landeskundlichen Vierteljahrsblätter 1967ff.), S.33.
7.H. Alken, Geschichte meiner Familie zur Nachtricht für meine Kinder. Abschrift von Peter Hörter, 9.9.1929 (Bücherei des Geschichts- und Alterstumsvereines – Ge 66).
8.Geschichte der Familie Alken aus Mayen. Abschrift von Felix Stürmer 1935, Druck: Margret Markmann, Münster / Westfalen 1979 (Bucherei des Geschichts- und Alterstumsvereines – Ge 66a).
R e g i s t e r
Abkunft von meines Vaterseit
Meines Vaters Geschwister
Mein Vater Jacobus
Sein Gewerbstand (zeil 20 pagena)
seine Heurath (zeil 26 pagena)
Umstande deswegen (zeil 7 pagena)
Die Verehligung (zeil 21 pagena)
Geschichte über das Meister machen in der Hiesigen Hammerzunft (zeil 7 pagena)
Mein Vater verlegte sich aufs Mahlen und Vergulden
Meines Vater Krankheit und Tod (zeil 25 pagena)
Seine Kinder
Abkunft meiner Mutter
Kinder meines Uhrgross Vaters Niederehe und Geschichte meines Gross Vater
Die Kinder meines Gross Vaters
Meine Mutter (Zeil 12 pagena)
Die Denkungsart derselben
Die übrigen Geschwister meiner Mutter
Die Abkunft meiner Mutter mütterlicher seit oder die stollen Abkunft
Die Niederehisch Famillie
Geschichte meiner Wenigkeit
(Also die Bildhauerey)
Meine Heurath
Die Abkunft meiner ersten Frau
Fortsetzung meiner Geschicht
Karrakter meiner ersten Frau
(Mein Witdieb Stand)
Meine Kinder
Meine zweyte Heurath
Die Kinder 2ter Ehe
Die Geschichte meiner Kinder
Fortsetzung meiner Geschicht in betreff des Schulwesens
Begebenheiten in meinem Zeitalter
(Geldverruf)
(Nachtrag zu den französischen Zeiten)
(Fortsetzung meines Schulwesens)
Anhang:
Famillien Begebenheiten des Heinrichs Alken von Mayen
Abschiedsrede des Schullehrers Heinrich Alken an seine Schülerinnen
Verbleib der bekannten Werke von Heinrich Alken
1753 den 15. Feber bin ich getauft Heinrich, da ich den 14. ditto auf die welt kahm.
1764 den 29. April bin ich das erstemahl zur Heilige Communion gegangen.
1777 den 21. April habe ich die Maria Gertrud Newinger geheurathet.
1801 den 8 Feber heurathete ich die Catharina Knauf. Die erste Frau starb 1800 den 28ten october. Die letzte starb 1813 den 29ten Merz.
1772 in Maymonat habe ich in der Oberpfarr zur Coblenz von Erzbischof Clemenz-Wensislaus das hl. Sacrament der Firmung empfangen.
(1827 starb Heinrich Alken am 18ten Oktober; seines Alters waren 74 Jahre, 8 Monat und 1 Tag)*
* Nachtrag von andere hand
Meine Abkunft von meine Vaters Seite
Mein Großvater Johannes Alken zu Kettig bei Coblenz ungefähr im jahr 1684 (geboren), von Gewerb ein Ackersmann, Heurathete zu Niedermendig ein Mädchen Veronika Höners (Hömers); beide besassen ein Vermögen von etwa 1200 rtl, welches in einer eigner Mühl, Haus und Güter bestand; allein mein Grossvater war ein mann, welcher im Lesen und Schreiben nicht erfahren, sonst sehr einfach ohne Archlist, das er in seiner Wirthschaft wenig vor sich bracht, wozu die Archlist seine Schwäger durch verschiedene schriftliche mit ihm gemachte Verträge in Erbschaftssachen, welche sie ihm anders vorlassen, als (sie) geschrieben waren, vieles beytruge.
Er zeugte sieben Kinder als Mathias, Anton, Johannes, Jacobus, (und) Anna Maria, Catharina, Anna; er starb als sein jüngstes Kind Jacubus zwey Jahre alt ware 1724 zu Niedermendig im 40ten Jahr. Meines Großmutter lebte ferner im Witwenstande fort mit ihren Kindern, da brande ihre Wohnung ab, sie mußte ihre Felder verschulden um wieder an eine Häusgen zu kommen, hatte also keine Arbeit vor ihre Kinder mehr, welche denn sich bey andern Leute verdingen mußten. Sie lebte also im Witwenstand fort unter vielem Kummer mit ihren Kindern, welche nicht friedsam genug untereinander waren und deswegen die Mutter quälten, bis sie diesselbe unter andere Leute zerstreut hatte, starb endlich 1750 den 11ten Dezember zu Niedermendig hoffentlich selig, den mein Vater rühmet ihre Tugenden sehr. Von allem Vermögen, ohn etwas Möbel, hinterließ sie noch etwa 100 rtl Werth.
Von mein Vaters Geschwisters
Mathias starb im erwachsenem Alter ledig bey der Mutter.
Anton Alken diente bey den Bauern, hernach ward er ein Mühlsteinarbeiter; kame nach Köln um alda die dorthin gelieferten Mühlsteine neu zu hauen; heurathete eine sogenannte Kantenwirkerinn, bekam zwey Töchter, ward Stadsoldat, starb endlich als ein armer man 1779.
Johannes Alken trieb das Mühlsteinbearbeitungshandwerk, war aber weder Fleißig noch Geschickt, kam in der Absicht wie voriger nach Köln, heurathete auch eine Kantenwirkerinn, zeugte so viel ich weiß sieben Kinder, seine Frau und Kinder mußten ihn mehrenteils ernehren, denn er hatte keine Profession gelernt, und arbeitete auch sonst nicht gern, starb arm 1772.
Jakob Alken mein Vater, geboren 1722 starb 1774; seine beschreibung folgt unten.
Anna Maria war ein flinkes Mädchen, wohl im Lesen und Schreiben unerfahren, wurde aber in ihrem etwaigen 18ten, 19ten Jahr von einem Schlachfluß dermaßen gerühret das sie Krumm und Lahm wurde, auch wohl nicht mehr reden konnte, und mein Vater sagte oft, man hätte es vor Zauberey gehalten.
Sie lebte indessen sehr fromm bis in das 70te Jahr ihres Alters, kroch so alt und Krüppelhaft sie auch ware, auf alle Wallfahrten nach Fraukirch, Mayen und anderswohin in die benachbarten Orte, ich wollte meines Theils lieber mit ihr gestorben seyn, als mit ihr gelebt haben, denn als eine unvermögende Person mußte dieselbe armselig von der Barmherzigkeit andere Leuten leben, außer Spinnen konnte sie zur Noth; starb zu Niedermendig 1765.
Anna Alken diente anfangs bey verschiedenen Bauersleuten, schafte sich ein Krämchen an, und gieng damit zu Dorf. Heurathete endlich einen Wollenweber von hier, Anton Kehrig, welcher sechzehn Jahr in der Fremde sich aufgehalten hatte, folgsam die beste Tage hin waren, da die Frau lieber zu Dorf gieng, als an der Wollenweberhandwerk arbeitete, wozu denn ihr krangelichter Mann vieles beytruge, daß sie zu keinem Vermögen kamen, hatten zwey Kinder, Johannes und Maria Elisabetha. Anton Kerig starb endlich 1782 mit seiner Frau in drey Wochen, nachdem diesselbe ihr Alter sehr Kümmerlich mit Hilf der Almosen durchgebracht hatten, zu Mayen, an der damal hier herrschenden Conventionskrankheit oder der Roderuhr welche in dieser gegend von Deutschland in Zeit von einem Jahr veile hundert Menschen weggeraft, der zehnte Mensch in dieser Gegend blieb nicht frey von dieser Krankheit.
Catharina meines Vaters jüngste Schwester heurathete einen Wittwer namens Stallknecht mit zwey Kinder, war ein schlechter Haushalter und hinterließ nichts. Starb und hinterließ seine frau in Armuth. Heurathete nachgehens nochmal einen Wittweher namens Steinos; dieser starb auch, sie hatte keine kinder, welches sehr gut ware, denn sie ware ein wenig Faul und Dumm, deßwegen Arm, starb endlich 1770 elend.
Mein Vater Jacobus Alken
geboren 1722 hat das Glück von seinen andere Geschwister im Lesen und Schreiben unterricht zu werden, freilich weilen seine Mutter keine andere arbeit vor ihn hatte. Nachgehens mußte er sich bey den Bauern verdingen und den Acker bauen, er kam so hin zu einem zwanzich Jährigem Alter als er als Millitz unter die kurtrierischen Truppen gezogen wurde. Allein weil er Arm ware, mußte er vor andere Purschen seines Ortes gezogen werden, doch es ware vor ihn kein Schaden, denn er war von solchen Körperbau, daß er doch vor kein standhafter Bauer hätte bestehen können, zumalen da er keine Güter hatte er Erbet, als er nun nach Coblenz in Dienst kam, und in der Garnison liegen bliebe; fieng er an nach und nach zu sinnen, wie er sich in der Folge ernähren würde, da er unter anderen wegen seines honetten Betragens sehr beliebt ware, wurde er in Drey Reichskronen, einen vornaehmen Gastwirsthaus zu Coblenz als Markür auf dem Billartspiel angenommen, wodurch er mit lauter großen Herren umgehen mußte, welches denn ihn einen feinen Umgang verschafte, wodurch er das bäurische Wesen zimlich verluhr; allein das war keine Sache damit er sich in der Folge ernähren konnte, er suchte also an ein Handwerk zu kommen, er finge sofort bey einem Schmitt an, allein das wollte ihm wegen seines zarten Körperbau nicht recht behagen; gienge also zu den Weisbender als Handlanger; arbeitete eine kurze Zeit bey denselben, schlug sich immer zwischendurch zu den Gesellen in Ihre Arbeit, und half von Zeit zu Zeit ihren arbeiten, begrieff alles sehr geswind. Endlich entdeckte ihn der Meister darüber, welcher ihn also gleich zum Gesellen annahme und ihn bald in alle Fellen brauchen konnte. Er trieb sofort sein Weisbenderhandwerk, und lechte sich fleißig aufs Mahlen dieser Art. Er besaß in so weit viel Geschicklichkeit, ware ein leutselischer höflicher Mensch, der sich wohl hielte und immer reinlich Trug und dadurch die Liebe seines Ofizier mehr als übrige Leute zu sich zoge. Er hatte einen Helm mit auf die welt gebracht welcher aber nicht ware aufbewahrt worden, wo von man Fabelhaft zu sprechen pflegt, das es eine Vorbedeutung der Geschicklichkeit sey, seine Anlage hätte ein höheres Fach der Kunstarbeit leicht ausführen können, hätte ihn Armuth und Gelegenheit nicht daran gehindert.
Ein sehr weiches Herz besaße er nebst dennoch, wodurch er denn sehr Friedsam ware, er thate außer der Rewü keine Militärdiensten; man nannte ihn wegen seinem reinlichen Aufzuge spottweise Sonntagspörschel, weilen ihn sein Major sehr liebt, nannten ihn seine Feinde Majors Enkel, lauter Züge, welche ehrbares Betragen verrathen, doch auf der anderen Seithe unter schlechten Leuten Neid errechten; wodurch er denn bald einen Wiederwillen an dem Soldatenleben schöpfte, und nun sich auf sein Handwerk rechnen konnte, er ware also sechs Jahr Soldat, er konnte aber seinen Abschied noch nicht erhalten weilen damal ein Krieg bevorstunde, zwischendurch regte sich der Paarungstrieb, und die Gesinnung sich häuslich irgend niederzusetzen. Wegen seines ehrbaren Betragens fehlte es ihm auch nicht an Gelegenheit hierzu, wo er denn verschiedene Heurathsanträge, welche nicht übel gewesen wären ausschlug, als er noch in den oben genannten Gastwirtshaus ware. Endlich gerieth er an meine Mutter, ein Mädchen von noch nicht achtzehn Jahren, und ohne Vermögen. Anfangs hatte er einen Eingang in ein gewisses Wirthshaus, wo meine Mutter diente, der hiroische Geist, das muntere Wesen, der ausgezeichnete Verstand, auch ihrer nicht misstalter Wuchs, welcher denoch nur mittelmäßig ware, mach ihn wohl angezogen haben, er wurde aber von Mädchen lange herumgezogen, freilich weil sie noch jung und ihres Unvermögens bewußt, und leicht das gewöhnliche Schicksal eines Heurats ohne alles Vermögen einsehen konnte, allein da diese Vorstelling bey meinem Vater die entgegengesetzte Würkungen thaten, und meinen Vater diesfalls in Hervorthuung ihres Verstandes mehr vor sich aufhetzten, stoss sie ihn den in ihren Augen verächtlichen Soldatenstand vor, denn er konnte seinen Abschied nicht erhalten. Meine Mutter verließ sogar ihren Dienst, und gieng nach Haus; fande aber daselbst wenig aufnahme wegen der Eltern Armuth, und noch sonstigen häuslichen Verdrießlichkeiten. Meine Vater wurde als dadurch niedergeschlagen, nahm sofort aus Verzweiflung frischen Dienst, kaum ware dies geschehen, da wurden die andern die mit ihm gezogen worden waren, verabschiedet, nun ware meine Mutter endlich zu Mayen zahm, doch wollte sie es ihm nicht gestehen, zumalen weil mein Vater wieder Dienst genommen hatte. Das ware also das erste Mißgeschick meiner Eltern. Erste wollte mein Vater, meine Mutter aber nicht; nachgehens hätte es meine Mutter leiden können, nachdem sie zu Mayen zahm geworden ware, da konnte mein Vater nicht. Inzwischen starb meines Vater Mutter zu Niedermendig, er lebte also ihre letzten Krümmelcher, und drieb dieselbe sowohl als sein übriches Ersparte aus Verzweiflung durch die Gurgel. Da er sonst nie von der Art ware den Schwelger zu machen.
Meine Mutter wollte sich wiederzu Coblenz in Dienst begeben, und aus ihre gewöhnliche Gründen ihre Armuth und deßen Folgen dem Heurathen mit meinem Vater gänzlich entsagen; allein mein Vater stunde noch nichts ab sondern wendete sich an meines Mutter Bruder Michael Niederehe, welcher die siebente Schul in dem Jesuiten Gimnasio in Coblenz studierte, als dieser nun mit meiner Vater bekannt wurde, und sah seine Lebensart und Geschicklichkeit ein, so bewegte derselbe endlich meine Mutter dahin, das sie in die Heurath mit meinem Vater einwilligte, und so giengen auch ihre Trangsale an, denn nun mußte er sich vom Regiment loskaufen, und dieses gab viele und theure Umstände, man forderte von seiten der Kriegskomisariat fünf un zwanzig Thaler und einen andere Mann zu stellen! Freylich weilen mann meinen Vater nicht gerne vom Regiment verlohre, er bracht mit vieler Mühe und Kösten nach und nach sechs Mann vor, wo ihm endlich der letzte angenommen wurde, wie er endlich betrohete auszureißen. Nun ware sein Geld fort die fünf und zwanzig Thaler nebst den Kösten, welche die sechs Mann gekostet hatten, lägte also der obengemeldete Student vor; welches er sich als ein Pauker sehr sorgfältig zusammengesparet hatte und sich 40 rtl. belief, wofür meine Eltern nicht vor einem Albus Brod zu Genuß bekamen. Nun schritten sie denn zur Ehe mit 40 Thaler Schuld, und ihren wenigen anthun Kleider, und weiter nichts. Sie verheuratheten sich 1751 den 19ten September hier zu Mayen, hatten weder Haus noch Hausrath, der Sommer ware beynahe verstrichen, wo ein Weisbender was verdienen kann. Was ware also übrig als Lehnen und Borgen; Nun wurde mein Vater das Bügergeld schuldig, welches wieder sechzehn Thaler und einen ledernen Eimer zu einem Thaler Summa siebzehn Thaler betruge. Nun kam der Winter, kein Verdienst gabs mehr, und auch keine Steuer von keiner Seithe, nun ware es ein Glück, das meine Mutter eine flinke Nähterin ware, und sich mit ihrem Mann den Winter, zwar kümmerlich, durchbrachte.
