St Johann
In der Pfarkirche in St.Johann halfen die Gebrüder Heinrich und Michael Alken bei der Austaltung mit .
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In
1776 erlernte Michael Alken bei Meister Görg Schneider das Schreinerhandwerk.
Von 1780-83 war er in Mainz. Hier übte er sich fleißig im Zeigne; eine große
Anzahl Zeignungen aus seiner Mainzer Zeit befinden sich im Museum. Nach Mayen
zurückgekehrt, machte er sich selbständig. Schon 1758-88 fertigte er die
ganze Inneneinrichtung der neuen Kirche in St. Johann bei Mayen, Altäre,
Kanzel,
Beichtstühle und Orgelbrüstung. Sein ältere Bruder Heinrich Alken machte die
Bildhauerarbeiten und sein jüngere Bruder Josef die Polychromierung oder wie
es in die Rechnung heisst, "Illuminierung"
Heinrich Lenz schrieb in: Eifelkalender 1939, Aachen 1938, S.52ff) Für die 1784 im Stile Ludwigs XVI. Erbaute Kirche des Bürresheimschen Dorfes St. Johann, an deren inneren ausschmuckung der Bruder Michael Alken hervorragend beteiligt war, meiselte er das Auge Gottes über der Eingangstür und schnitßte zwie reliefbilder in Rundform (Büßende Magdalena und Petrus mit Hahn und Schlüssel) als verzierung der Beichtstühle; dazu zwei Figuren, Johannes Nepomuk und hl. Anna mit Maria
Im Jahre 1965 bei der Renovierung der Kirche wurde die Aufsätze entfernt vom damaligen Pfarrer entfernt. Ebenfals die schöne kanzel wurde entfernt und verbrannt. Die Aufsätze der Reliefs konnten damals durch Zufall von den Flammen bewahrt werden und Heinrich Ackermann sorgte dafür, das die Aufsätze ins Museum nach Mayen
Robert Degen aus Nitztal, ein heimicher Künstler war bereit die fehlenden Aufsatz zu erstellen und die vorhandenen zu reparieren. In über 200 arbeitsstunden entstanden aus Meisterhand die neue Aufsätze. Die Reliefs wurde von Heinrich Ackerman wider zur Verfügung gestelt und von Robert Degen fachgerecht wider eingebaut
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Aufnahme Straeter 1984 |
Aufnahme Straeter 1984 |
Wertfolle Reliefs eingebaut
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Die büßende Magdalena
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Der heiligen Petrus mit Hahn
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St. Johannes Nepomuk |
Kreuz |
St. Anna |
Die St.Johanner Kirchenrechnung vom Jahre 1785 erzählt daß "an meister Alken
für oben auf das Portal verfertigten Aug. Gottes 7 rthlr
(1)8 alb. auszahlt
worden." Dieses in Sandstein gearbeitete Auge Gottes ist heute noch über dem
Haupteingange an der Westseite der Kirche zu sehen.
Aufträge für die
innere Ausstattung der Kirche erhielt nicht Heinrich sondern sein Brunder, der
Baumeister (Vgl. über ihn und seine für die St. Johanner Kirche angefertigten
Arbeiten meinen oben erwähnten Aufsatz in dem Hefte „Mayen und das Maifeld.“)
Michael Alken, der schon damals als Zeichner und Erbauer von Altären,
Beichtstühlen, Kanzeln im Kreise Mayen und darüber hinaus einen guten Namen
besaß. Für die St. Johanner Kirche hatte Michael Alken die beiden Nebenältäre,
die Kanzel sowie die beiden Beichtstühle zu liefern. Diese Beichtstühle
tragen über den Eingangstüren runde geschnitzte Reliefbilder, von denen das
eine die büßende Magdalena, das andere den hl. Petrus mit Hahn und
Himmelschlüssel darstellt. Diese beiden Reliefbilder sind von Heinrich Alken
geschnitzt worden wie folgende vorgefundene Quittung bestätigt:" Das von
Kirchenmeister zu St. Johann vor die 2 Bilder in die Aufsätze deren
beichtstühle fünf reichtstaler kölnisch empfangen habe wird hiermit
beschienen. St. Johann den 5. Juli 1789. Heinrich Alken von Mayen." Da Michel
Alken selbst nicht schnitzte, so ist als sicher an zunehmen, daß an allen von
Michel Alken gelieferten oben genannten Gegenständen die Schnitzarbeiten von