Nachdem nun mein Vater beynahe zwey Jahre hier ware, und noch nicht Meister in der Hammerzunft ware, sofern kein Geld dazu hatte und mußte er von Anfang seiner Herankunft Jährlich 36 Albus in die Zunft zahlen, so ließ ihm der Student keine Ruhe, er sollte sich Meister in der Zunft machen, in der Absicht, das die Kinder welche kämen, nicht aus dem Meisterrecht ausgeschlossen wären. Nun gienge wieder ein Kummer an. Mein Vater hatte weder gehörig Zünftig gelernt, noch Artikelmaßig auf sein Handwerk wandern können, mußte demnach, um als Meister angenommen zu werden, an die fürstliche Regierung bitten, daß die Zunft ihn als Meister annehmen dürften oder viel mehr mußten. Nun ware mein Vater ein Fremder, folgsam bey den dummen Mayener dadurch wie ein fremder Hund verhaßt, wo sie denn da mein Vater an die Landerregierung suplizieren wollte, und desfalls einen Notarius von hier anstellte, so machten sich seine Feinde an denselben um das Bittschrift so gekrürzelt wurde, daß dieselbe kein Gehör fände und wirklich fande. Er wiederholte die Bittschrift, allein sie wurde von seinen Feinden bey dem Notar so verfälschet, das ihm sogar das Suplizieren von der Landesregierung verboten wurde. Nun faßte dennoch mein Vater den ungeachtet Muth, setzte sich selbst eine Bittschrift auf mit seine Gründen, daß er als ein gezogener Militz seine Lehr- und Wanderjahr nicht halten können, doch aber jedesmahl in Stande, sein Meisterstück zu machen, wo es ihm endlich gelunge, das die Regierung befahl meinen Vater ohn einziges Gegenbericht von Seiten der Zunft anzunehmen, dafern er in Stande wäre, sein Meisterstück zu machen. Alle Feindschaft gegen mein Vater kame daher, weilen er ein Fremder ware und weilen ein Wiesbenderpursch von hier aus in der Fremde ware, wo denn die Freunde desselben fürchteten der würde wenn er käme nichts zu thun haben, und deswegen meine Aeltern gern unterdrückt hätten, das ware eine Denkungsart alla Mayen.
Mein Vater wurde also Meister in der Zunft, welches ihn mit allen Kosten 20 Thaler kostete, nun waren sie ein Kind, nemlich mich, und 20 Thaler Schulden Reicher.
Dieser sehr quälende Sturm war kaum vorüber, da ließen die Freunde des oben angeführten Weisbenderpurschen namens Emrich Schumacher keine Ruh mit Schreiben, bis er nach Hause kam, da sie sahen, daß mein Vater sich in seinem Handwek ausdehnte; nun kam der Pursch nach Haus, nun mußte mein Vater auf alle Weise seine Arbeit in Verachtung gesetz seyn, man lief nach allen seinen Kunden, die man nur meinen Vater abjagen konnte. Kurz mein Vater war wirklich unterdrückt; der Last der Haushaltung fiel daher größten Theils auf meiner Mutter ihren Verdienst, nun verlägte sich mein Vater aufs Bilder mahlen und Vergulden, wozu ihn die Noth zwange, er kam auch ziemlich weit damit; er mahlte Kirchenfahnen, vergoldete Altäre und so fort, wie er denn 1760 zu Alflen drey Altäre vor und nach vergoldete, 1763 einen Altar zu Niederpreisich, danach zu Ulmen, kurz hin und wieder, allein die Arbeit reumte ihm nicht, wie es denn denen pflegt zu gehen, welche sowas bloß durch sich selbst erkennen.
Meine Mutter aber als eine sehr eifriche geschickte Frau grieff mit in der Profeßion an half Vergulden und Arbeiten wie ein Gesell wenn sie nicht gar zu kleines Kind hatte, so nahm selbiges in ihre Schürze, reißte mit meinen Vater fünf bis sechs Stunden weit auf zwey bis vier Monath Zeit in eine Arbeit und es wurde da manchesmal ein ehrliches Stück Geld verdient. Auf solche Weise rissen sie sich denn etwas aus der tiefen Schuldenlast heraus, allein sie überfiel mit zu vielen Kindern, das erschwäret die Haushaltung wieder, auf solche Weise war er denn von der beneideten Weisbenderey agekommen, allein wäret doch nicht lange, so trate ein andere Vergolder in der Nachbarschaft auf, welcher es bald meinem Vater zu vor thate. Dieser war ein reicher Junggesell, konnte sich immer Freunde kaufen, konnte damit auch manchesmal sonst was anwagen um in die Kundschaft zu kommen, drieb die Vergoldung auch höher, weilen er nicht brauchte das Geld so wie mein Vater, der dann immer auf den Verdienst und Unterhalt sehen mußte sparen; dieses ware also wieder ein Verderb vor meine Eltern, die Arbeit wurde vor sie rarher, und sie bleiben fort immer in Armuth stecken.
Ferner um dem Vergolder auszuweichen bewarb er sich in entferten Gegenden um Arbeit wie er denn 1765 zu Meyschoß an der Ahr, wo er eine Arbeit in der Kirche übernahm, aber mit dem dasigen prozessüchtigen Pastor Hartmann unvorsichtiger Weise in einen vor ihn schädlichen Ackort einlies, und den süßen Geschwätz eines tückigen Pfaffen glaubte und das Abrathen meiner Mutter verachtete, welche in so weit eine tiefere Einsicht hatte, als mein weichherziger Vater, allein dieses ware auch mehrenteils seine schwache Seite, mit dem Anhange, oder vielmehr Irrthum, der Mann müßte der Frau nicht folgen. Hätte er aber das zu verschiedenen Hauptfällen gethan, seine Sache wäre öfters besser gegangen, denn meine Mutter ihr Verstand ware öfters wie Profezeyungen welche sich oft bestätigten, das ware oft der Hauptstreit, welcher aber dennoch nie sehr hoch kam. Ich weiß das meine Mutter öfters sagte, habe ich unrecht so mache den Beweiß, und wenn ich dier dann entgegen bin, so will ich gerne Schläge von dier leiden.
Kurz! er gerithe nachdem er und meine Mutter 13 ganze Monathe an dem hohen Altar und Chor zu Mayschoß gearbeitet hatten, und nur ihre Kost erobert hatten, mit dem Pastor in Prozeß wegen des Lohns, allein die Prozeß hienge zu Köln am geistliche Gericht, und blieb glücklich da hangen; mein Vater reißte oft dorthin, meine Mutter reißte noch nach meines Vaters Tods etlichemal dahin, alleine 150 Thaler mit über 60 verreisten Tägen blieben aus.
Nun ware das wieder ein harte Stoss vor meine Eltern, Schulden hatten sie, denn mein Vater hatte sich 1762 ein Haus in der Marktstrasse Nr. 235 das nebst der gerichtlichen Schuld zu zahlen waren, nebst noch sonstigen Schulden, was noch mehreste dabey ware, so gieng der durch den Ruf des Prozeß sein Glauben in der Profeßion bald mit zu Grunde.
Indessen kamen wir Kinder, wenigstens ich, so weit, daß ich half Arbeiten, und meine Mutter bey ihren Kinder zu haus bleiben konnte, wenn wir Arbeit immer gehabt hätten.
Ich habe also 1766 den Altar zu Bermel, 1768 die Arbeit zu Wahnrath (=Wanderath) und Nürnburg helfen machen, 1769 die Apothek zu Mayen und Cochem Eluminieren helfen, und es hatte da bald gut gehen können, da traten die theuren Brodjahr auf, welche 1770 bis 1773 wehreten. Der Früchtemangel wurde so groß, das die Landstände genöthigt waren eine große Menge Korn aus Pohlen kommen zu lassen uns unter die Einwohner des Landes ausborgten und sich in fünf Terminen mit Zinsen zahlen ließen, daß das Malter Korn mit Kösten an 18 Thaler trierig Geld kam.
Durch diese klammere Zeit gab es wieder keine Arbeit für uns. Wir hatten das halbe Wohnhaus Nr.235 weilen uns dasselbe vor die vielen Kinder zu klein ware wieder verkauft und kauften das Haus Nr.11 allein Anno 1770. Dadurch geriethen meine Eltern wieder in tiefen Schulden, den sie bekamen vor ihr Haus 125 Thaler noch heraus ohne die gerichtliche Schuld ad 50 Thaler, welche stehen bleiben; und mußten vor das Haus Nr.11 100 Thaler mehr zahlen. Das war nun in den theuren Jahren nicht möglich. 1774 ließe die Theuerung nach, und es gab wieder Arbeit genug, unser waren nun drey welche Arbeiten konnten, und wir hätten uns denn wieder aus den Schulden heraus gerissen, da starb uns der Vater 12ten August 1774 in dem Pfarrhoff zu Walsdorf bey Hillesheim an der Gelbsucht nachdem er und mein Bruder Joseph hingegenagen waren den hohen Altar in der Kirche sant Arnolsberg (=Arensberg) anzustreichen. Er befande sich hier noch wohl, allein meine Mutter wiederriethe ihm die Reise aus ihrem gewönlichen prophetischen Einsichten, allein der Verdienst ware nöthig und süß, sie reissten. Was vielleicht vieles zu dem Eckel, dem meine Mutter gegen die Reise hatte, mach wohl das gewesen sein; es herschte was verborgenes dort innen, denn ein andrer Mahler von Prümm hatte auch in der Kirche gearbeitet und wäre Gestorben, gleich nachdem er da ferdig geworden ware, allein es ware ein über alter Mann gewesen.
Mein Vater zeigte schon über den Weg einige Milankolie, kurz mein Vater arbeitete eine halben Tag, legte sich, und ware in fünf Tagen Tod, und so hörten seine Trübsalen hoffentlich auf, er war sonst nicht oft krank gewesen, und trutz seine Zartigkeit sehr Gesund, auch truge er alle Widerwärtigkeiten sehr gedultig; hinterließ damals noch fünf lebendige Kinder und eins kam nach sieben Wochen nach seinem Tod zur Welt.
Seine Kinder waren geboren ich der Elteste 1753 den 17 Feber.
2tes Margaretha 1755 den 29ten Merz lebt noch.
3tes 1756 den 1ten December Johannes Michel starb in 15 Monaten.
4tes Johann Joseph 1758 den 12 November.
5tes 1760 den 10ten October Johann Michel.
6tes 1762 den 27ten May Antonius starb nach 10 Jahren 5 Monaten.
7tes 1764 den 11ten Feber Margaretha Elisabetha starb nach 13 Tagen.
8tes 1764 den 28ten December Franz Anton zu Mayschoß geboren starb nach 5 wochen.
9tes 1766 den 2ten Jenner Jacobus, starb nach 4 Wochen.
10tes 1767 den 3 September Anna Elisabetha.
11tes 1769 den 15 November Margaretha starb nach drey Jahren.
12tes 1771 den 25 December Maria Anna starb nach zwey jahren und 11 Monathen.
13tes 1774 den 5ten October Maria Anna.
Also wurden in 21 jahren 13 Kinder alle glücklich, und ohne Fehler zur Welt geboren wo von noch sechs lebendig sind. Nun denke einer was es gekostet und was es sonst für Umstände gegeben hat.
Dieses ist das Mehrereste der Geschichte und des Lebenslaufs eines Mannes, welcher in seine Denken und sonstigen Betragen nie mit Jemand unzufrieden lebte, und weit entfernt von dem, das er Jemand Unrecht thun sollte, er war mittelmaßiger Größe braunschwarze Haar, blauwe Augen, immer mehr Lustig als Betrübt, hatte immer Lust am Nachdenken auf mehrere Wissenschaften, wäre gerne als ein honetter Mann aufgetreten hätte ihn die Armuth nicht immer darnieder gehalten, doch hat er von seinem Lebenslauf bey allen denen Ehre die ihn kannten.
Meine Mutter
Abkunft meiner Mutter von ihres Vaters seite her
Mein Uhrgroßvater Anton Niederehe ein Metzgermeister wohnte in dem Hause und dem damaligen Nr.232. Er wurde nach der alten Mayener sprach Veiten Tünnes genannt, hatte er sich durch seine Handierungen zu eine wohlhabende Manne gebracht, wozu vieles beytrug, daß , als durch die französische Kriege das Kurfürstliche Schloss, das Rathhaus, nebst mehreren prifat Häuser verbrannt worden waren, und nachgebend der Kurfürst Johann Hugo das Schloss wiederum aufbauen ließ und mein Uhrgroßvater als ein beleibter Kostwirt die Handwerksleute in Kost und Pflegung bekam, wodurch er sich großen Nutzen schafte. Die Niederehische Famile ist sehr alt in Mayen, und es waren schon vor 150 Jahren laut den Amtsregister schon Niederehen hier.
Von meinen Uhrgrossvater stammen also ab folgende Kinder erster Ehe,
1.Anton Niederehe ware dahier als Metzger verheurathet,
2.Ware mein Großvater Jonann Anton,
3.Caspar Niederehe ware daher als Rortgerber verheurathet, wurde Rathsherr hier am Rath,
4.Anna Catharina heurathete eine Schumacher Eid hier in Mayen,
5.Anna Maria heurathete einen Ackersmann Michel Mertens von Eggenberg (=Eppenberg) hier,
6.Catharina heurathete einen Schumacher, sie ist aber fortgekommen, und weiß Niemand wohin.
In zweiter Ehe, wo mein Uhrgrossvater einen Frau von Polch geheurathet hatte.
1.Johann Jacob Niederehe ein Metzger, wurde Rathsherr hier.
2.Margaretha heurathete eien Schmitt namens Anton Wirz hier in Mayen.
3.Mathias Niederehe Sohn aus der zweyten Ehe meines Uhrgroßvater war Krüppelhaft, wurde Geistlicher, war hier ein Zeit Schullehrer, kam hernach als Kaplan auf unser Frauen Pfarr zu Coblenz und Pastor zu Thür, starb daselbsten 1765. Theilte seine Hinterlassenschaften, nemlich 2 1/3 Theil davon unter seine Geschwister und der kinder zu 9 Stämmen 1/3 Theil gab er seine Base und Köchin Alma, eine Tochter des Anton Niederehe; meine mutter bekam also den 72 Theil von der Erbschaft welche dennoch 25 Thaler betruge.
Die Geschichte meines Großvaters
Johann Anton Niederehe
Ware der zweyte Sohn erster Ehe seines Vaters Anton, groß von Körper, wie denn alle seine Geschwister groß waren auser der Geistliche, welcher einen Buckel hatte.
Seine Geschwister, wenistens die Brüder waren wohl gebildete Leute, konnten alle Lesen und Schreiben, allein ich weiß nicht was vor ein Unstern meinem Großvater mach geleuchtet haben, daß er es nicht auch konnte. Er hatte sich dem, den Metzgern fast eigene Trinkgewohnheit ergeben heurathete seines Vaters Magd, ein armes Mülhenbacher Mädchen wieder den Willen seiner Eltern und Geschwister, sie war zwar fromm und braw, aber in seinen Metzgerhandwerk konnte sie sich nicht recht schicken, da gabs bald Verdruß unter ihnen genug, seine Vermögensumstände wurden slecht; er kam zu keinem eigenen Hause, und es wollte ihn alles nicht gelingen, er muß ein wenig rauh gewesen seyn.
Nun begabs sich zur zeit als die Franzosen Trarbach belagerten, welche den Feindsvölker waren, das sich mein Großvater durch einen verdorben Metzger von Colenz namens Damian bereden ließ in die feindliche Armee Vieh zu liefern, nun freylich kam ein guter Gewinn dabey, allein die freunde mahnten ihn davon ab, weilen Lebensgefahr dabey wäre, denn wenn (sie) die Kayserlichen sie dabey (darüber) erwischt hätten, so hätten beide mit ihren Hälsen bezahlen müssen, durch das viele Abmahnen verhieß er mit der eben in Begriff stehenden Lieferung den gefährlichen Handel zu beschleißen, welches auch geschahe, allein da wurden sie als sie wieder zu Hause waren von der Kayserlichen Husaren entdeckt, selbe kamen nach Mayen, suchten beyde Metzger auf; mein Großvater ware eben in begriff sein Osterfest in der Kirch zu halten als ihn gute Freunde warnten und Ihn in ein Gewölbe in der Kirche versteckten, sein Kammrath, den Damien aber kam unwißender über die Straaß und wurde von den Husaren ergriffen, sie durchsuchten meines Großvaters Haus, durchstachen mit den Säbeln die Betten und setzten alles im Hause in den größten Schrecken. Was nun auch das Unglück ware, so hatte der Damian alle Erlöß bey sich, welchem es die Husaren abnahmen und ihn Vortschleppten, bis ins Hauptquartier nach Frankfurt, und weilen sie nur einen hatten welcher all Schuld auf seinen Kamarathen trug, so ließen sie ihn endlich ausgeblündert gehen, nun hatte mein Großvater alles Vieh, was sie verhandelt hatten bey den Bauern geborgt, welche meinen Großvater (nun) zum zahlen anhielten, dadurch gieng ihm also alles fort was er hatte, und er ware demmach follens ein armer Mann. Nun hatte er keinen Glauben, kein Geld, nichts als ein Haus vol nakender Kinder und oft mehr Durst als Geld. Damals lebte sein Vater noch, welcher denn, um den Kinder doch noch etwas zu hinderlassen, machte also ein Testament auf seine Enkel, nämlich über das väterliche Vermögen, wo sie denn noch etliche Felder und Wiesen erbten, aber nur den 9ten Theil von halben Vermögen seines Vaters.
Es ware sonstens keines bösen Karakter wenn er Nüchtern ware, verstand seyn Handwerk recht gut, allein das half ihm nicht aus, er lebte also arm bis seine kinder erwachsen waren und ihn dann im Alter beyhülf thaten, und ihn also auf seinen alten Tag mit allen nöthigen Besorgten bis er entlich 1762 den 9ten April hoffentlich selig gestorben ist.
Die Kinder meines Großvater
Johann Anton Niederehe
waren, 1te Johan Michel Niederehe studierte, nahm das Stiebendium, welche in unsere Freundschaft bestunden zu Hülf, welches mann Studianische heißt. Der Student (Niederehe) studierte fort, ward auf hiesige Frümess Geistlich, ward Kaplan auf dem Schloss Bürresheim, endlich 1765 Pastor zu Niederlehmen, starb 1790 den 12ten Dezember als er 60 Jahre alt ware, er war kein sonderlicher großer Mann, allein Geitzig, und eine Bethschwester weilen er seine Hinderlassenschaft größten Theils in Kirchen vermachte wo es seinen armen Freunden nöthiger gewesen wäre, er verschenkte z.B. der Wein der Kirche und die Faß den Erben usw. Gott hab ihn selig.
2tes Kind Apolonia meine Mutter 1732 den 12ten October geboren, verheurathet 1751 den 19ten September zeugte 13 Kinder war 24 Jahr und 11 Täg Witdib starb 1799 den 29ten Juli.
Sie War ein Feuervolles Mädchen, welches in alle Handlungen besser ein Bub gewesen wäre lernte schön Nähen, verdingte sich im 15ten Jahr nach Coblenz kam zu einem Gürtler in Dienst, wo sie als Magd sich mit dem Meister an den Werktisch setzte, und als Gesell half arbeiten, ware sehr Akurath in ihren Handlungen, wodurch sie bey ihrer Frau nicht lange in Dienst aufhielte, zoge denach in das Wirtshaus, wo sie endlich in den Ehestand gienge. Stach in schwären Schulden, mußte ihr Wohnhaus zwey Jahr nach ihres Mannes Tod verkaufen laßen und hernach arm in gelehnten Wohnungen wohnen, sich mit ihren Kinder, welche noch klein waren, mit der Nähnadel durchbringen und ihre erwachsenen Kinder ihr nicht manches beygeholfen hätten, so hätte sie Almosen suchen müssen, welches ihr Tode gewesen wäre. Ihr Herr Bruder zu Lehmen hätte ihr aus der Noth und aus den Schulden helfen können, allein er thats nicht.
Die großen Kinder verluhren sich nach und nach in die Fremde sie behielte das Jüngste bey sich, kam also mit viel Kummer durch die Zeit behielt dennoch immer ihren Muth und Entschlossenheit, mäßig zufrieden und konnte noch manchen niedergeschlagenen Herzen tröstlich zurathen, hielte sich nett in Kleidung und Wandel sie besaß trotz ihrer Armuth einen Honetten Ehrenstolz.
Endlich starb ihr geistlicher Bruder, sie erbte von demselben 200 Thaler. Dieses geld gab sie mier zur Steuer der Erbauung eines neuen Hauses, in welcher sie lebenslang eine ungestörte Wohnung hatte. Da meine Geschwister zu stande kamen, nemlich uns Joseph zu Andernach und meine Schwester im Thal (=Ehrenbreistein), da wollte sie ein Jedes bey sich haben, allein sie sagte immer ich bin am liebsten in meinem Stübchen, welches sie auch thate, bis sie endlich zu meiner Schwester um selbe in ihrem Witwenstand zu trösten in dem Thal gieng, wo sie nach einem Virteljahr starb.
Eine Frau die in allein ihren Elend standhaft und wahrhaft fromm, ohne alle Heucheley und Aberglauben, hatte mit Niemand Streit erlebt, nichts ware ihr so verhast als das Lügen, sie war fleißig und geschickt, arbeitete in den letzten Jahren noch ohne Brille. Kurz ihr Verstand und ihre Tugent und Rechtschaffenheit ist lobenswerth, allein sie konnte einein dennoch im Scherz die gute Wahrheit sagen, daß man sie gern unangetastet ließ, Gott gebe ihr also die ewige Ruhe.
3tes Kind meines Großvaters ware Margaretha, sie anfangs Kranklich, diente verschiedene Jahre zu Coblenz, heurathete endlich einen Nagelschmitt, Mathias Waldorf von Andernach zu Haus ungefähr 1769, zoge nach Andernach, der Mann starb 1772. Sie blieb Witdib bis 1776. Heurathete einen Mann von Coblenz namens Peter Schwarz starb endlich 1789 hinterließ einen Sohn namens Hubertus einen Schneider. Der Vater ware auf der Heimreise nach Lehmen, als er Geld van der Erbschaft seines verstorbenen Schwagers genommen hatte, er muß etwas Betrunken gewesen sein, fiel unglücklicher Weise bey Jondorf (= Gondorf) in die Mosel und ertrank. Sein Sohn Hubertus (ware als Schneiderpursch hin und wieder gereist kame endlich nach Remagen) Heurathete daselbst und wurde Choseknecht (= Straßenwärter).
4tes Kind Maria Margaretha ware Krüppelhaft kam nach Coblenz, ihr Haupt Aufenthalt ware in dem Nonnenkloster in der weiser Gass, sie erwarb sich in einigen guten Häusern (schöne) Nähkuntschaft, starb da endlich 1778 zu Coblenz. Hinderließ außer ihren wenigen Möbeln und Kleidung kein Vermögen.
5tes Kind meines Großvaters, Johannes lernte zu Müllenbach bey seinen Oheim das Nagelschmitthandwerk, arbeitete eine Zeitlang zu Saarburg als Gesell. Heurathete nachgehens zu Müllenbach die Elisabeth Esch eine Bruderstochter des dasigen Geistlichen Herrn Esch von Prümm zu Haus. Ihr Vater zu Prümm steuerte sie sparsam aus, nachher verbrannte Prümm und ihres Vaters Vermögen mit. Der Nagelschmitt hatte also von seiner Frauenseite nichts zu hoffen. Seine Frau litte viele Jahre an dem Potakra durch welches sie keine flinke Arbeiterin in ihrer Haushaltung ware. Sein Geistlicher Bruder Michael half ihm zwar in so weit an ein eigenes Haus damit mein Großvater auch auf seine alten Tage eine ruhige Wohnung haben sollte. Allein nachgehens konnte er die auf dem Hause hafftente Schulden nicht bezahlen, wie auch sein kleiner schwacher Körperbau ware den Nagelschmitthammer nicht gewachsen. Er quälte sich zwar sehr aber er kam zu nichts und sein Haus wurde ihm verkauft. Seine Frau ware über 10 Jahre blind, er starb 1785, seine Frau starb 1789 arm. Hinderließ 3 Kinder: Regina, Peter Joseph und Apolonia. Regina diente zu Coblenz, Heurathete einen Schumacher Münz. Dieser starb früh. Heurathete nachgehens ihren Gesellen namens Bell. Dieser starb auch; hinderließ eine Tochter namens Juliana.
Peter Joseph wurde ein Nagelschmitt. Heurathete endlich zu Coblenz eine Nagelschmittwitdib hinderließ einen Sohn namens Herrmann, er starb ungefähr 1813 an der damals zu Coblenz herrschenden Krankheit.
Apolonia ware lange Kränklich, hat ihr zu Lehmen erhaltenes wenig Erbtheil auf dem Krankenbett verzehrt; starb unverheurathet endlich im Hospital.
6tes Kind meines Großvaters Anton Niederehe studierte als Pauker wurde endlich mit Hülf seiner Freunde zu Müllenbach und Pochten zum geistlichen Stande gebracht,wurde gleich darauf Chorgehülf im Stift Prümm. In dem Prümmer Brand verbrannte ihm seine Möbel und seine Kleider. Wurde nachgehens Kablan zu Olzen (= Olzheim) bey Prümm hernach zu Seffern hernach, Frühmesser und Schullehrer zu Lasel ein Filial von Seffern. Nachgehens Pastor zu Thiley bey sant Wendel wo er endlich gestarben mag seyn, denn wir haben nichts von ihm gehört.
Stollen Abkunft
Die Herkunft meiner Mutter von ihrer Mutter Seit Margaretha Stollen. Ihr Großvater von Welling hatte 6 Brüder, welche aus Welling fort nach Müllenbach auf die Schieferkaul zogen, vermuthlich müssen es Bergleut gewesen seyn zerstreuten sich nachher durch Heurath in der Eifel herum.
Ihr Großvater zog nach Mayen in das Stedtbacher Backhaus, nachdem die Stadt durch die Franzosen Verbrannt wurde bekam er einen Eidam namens Veit Kohl ein Steinhauer welchen er das Bäckerhandwerk lehrte, dieser baute das Backhaus wieder auf, sein Schwiegervater Stoll zog aber, weilen er das Schiefersteinbrechen verstund nach Müllenbach, auf den Schieferkaulen zu arbeiten. Sein Sohn Nikalaus Stoll wird Kirschpils Vogt zu Masburg. Heurathete eine vermögende Person, baute ein Haus zu Masburg; nachdem starb die Frau, er mußte den Kindern viel herausgeben. Heurathete wieder, ward aber ein armer Mann, mußte sich ein anderes Haus bauen; starb von sieben noch fast kleinen Kindern nemlich: Mathias, welcher studieren sollte, dieser als ein brafer Mensch heurathete eine Kohlenbrennerstochter namens Apolonia. Ihr Vater war aus Welschland zu Haus, hatte in dem ritterschaftlichen Pochtener Walde Kohlen gebrannt. Übernahme einen Hoff in dem Walde in die Pfachten, sein Eidam Mathias Stoll übernahm hernach die Pachtung des Hoffs; und weilen er ein rechtschaffener und so ziemlich gelehrter Mann war, übergab ihm die adeliche Ritterschaft zu Coblenz die Oberförsterey über den ganzen Pochtener Wald, welche Stelle er mit Ehr und Ruhm begleitete bis an sein End, und so kam er zu Vermögen durch welches er seinen armen Geschwistern zu Müllenbach als ein getreuer Bruder aufhalf. Seine Brüder ließ er das Nagelschmitthandwerk lernen, daß sie sich ernehren konnten.
Er hatte vier Töchter, Maria Magdalena, Elisabetha, Margaretha Sofia, Maria Elisabetha.
Die Maria Magdalena heurathete einen ziemlich wohlhabenden Bauern zu Uersfeld namens Mathias. Die 2te Elisabetha heurathete einen namens Oster Bothen von Alfken, zog bey seinen Schwiegervater auf den Hoff, welcher Stollenhoff genannt wurde. Sofia heurathete den Johan Both Bruder des Osters zu Alfken.
Maria Elisabethe heurathete einen Pursch aus Müllenbach namens Mathias Welling zog auch auf dem Hoff um das Feld zu bauen indem sein Schwager Oster als Unterförster den Wald hütete, allein nach den Tode des Oberförsters Mathias Stoll schickte die Ritterschaft einen Jäger von Colenz dahin, welcher es dahin brachte, daa der Stollenhoff und mehere andere Höffe eingingen und die Bewohner mußten weg.
Emmrich Stoll lebte mit seinen übrigen Geschwister im Stammhaus; heurathete ein vermögendes Mädchen zu Laubach namens Elisabeth. Er lebte mit seine übrigen Geschwister in schönster Einigkeit und arbeitete auf eine Stock. Der Stumme starb endlich, auch der Emmerich starb früh, hinterließ zwey kinder Nicklaus und Sofia.
Die Geschwister des Emrich Stoll ist obiger Mathias, 2tens Emrich wo eben von geredet. 3tens Margaretha meine Großmutter, 4tens der Student welcher sich in der Welt verlohren.
5tens Nickolaus starb ledig im Alter.
6tens der Stumme ein feiner Nagelschmitt starb früh im 30ten Jahre.
7tens Johanna lebte im Stammhaus bis in ihr Alter, starb ledig. Nur der Nikolaus, Sohn des Emmerich pflanzte den Namen Stoll durch mehrere Söhne fort.
Die Niederehische Familie
Anton Niederehe oder Veitentünnes wie man sagt, hatte einen Bruder welcher nach Neuwiet zog als diese Stadt gebauet wurde, wo sich nun noch mehrere Abkömmlinge finden, welche den Namen Niederehe führen.
Die Kinder meines Uhrgroßvaters:
Anton Niederehe hatte einen Sohn Namens Mathias, trieb zu Niedermendig das Metzgerhandwerk, seine nachkömmlinge weiß ich nicht.
2tens eine Tochter Maria Margaretha heurathete einen Taglöhner namens Phillipus. Er zeugte zwey Töchter, eine verheurathete sich nach Allens, die andere heurathete einen Daniel Adams.
Er hatte ferner einen Sohn Jodokus Niederehe, trieb das Metzgerhandwerk; hinterließ einen Sohn Johann Jakob; dieser hinterließ einen Sohn namens......... wohnte dermalen zu Zompster (= Pomster) bey Barweiler. Der Johann Jakob hinterließ eine Tochter namens Catharina verheurathete zu sich Coblenz. Der andere Sohn des Jodokus, Johannes hatte zwey Töchter, eine namens Gertrud hatte einen Ferber Mayer hier geheurathet. Die andere Tochter Catharina ist dermalen noch ledig. Der Jodokus hatte eine Tochter namens Maria Anna, wohnt zu Coblenz. Zweyte Tochter des Jodokus ist an einen Wegpegier zu Cochem verheurathet namens Günzher (Günther). 3te Tochter des Jodokus, namens Margaretha ist mit einen Komiss nach Frankreich gezogen.
Die Kinder meines Uhrgroßvaters 2ter Sohn sind oben beschrieben.
Caspar Niederehe hinderließ einen Sohn namens Johannes welcher studierte, wurde dahier Gerichtsscheffen, heurathete eine Beamtentochter von Grafen von der Lay von Bernkastel, zog endlich nach seines Schwiegervaters Tod auf selbiges Amt dorthin. Von seinen Kindern weis ich dermalen nichts. 2ter Sohn von Caspar Niederehe namens Nikolaus war ein Rothgerber, hinterließ einen Sohn namens Wilhelm starb in der kayserlichen Armee. Wieder eine Tochter namens Margaretha verheurathet an den Johann Dietz anfangs ein Becker nachgehens ein Förster. Eine Tochter des Caspar Niederehe namens Maria Helena heurathete einen verdorbenen Studenten mit ziemlichen Vermögen von Niedermendig trieb dahier die Branntweinsbrennerey. Hinderließ einen Sohn namens Johann Joseph ein Leinenweber, ittem einen Sohn namens Nicklaus ebenals ein Leinenweber. Eine Tochter Helena kam in die kayserliche Armee, ittem eine Tochter namens Barbara starb arm und elend ledigen Standes. ittem eine Tochter namens Maria Catharina dermalen verheurathet mit dem Ejjidus Josten ein Dreyler, itten eine Tochter des Caspar Niederehe namens Anne Gertrud heurathete einen Chiruch oder Feldschärer namens Veling. Dieser hatte Kinder: 1tens eine Tochter namens Maria Anna heurathete zu Adenau einen Wundarzt namens Hecking. 2tens einen Sohn namens Caspar Heinrich starb als Jurist zu Cochem, hinderließ einen Sohn, dessen Namen ich nicht weiß. 3tens einen Sohn namens Mathias trieb die Arzneykunst starb endlich zu Vallendar, seine Nachkommenschaft weiß ich nicht. 4tens eine Tochter Anna Catharina, heurathete den Bartholomäyus Schäfer, einen verdorbenen Müller und Juristen. 5tens eine Tochter namens Margaretha, starb unverheurathet. 6tens einen Sohn namens Bartholomäius kam als Wundarzt nach Frankreich oder gar wie es hieß in Amerika. 7tens ein Sohn namens Paulus Veling treibt in geheim die Wundarztney wohnt hier in Mayen. 8tens Peter Veling hinderließ einen Sohn. 9tens einen Sohn Joseph, seinen dermaligen Aufenthalt will ich nicht wissen.
Anna Catharina Tochter meines Uhrgroßvaters heurathete einen Schuhmacher namens Eid, trieb nachgehens die Glasnerey. Hatte einen Sohn namens Mathias ein Glassner hernach ein Müller, hinderließ zwey Söhne. Johann Nicklaus ein Glasener dahier. 2tens Nicklaus ein Müller im Elsaß, Anna Catharina hatte eine Tochter namens Anna Catharina, heurathete einen Schumacher namens Huber Braun, hinderließ drey Kinder, einen Sohn Nicklaus, einen Schumacher, eine Tochter Anna Gertruda verheurathet an Gerhart Kohlhas, andere Tochter geborene Braun namens Gertraude Margaretha verheurathet an Joseph Kohlhas.
Jakob Niederehe, Sohn meines Uhrgroßvaters hatte zwey Töchter, Margaretha verheurathet an Martin Müller einen Metzger. Diese hinderließ einen Sohn namens Anton Müller und einen Sohn namens Johann Jakob, eine Tochter (namens …..) verheurathete Rehorms. Die Tochter des Johann Jakob Niederehe, Sohn meines Uhrgroßvaters namens Anna Maria verheurathet an den Jakob Henrici, hinterließ eine Tochter namens Margaretha verheurathet an Gottfried Kaiser. Noch eine Tochter namens Anna Maria verheurathet an Caspar Feilser, einen Sohn namens Johann Jakob ist in der französischen Armee verlohren gegangen.
Die Kinder meines Großvaters Johann Anton Niederehe Sohn meines Uhrgroßvaters sind oben gemeldet.
Anna Maria Tochter meines Uhrgroßvaters verheurathet an den Michel Mertens, hinderließ eine Tochter verheurathet an den Joseph Geisbüsch, Ackersmann.
Maria Margaretha Tochter meines Uhrgroßvaters heurathete einen Schmitt namens Anton Wienz, hinderlieg eine Tochter (namens …..) verheurathet an den Nickolaus Geisbüsch, Ackersmann, hinderließ drey Töchter und zwey Söhne. Eine davon heurathete Stephan Haus, (ihr Name Ist …..), zweyte heurathete den Daniel Zähren, Wollenweber, (ihr Name Ist ….. ). 3te heurathete den Stepphan Thelen ein Sattler, (ihr Name Ist ….. ). Einen Sohn namens Anton ein Ackersmann. Noch ein Sohn namens Nicklaus ein Rothgerber.
Anna Maria (von fremder Hand durchstrichen und verbessert: Catharina) Tochter meines Uhrgroßvaters ist die Verlohrengegangene hinderließ zwey Töchter (Zusatz van fremder Hand: Ihr Mann schrieb sich Hüber). Eine heurathete den Johannes Bell Becker; dieser hinderließ einen Sohn namens Mathias einen Schneider, ittem einen Sohn namens Nikolaus welcher in der kayserlichen Armee zurüchgeblieben ist.
Die fernere Nachkommenschaft folgen unten.
Meine Geschichte
Ich ward geboren 1753 des 17ten Feber, ich wuchs also an bis ins 5te Jahr, wo ich schon Hang zum Zeichnen und Lernen hatte welches durch die Liebe und Hoffnung zu mir, auf alle Weise beförderte. Ich lernte demnach bald Lesen und Schreiben, zwar nicht grundsätzlich, weilen meine Eltern Sommerzeit außerhalb arbeiteten, wo ich denn unter der Aufsicht meiner Großeltern nicht fleißig zur Schul angehalten wurde, wie denn auch die Schul in schlechtem Stande war; ich ging auch nach Bürresheim zu meinem Herrn Oheim (van frender Hand hinzugesetzt: Johann Michael) Niederehe in die Schul, allein das ware ich denn wegen der täglichen zweystündigen Reise bald müth, auch ware meine Herr Oheim ein strenger Mann gegen mich, wenigstens hielte ichs damal dafür, kurz, die Bürresheimer Schule dauerte vor mich nicht lange. Als ich nun sieben Jahr alt war, mußte ich mit meinen Eltern gehen, um das kleine Kind, welches meine Mutter mitnahm, zu halten, wie ich denn zu Alflen, Maiserig (= Melserich), Duckweiler (= Dockweller), und Ulmen , und Niederpreisig mit gewesen bin als Kindermagd, uns Michel und den nachher verstarbenen Anton zu verwahren, ware meine Beschäftigung. Nachgehens half ich statt meiner Mutter arbeiten, freylich gings armselig ab. Nachgehens, als wir nach Mayschoß zu Arbeiten kamen und mit dem dasigen Organisten Becker 1765 bekannt wurden, bekame ich Lust die Orgel schlagen zu lernen; mein Vater ließ es geschenen; allein ich mußte immer eine halbe Stunde Wegs nach Rech zum Organisten in die Schul gehen und sollte auch etwas Arbeiten helfen, so wurde aus keinem viel, denn ich hatte anfangs an alles Lust zu lernen, aber meines Vaters Armuth gab keinen Nachtruck. Meines Vaters Gewerbstand stund wie oben gesagt nicht immer auf den besten Füßen und fehlte oft an Arbeit, so ware auch oft der Vertruß da das Studium in einem und anderem mit erforderlichen Eifer fortzusetzen. Kurz, ich kam lns 14jährige Alter und wußte fast nach nichts als Anstreichen. Darnach gab ich mich denn ernstlich ans Vergolden, da wir in der Pfarrkirche zu Wahnrath (= Wanderath)und Nürburg 1768 den Sommer über Arbeiteten und was verdienten, hingegen 1769 war es wieder nichts, da starb der hiesige Organist Gries, zugleich Gerichtsschreiber; nun machte mein Vater sich Hoffnung auf die hiesige Orgel vor mich, allein ich ware noch zu schwach davor, deswegen thate mein Vater auf Empfehlung meiner Jungfer Muhme Maria Margaretha nach Coblenz bey einen jungen Menschen mit namen Layenthal, um die Orgel fortzulernen, ich ware sechs Wochen daselbsten. Mein Herr Oheim von Lehmen sollte mir den Brod darüber geben, allein wenn ich Donnerstags an die Mosel gieng, um das wöchentlich nöthige Brod im Lehmener Marktschiff abzuholen, so ware unter zehhmal keins geschickt worden, mein Vater hatte auch nichts anzuwenden. Kurz ich muste da weggehen zumalen da mein Vater die hiesige Apotheke zu Eluminieren angefangen hatte, nun mußte ich die Hoffnung auch derwegen auf die Orgel aufgeben, weilen dem verstorbenen Organisten sein Bruder die Orgel übernahm, um selbe vor seinen Vetter Mathias Grieß aufzuhalten, weilen sie wie er sagte, selbe über 150 Jahr unter ihrer Familie gehabt hätten. Nun mußte ich Rascher an die Arbeit gehen und so mußte das Clavier liegen bleiben, wo jedoch nachgehens die Orgel unter fremde Hände kam, allein ich war auser Uebung.
Indessen trieb ich das Vergolden mit meinem Vater desto stärker, nenlich wenn wir Arbeit hatten, wie denn einen Altar in der Kabell zu Borler vergoldeten, mein Vater grieff es daselbst zu knickig an, brauchte Methalgold in der Höhe, welches zu unserer gröbten Afrund (=Affront) in einem halben Jahr schwarz wurde wegen der feuchten Kirch und weilen mein Vater es nicht verstund zu bearbeiten. Hernach vergoldete ich zwey Bildgehäuse in der nenlichen Pfarr zu Littersdorf (=Leudersdorf) ohne Fucherey, welche Prob hielten.
Anno 1770 da traten die theuren Brodjahre ein, wir vergoldeten den hohen Altar zu Retterath wo mein Bruder Joseph schon half Arbeiten, da fienge ich endlich an in Leimfarben die Zierrathen zu malen, aber von Bildern In Oehl mahlen wollte mir nicht in den Kopf; zwar mein Vater konnte mir auch keinen gründlichen Unterricht darüber geben. In den folgenden Jahren fehlte Arbeit und verdienstlosen theueren Jahren gab ich mich denn also aus langeweile an das Figurenmahlen in Oehlfarb. Ich schmierte jämmerlich, doch das Glück hatte ich, was ich mahlte gefiel mir ziemlich, und das ware nöthig meine Muth anzufeuern, ich trieb es also weiter, ware bald meinen Vater Meister, es ware alles nichts, doch glaubte ichs.
Da wir dann und wann ein Bild von ein und anderen Bildhauer in den Kirchen zu vergolden bekamen, so machte es sich, daß bald hier bald dort etwas an der Bildhauerarbeit zu ergänzen ware, so lernte ich denn ein Bild flicken, bald eine Hand, eine Kron, oder sonst was, ich bekame Lust zu der Bildhauerarbeit, nach meinem Gebrauch, immer was andres zu machen; mein Vater hielt mich ab, mit vermelden, lerne eins, und das recht wozu die Tausendkünstlerey, sagte er, freilig hatte er recht damit, allein ich konnte meinen Hang damit zu Bildhauerey nicht bendigen, weil ich Glaubte die Bildhauerey würde zur Zeit mir mehr Verdienst schaffen als das armselise Mahlen. Immer bastelte ich so etwas in Holz, doch machte ich in weichen Stein mit dem Brodmesser den Anfang.
Also die Bildhauerey
Was nich dieselbe indessen aufs Neue für Mühe und Studieren kostete ware noch gering allein meine Wißsbegierde versüßte mir das harte Studium.
Ich hatte die Zuflucht dabey wenn ich so weit käme ein Bild zu machen, und wenn ich auch so lang flicken müßte bis es endlich recht wäre, so könnte ich immer solches mit dem Anstreichen bedecken. Auch waren die Bildhauer damal in unserer Gegend rahr, und es gab doch immer mehr Bilder zu machen, als Mahlerey gefordert wurde. Allein, so lange mein Vater lebte wurde wenig daraus. Nachgehens aber stellt ich mich kühn davor aus, es gab freilig anfangs armselige Bilderchen, doch gieng es mir wie beym Mahlen, alles was ich machte gefiel mir, weilen ich nichts besseres kannte. Ich lebte also bey meiner Mutter nach meines Vaters Tod, wir hatten dadurch ziemlich Arbeit, weilen ich dann die Holzarbeit die ich bekommen konnte, mitnahm; allein es wurde doch vieles schlecht bezahlt.
Hart war es mir, das ich es so weit brachte Arbeit anvertraut zu bekommen, und wenn ich mich nicht bey meines Vaters lebzeiten noch in manchen Fällen in Fleiß mit Arbeit hervor gethan hätte, so wäre es noch schlechter mit der Arbeit und Vertrauen bey den Leuten gegangen. Ich hatte mir vorgenommen in die Fremde zu gehen, allein wie mein Vater starb, so viele alles über mich her und redeten mir zu, meiner armen betrübten Mutter vorzustehen; nun ich lieg mich bereden; ich blieb und versäumte das Reisen, wie oft es mich seither gereuet, weiß ich, allein ich hab aus Aeltern und Geschwistern lieb das Weltreisen unterlassen, zwar was hätte ich vieleicht auch in der Welt gefischt, als Mahler konnte ich nicht reisen, als Bildhauer noch weniger, also hätte ich als Weisbender reisen müssen, sa hätte ich doch zu dem Zweck den ich mir wünschte, vieleicht nicht kommen können; ich blieb also, ich und mein Bruder Arbeiteten was wir bekamen, wie wir denn die Kirch zu Alflen 1775 gemahlt haben und die Orgel vergoldet haben. Allein wir beide blieben nicht lange einig, er wollte seyn was ich ware, und ich meinte weil ich Aelter wäre, wäre ich etwas mehr, auch kam ich in das 23te Jahr, es regte sich ein anderer Trieb in mir, der sich von Natur pflegt bey solchen Menschen Alter zu regen, ich machte Bekanntschaft mit der Jägerstochter, welche nicht weit von mir wohnte, wir wurden Bekannte, ohne daß wir noch von Heurathen sprachen, doch wohl ganz blöde daran dachten, allein, wovon das Herz voll ware, lief der Mund endlich über, ich gab ihr auf einen Abend zehn Monathe vor dem daß wir uns Verheuratheten meine Meinung überzeugent zu verstehen, ich freue mich noch wie wir uns so unschuldig, und so getreu Liebten, ich vergaß alle Furcht wie mir es in dem Ehestand gehen würde und trat 1777 den 21ten April zwar mit Vertruß meiner Mutter, weilen sie glaubte, daß ich ihr noch zu nöthig wäre in den Ehestand, ich behauptete in Rücksicht meiner Mutter, mein Bruder Joseph welcher fünf Jahre Jünger als ich ware, könnte nun auch einmal etliche Jahre schüllern, zumal da ich sahe, daß ich durch meine Gutheit nichts vor mich bringen konnte, (ich hätte freylich noch etliche Jahr warten können). Hätte ich nicht so viel Empfindsamkeit besessen oder gesehen, das unsere Haushaltung merklich empor kommen können, allein ich mußte sehen das die Schulden Haus und Hoff doch wegfraßen, ich wurde also wegen eins und anderes recht vertrießIich länger bey meiner Mutter zu bleiben; ob ich doch nachdem ich verheurathet ware, meiner Mutter ihrer Nothdurft oft mußte aushelfen, denn mein Bruder hielt es noch ein Jahr bey ihr aus, so gienge er als Vergoldergesell nach Braband in die Fremde, uns Michel war als Schreiner in der Lehr; und sie also mit ihren zwey Mädchen allein, und weilen sie gegen meine Heurath gewesen ware, auch bey meiner Frau anfangs nicht sehr beliebt, was ich ihr also gutes that, musste heimlich geschenen.
Bey meiner Heurath freuet es mich noch das unser Umgang so rein und Unschuldig bliebe; allein die Hochachtung die wier gegeneinander trugen vertrengte alles Anmuthen leichtfertiger Streiche und Anstößigkeiten in dem wier doch fast keine Stunde vergieng, wo wier uns nicht zusamenfanden; zwar mußte man geschehen lassen, daß freventliche Urtheiler und Verläumder von uns behaupten wollten, unsere Freyerey sey nicht rein gewesen. Wie mir öfters im Vertrauen vorgeworfen wurde, allein es freute mich in der Seel, daß sie sich weit geirrt hatten. Statt darüber zu zürnen mußte ich jedesmal herzlich darüber lachen.
Die Abkunft meiner Frau
Meine Gertrude geborene Newingerinn
Von ihrem Uhrgroßvater weiß man leider nichts, als das er in dem Backhaus an der Eselsbrück geboren und als Becker gestorben ist, ihr Großvater Johannes Newinger ein Jäger kame damals mit dem Herrn von Bürresheim in der Welt herum. Heurathete endlich eine Kanmerjungfer desselben, welche von Bamberg zu Haus ware, namens Anna Barbara eine sanfte gelehrte Frau. Er übernahm das Kurfürstliche Jagdrevier, auch das Backhaus, hatte immr Beckerknechte, hette was erwerben können, allein man weis das die Bedienten oft Trinken lernen. Er ware also ein beliebter Mann bey seinem Fürsten Franz Georg von Schönborn welcher ein liebhaber von der Jagd ware, er wurde 85 Jahre alt, hatte noch alle Zähne, er und seine Frau starben in einem Jahr 1757.
Seine Geschwister, so viel ich weiß waren Bartholomäus, ware ein armer Jagdgesell, davon kommt ein Sohn Johannes, man nannte ihn den Rothhannes, wegen seinen rothen Haaren, ein verdorbener Steinhauer. Eine Tochter Anna Catharina verheuratet an Joseph Haupt.
Ein Bruder Jodokus Newinger zoge als Becker nach Adenau ward ein wohlhabender Mann, wo die Kinder hingekommen, ist mir nicht bewußt, ein Bruder war zu Polch Jäger, seine Kinder weiß ich nicht.
Seine Kinder Meiner Frauen Großvater waren Maria Gertruda, Heurathete einen Schumacher Jakob Meurer, dessen Kinder sind die Maria Helena, Verheurathet an den Dötsch Bartholomäus, Meurer, wohnt zu Barweller.
Karl Meurer Schumacher hier.
Anna Maria Meurer dermalen Bohlen.
Anton Meurer dermalen Tod.
Karl Newinger mein Schwiegervater ware ein Jäger, er blieb bey seinem Vater als Jäger bis er etwa 20 Jahr alt war, Heurathete die Anna Maria Pfingsten, allein der Vater gab ihm blos das Schußgeld, welches er mit seiner Flinte verdiente, mußte daher kümmerlich Leben bis er nach seines Vaters Tod das Forst mit allem Einkommen erhielte, wie er schon 18 Jahr verheurathet gewesen und fast seiner Frauen Mittelcher, als Felder und Gärter verzehren müssen. Seine Kinder waren: Nikolaus dermaliger (hiesiger) Jäger hier, Johannes ware zehn Jahr als Jäger beym Dohmherr von Kesselstadt welcher ihm denn 1776 zu Bausendorf bey Wittlich auf ein Forst half, derselbe ist dermalen in 4ter Ehe.
Maria Gertruda meine Frau, also geboren 1752 den 15ten August, ein sehr flinkes ahnsehnliches Mädchen, welches zwar nicht eußerst mit einem großen Geist begabt war, dennoch sehr fleißig, reinlich und Tugendsam ware, auch sich sonst in alle häusliche Beschwärnissen richten konnte, ihr Schad ware, sie war gar nicht zu fremden Leuten gekommen, weilen ihre Eltern sie eines Theils nicht wohl entberen konnten, anderen Theils selbe zu sehr liebten, als daß sie selbe von sich gethan hätten.
Jakob war ein Jäger, weilen er aber einen Anstoß von Sinnenkrankheit hatte, so konnte er es niemalen bey Herrschaften aushalten, wie er denn ein Jahr zu Mainz ware, es aber nicht halten konnte, auch in der abdey Lag (= Kloster Maria Laach). Ein Jahr nachgehens zu Tüppenweiler (= Düppenweller bel Merzig) auf einem Forst, allein wenn ihm seine Krankheit angieng, so verschwelgte er in Kurzem all das Seinige, denn ware Dienst und Vermögen fort. Er hielt sich bis 1789 ein Jahr zu Bausendorf bey seinem Bruder auf, kam nachher zu einem kayserlichen Hauptmann von Wien als Jäger und Bedienter, mit welchem er in Italien reiste, daß ist alles was wir von ihm wissen.
Fortsetzung meiner Geschichte
Nun ware ich als ein armer Pursch mit einem halbgeborgten Brautrock, alten Schuhen und drey Hemden in den Ehestand gegangen, meine Gutheit und meine Mutter Noth waren es, weswegen ich so wenig hatte vor mich sorgen können. Meine Schwiegereltern nahmen mich also in ihr Haus auf und ließen uns daselbst fünf Jahre Zinsfrey wohnen, geben uns drey Wochen Kost und ließen uns den Gebrauch ihres Hausgeräths zu, bis wir solches nach und nach anschaffen konnten, gaben ihrer Tochter ein mittelmäßiges Bett mit, und das ware das ganze, was wir hatten. Ich hatte wenig Arbeit, und mußte daher in der abdey Lag im Taglohn Weisbender mahlerey machen, Täglich um 18 Albus und die Kost. Allein weilen mir noch viel am Umgang mit honetten Leuten fehlte, so benutzte ich dann durch den Umgang mit den Herren zu Lag manche Gelegenheit um ein wenig geschlieffener zu werden.
Allein die Arbeit dauerte nur Sommers, und zwar nur 8 bis 10 Wochen immer in der besten Zeit, wo man auch anders hätte bessere Arbeit thun können, wenn man sie gehabt hätte; doch erhielte ich verschiedene Bekanntschaft durch die Lager Arbeit, welche mir nachgehens zu statten kame, wie ich denn unter anderen einen Tabernakel zu Bucholz-Weiler (bei Burgbrohl) zu vergolden bekame, wodurch ich denn auf dem Ruhlandswert (=Rolandswert.h) mehere Arbeit bekam. Allein, so lange ich zu Lag in Arbeit stunde, hatte ich Winters wenig zu thun und machte daher im Winter immer Schulden. Weilen ich nun Bildhauer sein wollte, so übernahm ich neue Altär in Holz zu liefern, wie ich denn zwey seiten Altär nach Booß in die Kapel, drey Altär nach Heidenburg bey Neumagen lieferte, wo niemalen Schaden bey ware. Auch half ich dem Schreiner Hilger zu Thür in Zierrathen an Kirchenarbeit viel Arbeiten. Dadurch brachte ich mich immer in der Bildhauerarbeit weider. Entlich entstund der neue Jagtbau eines Schiffes beim trierischen Hoff zu Coblenz, welche sehr Pressierte. Ich kame zufällig dort hin, weilen meine Schwester Margaretha im Thal (= Ebrenbreitstein) diente, und eben in dem Hause wo die mehresten Bildhauer in der Kost waren, welche an dem Schiff arbeiteten; nun hieß ich dann auch Bildhauer, ich kame also auch da in Arbeit Anno 1781.
Nun denke einer kein gelernter Bildhauer ware ich, kein ansehnliches Werkzeug hatte ich und was konnte ich verstenen, das zehnte was vorkahm zu machen, wußte ich kaum zu nennen, denn die antik Ziehrathen kamen dermal erst auf, auch sahe ich als ein Mann vom Lande, mit meinem sogenannten stroh Dach, und übriger Kleidung lang nicht einem Bildhauer ähnlich, zumalen weilen daselbst sich doch geübte und gereiste Bildhauer fanden, worunter einer war, welcher mich das Jahr zuvor als Weisbender zu Lag gesehen hatte, und zum Glück mich nicht recht mehr kannte, ich sagte ihm das wäre mein Bruder gewesen. Ich wundere mich noch der Kühnheit die ich hatte, mich unter solche Leut mit einer Arbeit zu wagen, allein was gab ich mier vor Mühe, die Arbeit die sie mier vorlegten wohl zu Wege zu bringen, wo ich denn Trutz das die andere Bildhauer über mich lachten, meine Arbeit richtig zu stande brachte, und durch meinen Fleiß und Rechtschaffenheit doch alles gut machte und mit Ehren da weg kam und in acht Wochen nebst der Beköstigung dennoch 60 Gulden nach Hause brachte.
Nun wurde ich als noch kühner in der Bildhauerarbeit, und nun reute es mich, daß ich Geheurathet sey erst recht und wäre sehr gern in die Welt gegangen.
Allein die Arbeit an dem Schiff gab mier auch einen Nachtruck in dem Ruhm zur Bildhauerarbeit, es rechte sich den darnach auch so viel Arbeit als ich thun konnte und lebte mit meiner Frau sehr in Zufriedenheit, ich hatte demnach allezeit Arbeit so viel ich thun kannte, und verdiente auch immer mehr als ich ausgab, weilen meine Frau auch eine sehr sparsame Haushälterinn ware.
Ich kame also so weit, daß ich mich erkühnte, mir eine Wohnung zu kaufen, wie ich dann meiner Schwiegereltern haus bey ihrem Leben kiefe Anno 1782 vor 140 Thaler Trierigen Kursch mit Vorbehalt ihrer Vohnung.
Nachden geriethe ich meinem Brauch nach immer was anderst zu treiben an die Feldmesserey. Die Ursache ware, man wollte behaupten, durch die damal hervorkommende Aufklärung der Religion würde die Kirchenverziehrungen in Bildern in Abgang kommen und ich denn ohne Verdienst sein könnte, auch glaubte man zufolge einer Landesverordnung Anno 1786 die Waldungen würden alle vermessen werden um dieselbe in Schläge abzutheilen und die Behölzigung dadurch Regelmäßiger zu bestimmen und den ruinierten Waldungen wiederum aufzuhelfen.
Wozu ich denn, wenn ich mich in der Feldmesserey bis zu dero Fähigkeit gebracht hätte, durch unseren damaligen Beamten Meesen leicht hatte befördert werden können, welcher mich denn auch sehr dazu aufmunterte. Nun gab ich mich frisch ans Studieren über die Feldmesserey und versäumte manch kostbaren Tag und Zeit damit, und thate mir schädliche Risse in meine Bildhauerey; weilen ich diese wie alle andere Wissenschaften ohne Lehrmeister lernen mußte, und hatte Niemand welchen ich in einem Zweifel fragen konnte. Denk sich einer was mich dieses alles vor Müh gekostet.
Ich hatte viele Umstände mit den Werkzeug, welches ich mir nicht kaufen konnte, weilen solche Sachen zu theuer für mich waren also mußte ich mir solche von Messing selbst machen, abändern und wieder machen, da wurden sie erst theuer und doch schlecht.
Ich hatte ferner viele Umstände, an der Regierung, ehe ich konnte ein Patent erhalten, wo ich bey Ingenieur Hauptmann Faber drey Examen, zwey geheime und ein öffentliches ausstehen mußte, welches mich jedesmal Geld kostete.
Nun ware ich ein Legalisierter Feldmesser und weiter nichts, denn der Verdienst worauf ich rechnete blieb aus.
Ich vermaß zwar Anno 1788 den Mayener Wald, wurde aber sehr schlecht davon bezahlt. Anno 1790 vermaß ich den Niekenicher Wald; die mit Ursach dazu ware, daß der Beamte Meeßen einen jungen Menschen van Gröf (= Cröv) bey sich hatte namens Reis welcher die Feldzesserey bey mir gern gelernt hätte und auch wirklich lernte.
Nun starb darüber der Beamte und mein Patron in der Feldmesserey ware weg.
Anno 1793 vermaß ich die Cochemer Gemeindewaldung und einige Privat Waldungen zu Laubach. Darüber brach der französische Revolutions Krieg aus; und unser Land wurde mit Franzosen überschwemmt, und so hörte alle meine Hoffnung zum ferneren Verdienst in aller meiner Wissenschaft genzlich auf.
Keine Arbeit, kein Geld, und ein Haus voller Kinder, meine mehreste Zeit mit Studieren verdäntelt; nun saß ich da, die Völker kamen Anno 1794 ins Land gestürmt, Einquartierung gabs, welchen man alle Kost geben mußte und sogar weilen die Franken das Religionssistem und Bilder vernichteten, so ware auch keine Hoffnung mehr, daß ich mein Lebtag meine sehr sauer errungene Bildhauerarbeit je wieder benutzen würde, ein Mann von 40 Jahren ware ich damal, nun ware es zu späte ein anderes Gewerb zu erlernen, zumalen da ich mich durch das viele lernen tief in meiner Denkkraft erschöpft hatte.
Mein Bruder Joseph den es eben so gieng, allein der ware dannoch ledig und hielt sich zu Andernach auf, kam heraus und beschwätzte mich zu Verfertigung der hölzernen Schuhen, die Ursach war, um der eingetretenen Kleinmüthigkeit zu steueren und ein Verdienst zu erhalten, da man glaubte die Franken würden das Land gänzlich so zerstören, das die Leute sich nicht einmal mehr lederne Schuhe würden anschaffen können. Andern Theils kamen verschiedene Franzosen unter den Soldaten welches von denen Holzschumacher waren, diese strichen das Holzschumachen nach ihrem Brauch so sehr aus, daß man geglaubt hätte, es wäre viel damit zu gewinnen; kurz ich und mein Bruder Joseph machten den Winter 1794 Holzschuh, kauften Hoz, schaften Tag und Nacht fleißig fort, verkiefen anfangs solche etliche, verborgten viele und die meisten blieben liegen. Der Winter gieng mit der größten Angst und beklommenen Herzen endlich vorüber, und es waren immr noch keine Hoffnungsaussichten vor meinen Unterhalt und Verdienst vorhanden, meine gute Frau hatte sich dermaßen darüber entsetzt und erschröcket, daß sie von da an anfieng zu Kränkeln bis zu ihrem Ende.
Da es nun kam bis in den Apriel da wurde ich und hiesiger Jodokus Kayser als Magazinaufseher, über die von den Hiesigen Amt und Munzipalität requirirte Brodfruchten, Mahlen und Backen zu lassen und unter die Soldaten gegen Scheine oder Bungs auszutheilen.
Die Munzipalität versprache uns einen ehrlichen Taglohn über diese Arbeit; allein ich bekam nichts als das Brod täglich gleich einem Soldaten.
Ich arbeitete an diesem Geschäft vier ganze Monath. Nun bezahlte mich der Kriegskomisär mit Asingnaten oder Papiergeld zwar auf den Augenblick als es nicht mehr viel galt; ich hatte also nicht zu meinem Lohne.
Wäre ich nicht zu furchtsam gewesen ich hette mir einen guten Lohn erbeuten können. Nach diesem als der neue Beamte Keiffenheim mich kennen lernte, gab er mich manche Untersuchungskomision in Amte wodurch ich denn etwas wenigs verdiente; dadurch kame ich in die Bekanntschaft mit den Ortbürgermeistern wodurch ich denn mehrere Gemeindsrechnungen zu machen bekam, wodurch ich denn etwas verdiente; allein durch die Zerrüttung der Gemeinde Einnahmen blieben mir wiederum fast der halbe Verdienst aus weilen man nach dem damaligen Französischen Recht keine Gemeinde verklagen konnte. Nun kam ich in das 1797 Jahr da wurde die Mädcherschul vakant in dem die Schullehrerinn Theodors alters und Unfähigkeitshalber abgehen mußte.
Da ich inzwischen in meinem Hause Prifat Schreib- und Rechenschul gehalten hatte, so gab es Bürger, welche mier die Schul wünschten aus Bedauerung meines durch den Krieg zerrütteten Nahrungsstand. Die mehresten Bürger wünschten mich auf die Schul zu kommen mit der Hoffnung, daß ich besseren Fleiß an die Belehrung ihrer Kinder wenden würde. Ich entschloß mich also die Mädchenschul anzunehmen; weilen ich keine Aussicht hatte mich in der Zukunft mit aller meiner so sauer errungenen Wissenshaft mich und meine Kinder mit Ehren durch zu bringen. Freylich ein beschwärliches bisgen halbsattes Brod, welches beym Anfang wieder vor mich ein hartes Studium war; denn ich konnte wohl Lesen und Schreiben, allein nicht nach der Regel, wie es ein Lehrer können sollte; und wenn meine Frau mit ihren zweyen Mädcher nicht wärent dem Kriege durch ihre Arbeit mit Nähen aller Art das ihrige mit beygetragen hätte, so wäre ich mit meinem Verdienst nicht in stande uns durchzubringen gewesen. Dieses Gewerb trieb sie also in der Schul noch fleißig fort, und dadurch kame ich denn endlich so weit, daß ich mit der Schul so zur Noth auskame ohne Schulden zu machen.
Allein sie ware in den letzten Jahren doch immer Kränklich durch den Schräcken des Kriegs, wo denn ferner die Kinder ihren Wünschen nicht entsprachen; denn in diesem Falle war sie sehr empfindlich und solcherley Vertrießlichkeiten waren ihr so unerträglich, daß sie endlich in ein Gallenfieber verfiel, und am 28ten October 1800 nachden dieselbe zehn Täg an Krank gelegen, aller angewendeter Hülf ungeachtet, fast in meinen Armen starb.
Sie wäre noch so gern eine Zeit bey ihren Kindern geblieben, sie ware damal noch nur 48 Jahr alt und die kleine Kinder hörten auf, und hätte doch bald einen ruhigen Tag hoffen können; allein sie war fort.
Sonst eine Frau, die von Jugent an der Ausstich von Wuchs unter den Mayener Mädcher ware, geschwind in ihrer Arbeit und von gesunder Eigenschaft, so daß sie bey neun überstandenen Kinderbetten nie eine fremde Hand an ihr Bett gelassen, und nie eine Krankheit darüber gehabt, sonst immer ein Muster des Fleißes, der Redlichkeit und ungeheuchelt Fromm, eußerst sparsam und in aller Weibsarbeit eine Meisterinn.
Ob sie nun keinen ausnehmenden hohen Verstand besaß, und ob sie schon nicht bey fremden Leuten gedient hatte; so ware sie nicht desto weniger in allen heuslichen Geschäften so wie ich sie brauchte, überflüßig geschickt und fleißig, ja wenn man sie noch je eine Minute hätte still halten sehen, wenn sie Arbeiten konnte.
Sie erzog ihre Kinder zu allen Fleiß, hielte selbe reinlich in allen Stücken, und beflisse sich nach allen Kräften in allen Nöthigem so wohl Leibs als der Seelen ihrer Kinder zu unterrichten.
Sie ware in ihrem Sistem der Sparsamkeit, so wie in ihren übrigen Eigenschaften manchmal ein wenig zu Leidenschaftlich, und daher schreibt sich auch aller mit ihr gehabten, zwar sehr unbedeutenden Zwist.
lch muß es selbst gestehen, daß ich ihr in gewissen Fällen, wo mir der Kopf voll Nachdenken über meine Nahrungsumstände waren, und ihr nicht im äuserlichen zuweilen Schmeichelhaft genug begegnete; daß ichs Ursach bin, daß sie daher zuweilen mich gleichgültig gegen sich hielt; allein dies war ihre einzige Schwachheit; und Gott sollte es wissen, ihr Irrthum.
Wer meine ganze Lage kennt, wird mir recht geben; und noch ist das süße Andenken jener gegen sie gehechte Liebe und Getreuheit, Willfährigkeit und ihr Erwiederung meines Gemüths fast beste Nahrung und Trost; und da ihr Verlust auch blos in dem Falle mich eusserst niederschlug, so hatte mich das Bewußtseyn, sie nicht getreu genug behandelt zu haben, ganz unterdrücken und von Leidwesen sterben lassen, wo ich ohne dieß mich nicht anderst fand, als wenn mein Leib und Herz von oben herab durchgespaltet, und ich halb mit ihr ins Grab gegangen wäre, ohne das Weh, welches ich in Rücksicht meiner nun mehre mutterlosen Kinder empfande, der tiefen Herzenstichen vergeß ich nie, die ich empfand, als sich die betrübte Kinder um das Todsbett ihrer lieben Mutter wehmütig und in bittere Zähren ausbrechend standen (, der tiefen Herzensstiche vergeß ich nie).
Ich ware vor meine Empfindung nur ein halber Mensch mehr, die Verpflegung dürftiger Kinder, Mutterlos; die nöthige Stütze meiner ohne das armer Haushaltung war ewig hin.
Kein süßerer Wunsch wäre damal vor mich gewesen, als mit ihr zu sterben, hätten mich meine arme verlassene Kinder nicht davan abgehalten, noch höre ich die Todes Glock leuten, jeder Schlag gehet mir durchs Herz, in Erinnerung jener Glockenschläge, welche meiner lieben Frauen Tod ankündigte, ich kann sagen, mein ganzes Herz hat sie mit sich ins Grab genommen; als nur den leidenthe Theil oder die schmerzliche Wunde, des abreisens derselbens ist mir übrig geblieben.
0 Tod, o strenges Wesen!
Mein Witdib Stand
Nun ware lch im betrübten Witdibtande und zugleich ware mir alle Freude, die man sich im Vertrauen des ehelichen Gesellschaft denket, eußerst verleidet. Wie ware es möglich je wieder durch einen Menschen den Ersatz dieses Verlustes zu erwarten?
Ich tröstete meine Kinder und munterte selbe auf nur der Haushaltung getreu zu seyn, zumal die Elteste, auf welche ich Rechnung machte sie würde in meiner Haushaltung sich so verhalten, daß ich an keine andere Haushelterinn bräuchte zu denken, aber! Aber! bey meinem eltesten Mädchen regte sich bald ein anderer Trieb wieder aufs neue und ich sahe ein, daß ich darauf keine Rechnung machen konnte, sondern daß ichs geschehen lassen mußte, daß selbiges sich an seynen Liebling verheurathete, und zwar an den Konrath Krämer einen Leyendecker, freylichein Mensch, welcher sowohl wie meine Tochter noch ein halbes Dutzend Jahr hätten warten können, ich aber sagte zu dem Mädchen, als ich sahe das es anderst nicht gieng, die Kinder können sich dem Vater nicht opfern und der Vater den Kindern auch nicht, sollte ich die Kinder von der Sache abhalten, wo sie ihre Zufriedenheit glauben zu finden und mir hernach Vorwurf zu machen, weilen meine Umstände so vermögent nicht waren, daß ich dadurch im anderen Falle meinen Kinder Unterstützung hätte leisten können, darum mußte ich meine elteste Tochter heurathen laßen, da sie Gelegenheit hatte. Ich konnte mich auch den Kindern ferner nicht opfern und nicht vor die Verpflegung meiner alten Tage sorgen.
Was half es mich um meiner seligen Frau zulieb in Einsankeit und Trauer mein Leben im Witwenstand zubringen wollen, ein Mann von 48 Jahren mit noch sechs unerzogenen Kindern sehet noch zu viel voraus wobey Hülfe und Unterstützung nöthig ist, ich mußte mich daher entschließen wieder zurück in den Ehestand einzugehen; aber eine Person zu finden, welche mir in meiner nunmehrige Lage paßte, ware wieder keine kleine Sorge, nemlich eine treue Mutter vor die Kinder, eine Haushälterinn in meine arme Haushaltung und zugleich eine Person welche die mir angemessene Jahr hatte, ware so leicht nicht zu finden, zwar an Vorschlägen fehlte es mier dennoch nicht, ich verviel also auf die Eva Catharina Knaufs eine Layendeckers Tochter welche denn auch von Leuten meiner Klasse abstammte, und in ihren hausdürftigen Wissenschaften zimmlich erzogen ware. Kurz wegen ihren Eigenschaften und Alter, welches 40 Jahr beynahe ware, mier unter allen am besten nach dem allgemeinen Beyfalle paßte, ich heurathete selbe also 1801 den 8ten Feber, nach dem drey Monathe zehn Täg die betrübte Bürde des Witwenstandes getragen hatte.
Meine Kinder
1. Apolonia geboren 1778 den 28ten Jenner starb den 18ten Feber nemlichen Jahres
2. Anna Maria geboren 1779 den 5ten August ware 1801 den 3ten Feber schon geheurathet
3. 1781 den 3ten September Karl Jakob starb 1783 den 22ten Jenner an den Kinderblattern
4. 1783 den 16ten November Anna Margaretha
5. 1786 den 20ten Jenner Johann Clemens
6. 1788 den 3ten Merz Karl Jakob
7. 1790 den 16ten May Johann Nebomuk Urban
8. 1792 den 24ten Feber Joseph. wurde 1813 den 27ten Apriel als kongribierter unter die Franzosen gezogen, und unter das 85 Regiment zu Fuß gestellt, wo er vermuthlich in der großen Völkerschlacht bey Leipzig in dem nemlichen Jahr geblieben ist.
9. 1794 den 4ten September Maria Anna.
Meine zweyte Heurath
Mit Eva Catharina geborene Knaufs, Tochter des Teodor Knauf Leyendecker und Barbara Nachtsheim von hier eine brave gutherzige Person, welche lange bey verschiedenen Herrschaften gedient hatte, auch meinen Kindern so getreu ware, als man es je einer Stiefzutter abfordern kann, sie sorgte für ihre Kleidung und Kost und Unterricht so gut sie konnte. Allein sie hatte sich in den Herren Häuser im Dienst sehr verdorben, wie es der gewöhnliche Fall ist, daß sie öfters Krank ware; ware im Nähen geschickt auch sonderbar im Bindhauben machen.
1802 den 15ten Dezember oder nach französischer Rechnung Anno 11 den 24ten Frimär ist unsere Tochter Christina Nachmittags drey Uhr auf die Welt geboren. Starb 1812 den 18ten August Morgens um zwey Uhr. Es ware weit über sein Alter im Lesen, Schreiben und Rechnen geschickt; bekam einen bösen Knieschwamm, woran es einige Jahre kränkelte und endlich starb.
1806 den 28ten Juni (Morgens 9 Uhr 15 Minuten) ist unser Peter Anton auf die Welt geboren. Welcher scheint ein gesunder Pursch zu werden hat ein ziemlich scharfes Gedächtnis in Lesen, wenn er nur auch braf wird.
Allein meine Frau starb 1812 (1813) den 27ten Merz, da dieselbe sieben Wochen an einer Leberentzündung Krank gelegen hatt, als eine fromme Christinn, als eine getreue Gattinn und sparsame Haushälterinn, wozu der Tod ihres Töchtergens des Christina vieles noch beygetragen haben; denn dadurch ware sie ganz untröstlich Niedergeschlagen; und ist möglich daß sie unbesonnener Weise ein Brechmittel genommen, wodurch sie ihr ohne daß geschwächtes Eingeweide ganz erschüttert, und wie oben gesagt an der Leberentzündung starb.
Die Geschichte meiner Kinder
Meine Tochter Anna Maria Heurathete Anno 1801 den 3ten Jenner den Leyendecker Konrath Krämer.
1801 den 4ten Dezember kam sein Sohn Heinrich auf die Velt.
1805 den 26ten Feber oder den 7ten Bluvius 13 Jahr kan seine Tochter Margaretha auf die Welt.
1807 den 29ten Merz Morgens 3 Uhr kan die Gertrude auf die Welt, starb 1809.
1809 den 8ten October Morgens halb drey Uhr ist sein Sohn Peter geboren.
1811 den 29ten November ist ihm eine Tochter Catharina geboren.
1814 den 20ten Apriel ist ihm ein Sohn namens Johann Nicklaus auf die Welt geboren.
1816 den 8ten Juni demselben einen Sohn Carl, starb 1817.
1817 den 10ten December gebare ihm eine Tochter Maria Teresia.
1820 den 17ten Juni gebar ihn eine Tochter Maria Anna.
1822 den 4ten October gebar ihm ein Sohn Urban, starb 1826, 18ten Feber.
1824 den 20ten August gebar ihm ein Sohn Gottfried starb am 26ten ditto.
Meine zweyte Tochter Anna Margaretha geboren 1783 den 16ten November, ware anfangs Kränklich, als sie erwachsen diente sie bey meiner Schwester Maria Anna Fellers im Thal (= Ebrenbreitstein )drey Jahr. Darüber starb meine zweyte Frau, und so führte sie mir die Haushaltung bis 1817 den 15ten Apriel wo sie den Caspar Luxem Steinhauer, Sohn des verlebten Johann Peter Luxem und Anna Simonis heurathete, Welcher geboren 1790 den 11ten November.
Seine Kinder:
1818 den 14ten Hornung Abends halb sechs gebar ihn eine Tochter namens Maria Anna.
1819 den 18ten August Morgens sieben Uhre gebar ihm eine Tochter namens Gertruda.
1821 den ..ten Merz gebar ihn eine Tochter namens Margaretha.
1822 den 12ten August gebar ihm eine Tochter namens Elisabetha.
1824 den 16ten May gebar ihm einen Sohn namens Johannes starb den anderen Tag.
1825 den 5ten October gebar ihn eine Tochter namens Johanna.
Mein Sohn Clemens geboren 1786 den 20ten Jenner lernte bey Johann Klee das Schreinerhandwerk fieng seine Lehre an 1802. Ich musste ihn hier halten wegen der Concribtion der Franzosen bis 1807 da er auf Trier in die Fremde reiste. Heurathete daselbsten 1809 den 14ten May die Susanna Walsdorf eine Fasbenderstochter.
Seine Kinder:
1809 den 6ten September gebar ihm eine Tochter Margaretha.
1811 den 9ten 7ten Merz gebar ihn eine Tochter Eva Catharina starb 1818 den 11ten Merz.
1812 den 12ten November gebar ihm ein Sohn namens Anton.
1815 den 4ten Feber gebar ihm eine Tochter namens Apolonia starb klein.
1816 den 8ten Apriel gebar ihn eine Tochter namens Angela.
1818 den 27ten Apriel gebar ihm eine Tochter namens Elisabetha.
1819 den l9ten September gebar ihm eine Tochter namens Catharina.
1821 den 12 September gebar ihm eine Tochter namens Clara.
1823 den 19ten Juli gebar ihn ein Sohn namens Heinrich.
1825 den 15ten September gebar ihm ein Sohn namens Carl.
1826 den 29ten Juni ein Sohn Peter Fransiscus.
Mein Sohn Carl war sehr fleißig in Schulwesen lernte nachgehens das Weisbenderhandwerk, als endlich der Präfekt Marnesi zu Coblenz eine Normalschul aufrichtete gieng er in dieselbe zwar ohne Kösten zwey Jahr lang; arbeitete bey hiesigem Empfänger Schneider als Schreiber über ein Jahr, darüber starb meine zweyte Frau. Er wurde Schullehrer zu Niedermendig ein Jahr, und weilen der Herr Pastor dem abgedankten Schullehrer die Cüsterey mit Bedauer seiner Frau und Kinder nicht abnehmen wollte, so gab mein Sohn die Schul auch auf, und zog nach Monreal auf die Schul.
Er heurathete daselbst 1817 den 28ten October die Maria Theresia Franzen, Tochter des Mathias Franzen ein Schmitt. Er ist geboren 1788 den 3ten Merz.
Seine Kinder:
1818 den 20ten September gebar ihm ein Sohn namens Heinrich.
1820 den 17ten November gebar ihn eine Tochter (........ ) welche ihm nach der Tauf starb.
1821 den 23ten September gebar ihm ein Sohn namens Urban.
1824 den 19ten Jenner gebar ihn einen Sohn namens Johannes.
1825 den 15ten September gebar ihm eine Tochter namens Margaretha, starb den 24ten Jenner 1826.
Mein Sohn Urban geboren 1790 den 16ten May, gieng in die französische Armee als Concribirter. Diente daselbst bis zum Frieden kam gesund als Sergant zurück nach fünf und ein halb Jahr wollte das Schreinerhandwerk lernen, lernte 11 Monat gieng ein fertel Jahr um ein Waldwärter zu werden mit den Jägern. Nun mußte er 11 Monat mit den Preusen als Landwehrmann in Frankreich ziehen, kam zurück und widmete sich bey mier zum Schulwesen über ein Jahr, wo ihn endlich der Bürgermeister Kleutchen als Schreiber annahm.1819 den 26ten Jenner verheurathete er sich mit der Gertruda Malser (Mauser?). Sie ist geboren 1789, und ein Uhrenkel des oben gemeldeten Johann Jakob Niederehe.
Dem Urban seine Kinder:
1819 den 21ten Juni gebar ihn eine Tochter Anna Maria.
1820 den 16ten November gebar ihm eine Tochter Margaretha starb klein.
1822 den 16ten Jenner gebar ihn ein Sohn namens Carl, starb.
1823 den 19ten September gebar ihm eine Tochter namens Maria Anna, starb in 8 Tägen.
1824 ein Sohn Philipp, starb klein.
1826 den 8ten Juli ein Sohn Henrich, starb klein.
Meine Tochter Maria Anna geboren 1794 den 4ten September Heurathete den Johann Philip Luxem Bruder des oben gemeldeten Caspar Luxem Anno 1817 den 28ten Jenner.
1817 den 28ten Apriel gebar sie eine Tochter Tod zur Welt.
1819 den 26ten Jenner gebar ihm eine Tochter namens Elisabetha.
1821 den 5ten Feber gebar dieselbe eine Tochter welche fast in der Geburt nach der Tauf starb.
1822 den 26ten Juli gebar dieselbe einen Sohn namens Urban.
1824 den 16ten September gebar dieselbe eine Tochter namens Margaretha.
Mein Sohn Anton aus der zweyten Ehe geboren 1806 den 28ten Juni studierte auf der Schullehrerey kam in das Schulgimnasium nach Brül anno 1822; blieb 20 Monat daselbsten, kam als Schulamtskandidat mit gutem Zeugnis und als der erste aus dem Coblenzer Bezierk zurück. Ubernahm 1825 den 12ten November den Knabenunterricht in dem Armenverein zu Coblenz, in den ehemaligen Franziskaner Kloster.
Fortsetzung der Geschichte in meinem
Schulwesen
Ich nahm die Schul 1797 in November an, weilen ich gar kein Verdienst hatte; doch glaubte ich, weilen ich in der selben manche Stunde übrig hätte, dazwischen noch etwas zu verdienen; allein die klobistischen Grundsätze giengen gar zu schnell in die Herzen des Volkes über als daß dasselbe an die Verziehrung der Kirchen und Gotteshäuser dachte, auch kostete die Kriegslieferungen, und die vielen Einquartierungen so viel Geld, daß nichts übrig blieb, an die Auferbäulichkeit der Religionszierte zu denken. Ich hatte also von dem Fach wovon ich sonsten meine Nahrung suchte, fast nichts zu verdienen, außer das ich die sieben Fussfälle in der Allee an der sant Veits Capell neu machte, welches von ein und andern frommen Leuten bestellt wurde, doch mit einem sehr bettelhaften Lohn, wie denn auch einige Umänderungen in unserer Pfarrkirch vorkamen, und dergleichen Kleinigkeiten mehr, welche mier nicht aushalfen, daß mein bisgen Schulenlohn meine einzige Nahrung war, meiner zahlbaren Schüler waren ungefähr 90, zahlte jedes das Jahr 24 Albus nebst 3 Malter Korn aus dem Hospithal für die armen Kinder.
Von der Gemeinde jährlich sieben, und von dem Hospithal Jährlich 19 Thaler. Mit diesem kümmerlichen Gehalte mußte ich mich und die Meinige durchbringen; denn worauf hätte ich Schulden machen können?
lch mußte die Schul in der ehemaligen stiftischen Kabittelhause halten, in einem sehr engen Raume, denn das Schulhaus lag voll kranken Franzosen, und wurde erst im Merz 1798 leer, ehe ich es beziehen konnte.
Ich lebte also in der Schul und konnte mich kaum (genug) gegen Feinde, Neider, und Verläumder schützen, doch brachte ich es soweit, daß ich in allen meinen Schulsachen niemalen weder bey der Geistlichen noch Weltlichen Obrigkeit konnte verklagt werden, allein ich blieb in gar zu grosser Dürftigkeit, wenn nicht meine selige Frau mit Führung der Nähschul guten Theils ausgeholfen hätte.
Endlich als der Prefeckt Schabban die Schulen untersuchte wo sich dann der Stadtrath schämte mit solchem armseligen Schulenlohn, vorzukommen bestimmte also das Schulgeld statt 24 Albus auf 36. Nachgehens als der Prefeckt Marnesi regierte trug er ernstlich darauf an, daß ein Schullehrer welcher alle seine Zeit auf sein Schulamt verwenden müßte, auch davon zu leben hette, und nicht außer der Schulzeit nöthig hette, Brod für sich und die Seinen kümmerlich zu erwerben, setzte dahero den Schulenlohn auf 500 Franken fest, und wieß die Gemeinden an, auch sogar im Nothfall aus den Kirchenrenten die Kösten zu bestreiten, und so kam ich denn endlich mit Hülf meiner Sparsankeit in etwa aus der größten Verlegenheit; und so lebte ich dem zwar undankbaren Schulgeschäfte mit anhaltendem Fleiße fort.
Da sich nun die Schulkinder über zweyhundert vermehrten, so wuchs etwas meinen Lohn an, auf der anderen Seite aber auch die beschwärlichen Geschäfte deswegen, und wenn ich nicht meine eigenen heranwachsende Kinder nicht mit zur Hülf genommen hette, so hette ich weit weniger in der Schul ausrichten können.
Meine Kinder aber verluhren sich nach und nach, wie oben gesagt, und da ein neues Schulhaus gebauet wurde, so bezog ich selbiges 1824 den Herbst für meine Person ganz allein.
Ich weiß noch nicht woher ich die große Gedult hergenommen, daß ich es bis hierhin in die 28 Jahr in der Schule habe halten können, doch ist es mein größter Vertruß, daß ich überhaupt den Kindern kein so gutmüthiges Herz und Gewinnung beybringen konnte, als ich gewünscht und gern gesehen hette.
Begebenheiten welche in meinem Zeitalter vorgefallen
1757 wurden zwey von den gewöhnlichen Feiertagen abgestellt, als der unschuldigen Kinder Tag und sant Silvesters Tag. Abergläubische Leute welche die Macht der Kirche nicht kannten, nahmen es Uebel, Faule hingegen, auch fleißige Arbeiter hatten Vergnügen daran.
Damal gieng der sogenannte siebenjährige Krieg an zwischen Preusen, Haus östreich und den Franzosen. Welche aber alles zahlten, eine schwäre französische Mehltransport, welche bezahlt worden, aber die Beamten gaben den Bauern nichts, wie es hieß, dießes hat das Land um sehr vieles geschadet, auch mußte das Land noch so viel Simpel als vorhien geben, weilen die Reichs Armee mit gegen die Preusen zu Felde stunden.
Allein der Kriegstiater war in Sachsen, Böhmen und Schlesingen aufgeschlagen, so hatten wir keine schräckbare Auftritt davon.
Geldverruf
Nach Endigung des Kriegs wurde das im Land rollierte Geld herunter gesetzt, die Reichsfürsten vereinigten sich einen Konfensionsgeldkursch zu bestimmen, und schlugen Konfensionsthaler welcher 36 Batzen gelden solte oder 7 Kopfstücke und einen Batzen, und die damals im Land rolliernt Kronenthaler welche 8 Kopfstück und 3 Albus gelden, sollten nur 36 Batzen gelden, hierbey waren die Holländer so klug und nahmen die Kronenthaler vollzählig an, dadurch flohen alle Kronenthaler aus dem Lande.
Dahero entstund Geldmangel im Lande indem es mit den übrigen Geldsorten eben so gieng, sogar die weisen Trierigen Pättermennschen wurden auf drey Flämmschen gesetzt, verluren also ein vertheil.
1767 und 1768 tragen die guten Fruchtjahr ein, das man vor 3 Thaler und noch Wohlfeiler ein Malter Korn kaufen konnte.
1770 wurden wieder einige Feiertage abgestellt, als Osterdienstag, Maytag, heilig Kreuztag, Pfingsdinstag, Vittustag, Jakob und Annatag, Matheus, heilig Kreuztag, Micheltag, Thomastag, Andrestag und Johannestag, in all 13 Täg. Da kamen die theuren Brodjahr, nemlich es entstand ein Miswachs, welches das ganze Teutschland quälte. Die kurtrierischen Landstände fanden es nöthig eine große Quandität Korn aus Pohlen kommen zu lassen, das Land gegen die trohende Hungersnoth zu schützen, das Korn wurde unter die Landeseinwohner auf Borg gegeben mit fünf jährigen Zahlungs Terminen mit Zinsen. Das Malter kam mit allem an achtzehn Thaler. Der Misswachs tauerte 1773.
Nachden ward es denn einiger Maßen still und ruhig bis 1779 wuchs ein Hauptwein, 1784 ward ein sehr hoher Schnee und große Kelt das der Schnee drey Schuh hoch auf den flachen Feld gelegen, daß von Clemenstag bis Mathiastag Mosel und Rhein zugefrohren waren.
Da gieng das Wetter dermassen ab, dag es Dörfer und Städte am Gewässer sehr beschädigte, und die Moselbrück bis auf ein Schuh nah ausgefüllet worden.
1785 trat die Revolution in Holland ein, und wir lebten in Kriegsangst, wo denn gleich ein Türkenkrieg, zwischen Rußland, dem Haus östreich gegen die Türken entstand, in welcher Zeit Kayser Joseph starb.
Die christliche Armeen hatten die Türken sehr in die Enge getrieben, da wurde Braband gegen den Kayser rebellisch, die Geistlichen schlugen mit zu der Rebëllen; die Ursache davon war das Kayser Joseph mit Religionsaufklärungen anfangen wollte; und einige neugebackene Profeßores auf die brabandische Universitäten schickte, welches den alten brabandischen Gelehrten nicht behagen wollte.
Kaiser Leopolt war gezwungen, mit den Türken Friede zu machen, wier hatten dabey (weiter) nichts als einen einzigen Durchzug Reuter 1786, welche nach Braband gieng. Die Revolution in Braband wurde beygelegt. Allein in Frankreich gieng das aufrurs Feuer gleich darauf an. 1790 gerieth alles in Frankreich schon ins Lermen.
1791 wurde der Adel und mehrere Geistliche aus Frankreich gejagt und entwichen also über 80.000 Mann, Theils in Italien, Theils in Teutschland. Wir hatten hier sechs bis siebenhundert Mann derselben, welche beynah dreyfertel Jahr vor ihr Geld zehrten und lebten, einige sehr verschwenderisch, bis die preußische Armee kam und trieb sie weg. Unser Land hatte eine große Menge Geld van denselben gelöset, ja zu Coblenz ließ man sich von einer Nacht auf Stroh zu Schlafen 27 Albus zahlen, und so weiter.
1792 Brache der Krieg völlig aus, und der König von Preußen kam den Kayserlichen auf ein vieles Bitten des französischen Adels mit 60.000 Mann über Coblenz heraus zu Hülfe, Ruckte in Frankreich ein, wurde aber von dem französischen Volke mit großem Schaden zurückgeschlagen, und kamen um Allerheiligen einige Truppen davon sehr elend zugerichtet hierdurch.
1793 wurden die Franzosen zurückgeschlagen kamen aber 1794 mit desto größerer Macht zurück, nahmen Trier ein und überfielen unser Land. Nun ware unser aller Muth aufeinzal niedergeschlagen.
Im October kamen sie hierhin und lagen 11 Monath hier. Man mußte ihnen alles geben Frucht, Schlachtvieh, Pferde, sogar Hemder und Schuh. Sie nahmen zwar nichts, man mußte es ihnen gutwillig bringen, und was sie kauften, kauften sie für Papiergeld oder Asingnaten, welches sie unter Todesstraf befahlen zu lösen, welches sie nachgehens selbst verriefen. Nach 11 Monathen als sie hier lagen trungen sie über den Rhein, wurden zwar den nemlichen Herbst zurückgeschlagen, allein sie bemächtigten sich unseres Landes, schmolzen die Obrigkeitliche Verfassungen um, machten Maygerien und Friedensrichter, hoben Anno 1802 Klöster und Stifter auf, verkauften Klöster und Klöstergüter, verkauften Stiftsgüter, alle Kammeralgüter, Höffe und Müllen, zogen dafür eine grobe Geldsumme.
1801 Erhoben sich in unserem Lande so viele Feldmäuse, daß sie die Früchten auf dem Feld verzehrten und daß das Malter Korn von fünf bis 14 Thaler stieg. Inzwischen erhob sich der General Boneparte zum Oberconsul und nachgehens zum Kayser der Franzosen, wir waren also auch Franzosen, denn alle Geistliche (= gerichtliche) und öffentliche Verhandlungen mußten in französischer Sprach geschrieben werden, welches uns als geborene Deutsche nicht wenig Kummer machte.
Als hernach der französische Kayser Nabolium Boneparte mit Oestreich, Preußen und Rußland schwäre Krieg führte, wo endlich 1813 die drey Mächte zusammenstunden, und jagten die Franzosen mit ihre Kayser über den Rhein bis nach Paris.
Wo wir inzwischen von den teutschen Völkern bey ihren hin und her Marsch, sonderbar von den rußigen Kusacken vieles zu leiden hatten, wurden endlich Anno 1815 oder 1816 den preußigen Staat zugetheilt, unter dem Namen Herzogthum Niederrhein, wobey wir nebst unsern gewöhnlichen schwären Abgaben, auch noch eine neue aufgekommene Gewerbsteuer, auch noch eine Klassensteuer zahlen müßen.
So einstweilen.
Nachtrag zu den französischen Zeiten
Noch zu den Begebenheiten meines Zeitalters gehört folgendes: Als Napoleum Boneparte französischer Kayser wurde. Die Franzosen hatten vorhin ihr Jahr im Herbste angefangen, und 12 Monat Jeden zu 30 Täg gezehlt, da fielen am Ende 5 und ihren Schaltjahr 6 Täg übrig. Sie nachten den zehnten Tag zum Sonntag und nannten ihn Decat.
Dieses gab uns Teutschen manche Verstöhrung in unserer Zeitrechnung. Auch ware kein Religionssistem mehr vorhanden, Jeder that was er wollte, und außer der Kirche durften keine Religionscermonien erscheinen, sogar wenn der Priester zu einem Kranken gieng und die heilige Spezies in einer dazu bestimmten Tasche trug, woran ein seidener Quast hieng, welcher über die Schultern hieng, und also sichtbar war, dargegen murrten sie stark, viel weniger daß er mit Priesterlichen Kirchenkleidungen über die Strass gehen durfte.
Sobald wie Napoleon Kayser wurde führte er mit Uebereinkunft des Pabstes die alte christliche Zeitrechnung wieder ein, und so wurden alle noch übrige Feiertäge abgesetzt, außer Christag, Christi Himmelfahrt, Maria Himmelfahrt und Allerheiligentag, Neujahrstag aber als ein Volksfest gefeiert, aber ohne Kirchencermonien.
Napoleon bestimmte die katholische Religion als die herschende im ganzen Lande.
Obzwar wir zwischendurch unsere Religion in der Kirch fortwärent ausübten.
Da wir nun unter die preusische Regierung fielen ungefähr 1814 und nachher verschiedene protestandische Ofizianten hier her kamen, so bildeten sie ungefähr Anno 1822 eine protestandische Gemeinde, mietheten sich auf dem kurfürstlichen Schloße in dem noch übergebliebenen Gebäude den Heustall zu ihrem Bethaus und hiengen eine Glocke dahin.
Fortsetzung meines Schulwesens
Als nun erkannt wurde, daß das Schulhalten in meinem 74 Jährigen Alter für mich beschwärlich sein müsse, setzten mich die Gemeinde=Verwaltung mit 50 Thaler jährlich in die Ruhe; also hörte mein Schulamt 1826 den 30ten Aprile auf. Und wurde durch zwey Lehrerinnen, als Margaretha Kaifen und Gertrud Schmalz ersetzet.
Anhang
Famillen Begebenheiten
des
Henricks Alken
von
Mayen*
*Abschrift einer warscheinlich älteren Niederschrift
Anno 1777 den 21ten Apriel Habe lch den H. Ehestand angetreten mit der Jungfer Maria Gertruda Newingers, Churfürstlichen Trierischen rewir Jäger und der Anna Maria Newingers gebohrne Fingstens von Mayen eheliche Tochter; ich bin gebohren den 15ten Februar 1753 und ware im 25ten Jahre dann; 1752 den 15ten August ist sie zu Mayen wie ich gebohren. Gott gebe uns seinen Segen hier un dewig und auf allen Wegen.
1tes Kind
1778 den 28ten Januar Morgens um 3/4 nach 12 Uhr ist unsere Tochter Maria Apolonia auf die Welt gebohren; sein petter ist Carl Newinger seyn Großvater, sein Gottchen Apolonia Alkens sein Großmutter. Starb den 18ten Februar 1778.
2tes Kind
1779 den 5ten August ist unsere Dochter Anna Maria auf die Welt gebohren Nachts um 3/4 nach 10 Uhr; sein petter ist Joseph Alken mein Bruder; sein Gottchen ist Anna Maria Newingers seine Großmutter
3tes Kind
1781 den 3ten September Abends um 3/4 nach 9 Uhr ist unser Sohn Carl Jakob auf die Welt gebohren; seyn Petter ist seyn Groß Vater Carl Newinger; seyn Gottchen ist meine alste Schwester Margaretha Alken. starb 1783 den 22ten Jenner abends 3/4 nach 7 Uhr an den poken.
4tes Kind
1783 den 16ten November Morgens um 3/4 nach 7 Uhr ist unsere Tochter Anna Margaretha auf die Welt gebohren; seyn petter ist Niklas Newinger mein Schwager; sein Göttchen ist Margaretha meine älteste Schwester.
5tes Kind
1786 den 20ten Jenner abends 1/4 vor 11 Uhr ist unser Sohn Clemens auf die Welt gebohren; seyn Petter ist Johann Clemens chuch zeitlicher Custor in hiesiger pfarr und Stifts Kirch, seyn göttchen ist Maria Catharina Himmes meines Bruders Michels Braut.
6tes Kind
1788 den 3ten Merz Morgens um 3 und 1/2 vierdel vor neun (8.52h) ist unser Sohn Carl Jakob auf die Welt gebohren; seyn Petter ist Karl Meurer schuhmacher, ist mit meiner Frau im zweiten grad verwand, seyn gottchen ist meine Schwester Elisabetha Alkens, Gott gebe ihn Glück und Segen und auf allen Wegen, Amen.
7tes Kind
1790 den 16ten May Morgens 3 1/4 vierdel nach 6 Uhr (6. 49h) ist unser Sohn Johannes Nebemuzemus Urbanus auf die Welt gebohren; seyn Petter ist der Herr Urbanus Meesen damahliger Gerichtsscheften hier zu Mayen, er hat kein Gottchen. Gott gebe ihn zeitliche und ewige Vohlfahrt.
8tes Kind
1792 den 24ten Feber am Schaltag nachmittags um 3 Uhr ist unser Sohn Joseph auf die Welt geboren; sein Petter ist Joseph Alken mein Bruder, er hat keine göttchen, Gott gebe ihm zeitliche und ewige Wohlfart.
9tes Kind
1794 den 4ten September Morgens um halb 2 Uhr ist unsere Dochter Maria Anna auf die Welt gebohren; sein gotchen ist meine Jüngste Schwester, sein petter ist meines Schwagers Sohn Henrich Newinger, Gott gebe ihr zeitliches und ewiges Heil.
Meine Dochter heuerrath
Anno 1801 den 3ten Februare Verheurathete sich meine Dochter Anna Maria mit dem Konrad Krämer als derselbe 20 Jahr 6 Monat alt ware, ein Leyendecker von hier, Sohn des Jakob Krämer und Margaretha Treisers beyde van hier.
Meine 2ter heuerrath
Anno 1801 den 8ten Februar trate ich zum 2ten mahl den H. Ehestand an mit der Jungfer Eva Catherina Knaufs Dochter des abgelebten Teodor Knauf und der Barbara Nachtsheims von hier in ihrem 39ten Jahre ihres Alters, den 1762 den 8ten Juli ist sie gebohren, ihr petter Jakob Müller, ihr gottchen Eva Catharina Meurers, beide von Hier, Helf uns Gott.
10tes Kind
den 24ten Frimair am 11 Jahr der Franken oder 1802 den 15ten December in 2ten Ehe ist unsre Dochter Christina auf die Welt gebohren seyn Gottchen ist Christina Alkens meines Bruders Joseph Frau zu Andernach, sein Petter ist mein Bruder Michel, Gott helfe ihr und uns; starb den 18ten August 1812 Morgens 2 Uhr.
11tes Kind
1806 den 28ten Juni Morgens 9 Uhr 15 Minuten ist unser Sohn Anton zur Welt gebohren; seyn Petter ist mein Schwager Anton Knauf, seyn Gotchen Catharina Dams meiner Schwiegermutter Schwester Dochter.
Die Maaß wein gald 36 stüber, das Malter Korn 8 rT kollnich.
A n r e d e,
welche
Schullehrer Heinrich Alken
an seine Schülerinnen gehalten, nachdem er seit Anno 1797 den 6ten Dezember bis Anno 1826 den 30ten April in der Gemeinde Mayen als Lehrer der weiblichen Jugend vorgestanden und also zu seinen Schülerinnen folgende Abschiedsrede gehalten*
*(Niedergeschrieben van Maria Anna Kopsin; dat: Mayen, den 20. April 1826)
Nun ihr, meine liebe Schülerinnen, nahet sich der Zeitpunkt, daß wir uns scheiden, und ich euch verlassen werde. lch muß Euch hierbey austrücklich melden, daß ich darüber einestheils eine große Freude empfinde, inden ich überzeugt bin, daß es manche unter euch gibt, welche die so sehr wohlgemeinte Lehre, welche ich euch unter mancherley Vorstellung gegeben, inden ich dadurch suchte, ein gutmüthiges menschenfreundliches Herz und Gemüth einzupflanzen; allein da ich sehe und erfahre, daß mein Fleiß und angewendete Mühe nicht fruchten will, daß sehr viele unter euch die wohlgemeinten Lehren nicht nur nicht angenommen, sondern durch muthwillig unsittliches Betragen, auch hie und da eure Nebenschülerinnen an der schuldigen Aufmerksamkeit zu zerstören und zu verhindern gesucht. Sollte es mich nicht freuen, von so einem so unaufmerksamen Volke weg-zukommen, was diejenigen sich darüber einstens werden vorzuwerfen haben, wird sich unausbleiblich finden.
Zwar in gewissem Betracht habe ich leider mir selbst hierüber in diesem Falle Vorwürfe zu machen, indem ich solche Klasse Kinder zu gering behandelt und ihre Fehler nicht nach Verschulden strenge genug bestrafte. Allein als ich den unverständigen Kabritz mancher Eltern, welche ihre Kinder mit Affenliebe liebten (welche ihre Jungen aus Liebe zu Todt drücken) kannte, welches also eine Ursache war der gelinden Behandlung um mir ein und anderes unvernünftige, boshafte weit vom Halse zu halten.
Jene Schülerinnen zwar, welche Talent und guthen Willen haben, den heilsamen Schulunterricht zu benutzen, allein manche Eltern geben den Kindern entweder aus Geiz oder aus einem unrechten Begriff, welchen sie aus den heilsamen Schulunterricht machen, keine Zeit, die Schul gehörig zu benutzen. Was solche Eltern einstens bey den strengen Weltrichter antworten werden, werden sie zusehen. Zwar bedaure solche Kinder sehr, daß ich sehen mußte, daß solche Kinder ihr Talent und guten Willen, der Geitze, der Dummheit ihrer Eltern opfern müssen. Was kann ich aber nun anders thun, als mit mitleidigen wehemütigen Seufzen die bedaurungswürdige Kinder zu verlassen.
Jene Schülerinnen aber, welche sich beym Schulunterrichte, fleißig und aufmerksam betragen, und ihr Talent mit gutem Willen begleiten und den Schulunterricht mit möglicher Gelehrigkeit zu fassen suchen und übrigens sich während der Schul- und Unterrichtszeit stille und eingezogen betragen haben, daß ich diese nun bald werde verlassen, kann bey mir nicht ohne bittere und wehmüthige Empfindung abgehen; inden ich euch ohne zu heucheln bekenne, daß ich euch so nachtrücklich liebe, als ein natürlicher Vater seine Kinder liebt, und in gewissen betracht auch mehr. Gleich wie einstens der große Alexander sprach: Mein Vater hat mich zwar mit Ehren auf die Welt gebracht, meine Lehrer aber haben mein ehrbares Fortkommen der Welt besorget.
Also nun, meine lieben Schülerinnen (oder nach der Sprache meines Herzens) meine lieben Kinder, da ich euch nun seit unseres Beysammenseyns so vieles gesagt, um es euch unvergeßlich zu machen, Schreiben lassen, wie ihr euch gegen den allgegenwärtigen allmächtigen und allgütigen Gott, eurem einzigen Wohltäter, wie ihr euch gegen euch selbst in Rücksicht euer Leibs- und Seelenheil zu betragen.
Ferner, wie ihr euch gegen euren Mitmenschen in betreff seines leiblichen und geistlichen Nutzens betragen sollet, dieses schrenkt sich in die kurzen Worte ein: thue jeden wie du selbst gerne gethan hättest. Beobachte diese wenige Worte und suchest in allen euren Handlungen in Erfüllung zu bringen.
Es scheint mir nun in gewissen Betracht überflüssig zu seyn, nun noch vieles von Religion und Sitten mit euch zu sprechen, indem mein Lehramt bey euch über kurzen aufhören wird, ich weis euch dieses Falles zurück an vielfältige treuherzige Ermahnungen, welche ich euch gegeben, an die vielen Schriften, welche ich euch vorgesagt und Schreiben lassen, welche auf nichts anderes als auf Kenntnisse und Ausübung der wahren Religion mit derselben aufs Strengste verbunden guten Sitten Bezug hatte.
Eins zwar kann ich euch nicht tringent genugsam anempfehlen, daß ihr euch in die Zukunft euer bisherige fehlerhafte Schulbetragen zu verbessern sucht, daß ihr den Schulunterricht für das betrachtet, was derselbe auch in seiner Eigenschaft ist, nemlich eine Gnadengabe des Himmels, daß ihr euch nicht weniger gegen eure künftige Lehrerinnen ehrerbietig mit liebevollen Gehorsam betragen sollet, daß ihr dieselben nicht anders betrachtet als eine von der ewigen Vorsehung über euch gesetzte Lehrerin, welche bestimmt ist, christliche Kinder zu bilden.
Folgsam seyd ihr derselben alles zu leisten schuldig, was Gott unser Herr euch in Betreff euren Eltern abfordert zu leisten. Da sich seit einiger Zeit manches in allerhand Fällen geändert, vielleicht auch gebessert, wenigstens hier und da in äusserlichen verschönert hat, so ist es auch leicht möglich, daß durch die Ersetzung einer neuen Lehrerin auch neue und wohlgefällische Lehren und Wissenschaften beyzubringen suchet, welche weit besser auf eure nunmehr angenommene äuberliche Schönheitssitten anpassen.
Man hat euch bisher wichtige Grundsätze über Reigion und Sitten beizubringen gesucht, wenn dieselben nun mit Verbesserungen und Verschönerung begleidet werden, desto schöner vielleicht auch besser wird es für Euch seyn. Ich wiederhole zwar sehr tringent (vielleicht doch bey manchen vergebens), daß ihr euch in die Zukunft gegen neue Lehrerinnen auf das ehrerbietigste, gehorsamste mit aufrichtiger Liebe betragen möget. Betrachtet dabey, welchen schweren Last dieselben wegen euch sich afgeladen, um euch die Wissenschafte beyzubringen. Denket an die grosse Unbilligkeit, welche ihr also begehet, wenn ihr durch ungezogenes unsittliches Betragen, durch Unaufmerksamkeit beym Unterrichte die treuherzige Lehre so viel wie verachtet und dadurch dem ohne daß sehr schweren Last durch neuen Muthwillen noch mehr erschweret und verbitteret.
Ich zwar stelle mich in Betreff des vergangenen mit euch in ein Verhältnis und mache drey Classen.
Die erste Classe erfreuet sich, daß sie meiner nun bald los werden, weilen sie in die Zukunft Verbesserung, wenigstens Verschönerung, erwarten. Ich meinerseits freue mich sehr, daß ich jene, welchen ich nach ihren Kabrietze nicht genug thun konnte, dieselbe nun verlassen.
Mit der zweyten Classe gehe ich in Verhältnis, nemlich jene welche ihr Talent und guten Willen ohne auszubilden desselben dem Geitze dem Kabritze ihrer Eltern aufopfern müssen, mit diesen theile ich bedauern ihren Wehmut.
Die dritte Classe also stehen sittlicher Weise mit mir in Verhaltnis, jene also welche sich beflissen haben, den so nützlichen Schulunterricht in der Meinung suchten zu fassen, mit welcher guten Herzensmeinung ich dieselbe euch gegeben habe, bey diesem wird die nunmehrige Trennung eine wechselseitige Betrübnis erregen, welche eine natürliche Sache ist: das wahre und gute Freunde sich nicht ohne Wehmut von einander trennen können und dieses ist auch hier der Fall. Dennoch wird es mich in der Seele freuen, wenn ich in die Zukunft hören und sehen werde, daß ihr den in der Schulen gelegten Grund zur religiösen Sittlichkeit in eurem künftigen Lebenswandel getreulich fortsetzen werdet. Wie wird es mich freuen, wenn ich erfahren werde, daß aus meinen Schülerinnen gutgesittete, ehrbare und wahrhaft tugendsame Weibsbilder geworden sein werden.
Sonderbar jene unter euch welche gestern am 16. April mit einem Eide Gott dein Herrn als unsern liebreichen Vater und der katholischen Kirche unserer gütigen Mutter alle Treue, Liebe und Gehorsam zu leisten geschworet habet und also Tischgenossen das erste Mal zu den göttlichen Liebesmahl zugelassen wurdet, und euch also wesentlich mit Gott und unseren Heilande und Herrn Jesu Christi vereinigt habet, wie billig ist es demgemessen, daß ihr auch die Gesinnung in allen euren Handlungen unseres Heilandes als unsern göttlichen Lehrer auf das Liebeifrigte als getreue Jüngerinnen befolget.
Denket an die so treuherzige Ermahnung, welche euch der würdige Herr Seelversorger gegeben hat, und suchet dieselbe auf das strengste zu befolgen.
Indem es nun nach und nach an die Zeit kommt, daß ihr in die große Menschengesellschaft eintreten werdet, wo unzählige Fallstricke euch geleget werden, eure Tugend und Unschuld zu verlieren. Was habt ihr anderes für Mittel und Waffen gegen solche Feinde eurer Seelen zu kämpfen und der betrohenden Gefahr zu entkommen, als die erlernte Grundsätze der Religion und mit derselben verbundenen Sittlichkeit.
Bewaffnet euch (wie der große Weltapostel schreibt) mit dem Schilde des Glaubens an die göttliche Wahrheit, daß Gott euch allzeit gegenwärtig sey, auf welche Güte ihr euer Vertrauen setzen könnt und sollt. Die Liebe, welche ihr zu Gott empfindet, wird euch gegen alle Gefahren zu fallen nach den Verhältnisse eurer Liebe zu Gott schützen. Z.B. je größer eure Liebe zu Gott ist, je größere Gefahren, ihn zu beleidigen, werdet ihr leichter überwinden.
Nun also meine lieben Schülerinnen, da ich nun in die acht und zwanzig Jahr mit euch und den vorherigen Schülerinnen, auch gar mit meheren Müttern unter euch als Lehrer umgegangen bin. So ist es hiebey keine Frage, daß wir untereinander immerhin schwache und gebrächliche Menschen sind, wo also mancher einschleichen konnte, ich zwar hebe hiermit die etwan gegen mich begangene theils eingebildete oder würkliche Beleidigungen gänzlich Auf und Schreibe sie in die Vergessenheit.
Da es auch sehr leicht möglich ist, daß ein und anders unter euch oder euren Vorfahren von mir glaubt beleidigt geworden zu seyn, so schäme ich mich nicht, als ein aufrichtiger Christ um Verzeihung und Vergebung zu bitten und zugleich die Barnhertzigkeit bitten, er wolle uns alle verzeihen.
Ob ich mir nun keinen beträchtlichen Vorwurf zu machen weiß in meinem Lehrante große Fehler begangen zu haben, denn mein Gewissen giebt mir Zeugniss, daß ich immer in meinem gegebenen Unterrichte den besten guten Willen hatte, wobey es mein ernstlicher Wunsch ware, meine Schülerinnen mögten mit dem nämlichen guten Willen und Aufmerksamkeit die Lehren fassen, behalten und in der Folge in Ausübung zu bringen suchen.
Beim Antritte meines Lehramtes ware es meine Willensmeinung, eine merkliche Sittenverbesserung unter die weibliche Jugend zu bringen, allein es ware bey manchen meinen Schülerinnen eitle Luftschlösser.
Nachher lernte ich in diesen Falle meine Schwäche und die Unbeugsankeit mancher Herzen unter meien Schülerinnen mehr und mehr kennen, wodurch ich nun endlich überhaupt zu reden mit nicht geringer Mißmuth mein Lehramt aufgebe.
Es ist der Gebrauch, wenn Freunde von einander scheiden, daß sie sich unter verschiedenen Liebeszeichen sich einander für die Zukunft nach dem Maße wie sich liebend, Glück wünschen.
So ist es nun auch zwischen mir und euch, da wir uns nun bald trennen werden, der Fall.
Ich wünsche allen meinen lieben Freundinnen alles mögliche Glück, sowohl bey euren künftigen Schulbesuch, daß ihr denselben in der Folge zu eurem Besten Nutzen und Vortheil anwenden möget.
Ich wünsche also Jene Eltern, welche hie und da die Nothwendigkeit des Schulunterrichtes verkannt und zum Schaden ihrer Kinder vernachlässiget daß dieselbe fernerhin sich besser ihrer Pflicht getreu seyn mögten und euch alle meine lieben Schülerinnen, ihr mögtet bei euren künftigen Schulbesuch euren werthesten Lehrerinnen ihren ohne des schweren Stand nicht durch Ungezogenheit und Unaufmerksankeit nicht noch mehr erschweren, sondern dieselbe durch eure Liebe und Gehorsam erfreuen und ihre große Mühe dadurch zu erleichtern suchen. Kurz alles, was ich euch als euer aufrichtiger Herzensfreund euch Gutes zu wünschen vermag, wünsche ich euch aus liebendem Herzensgrund und bitte Gott den Herrn, er wolle euch durch seine Gnade verleihen, meine Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen, daß mein dermaliger trauriger Abschied von euch in der Folge erfreuet werden mögen.
Lebet also wohl unter dem Schutz des Allmächtigen, gütigen über alles liebenswürdigen lieben Gott den Vater, Sohn und heiligen Geist. Amen.
Verbleib der bekannten Werke von Heinrich Alken
Mayen, Pfarrkirche St. Clemens
Kreuzigungsgruppe, Karfreitagskreuz (Nachbildung Pappmachè), Maria Immaculata, St. Josef, St. Katharina, St. Matthias, St. Michael, St. Severin, St. Johannes Nepomuk, St. Wendelinus;
Mayen, Eifeler Landschaftsmuseum
Fugfälle van St. Veit, Christuskopf, Engelkopf, St. Johannes Nepomuk, Kaminaufsatz Pappmachè, ölbild St. Johannes Jünger, Ansicht von Mayen (Federzeichnung 1779), Ansicht von Mayen (Aquarell 1780 Kopie), ebendort auch Fotosamlung;
Mayen, Bücherei des Geschichts- und Altertumsvereines
Studienskizzen (öl und Kreide);
Mayen, Familie Schneible
Maria Verkündigung (ölbild), Hauscrucifix;
Mayen, Fridolin Hörter
Studienskizzen;
Nitztal, Kapelle St. Rochus / St. Sebastian
St. Lucia, St. Rochus, St. Maternus, St. Sebastlan, Vesperbild;
Reudelsterz, Kapelle St. Bartholamäus
St. Nikolaus, St. Antonius;
St. Johann, Pfarrkirche St. Johann Bapt.
St. Johannes Nepomuk, St. Anna, Kreuze der Seitenaltäre, Petrus und Magdalena (Relief an den Beichtstühlen), Auge Gottes (Türtympanon);
St. Johann, Friedhof
Missionskreuz
Monreal, Pfarrkirche St. Crucis
St. Sylvester, St. Severus;
Eich, Pfarrkirche St. Katharina
St. Benedikt, St. Scholastika, St. Quirinus, St. Marzellus, St. Rochus, St. Laurentius;
Mertloch, Pfarrkirche St. Gangolf
Vesperbild, St. Nikolaus, St. Agatha;
Boos, Pfarrkirche St. Bartholomäus
Seitenaltäre;
Heidenburg (Hunsrück), Kirche
Seitenaltäre;
Brachtendorf, Kirche
Holzaltar;
Alflen, Pfarrkirche St. Johann Bapt.
Innenausmalung einschl. Deckengemälde;
Köln, Familie.Schüller (Verbleib heute unbekannt)
Selbstpartrait und Portrait der Ehehfrau Gertrud Nebinger (beides ölbilder);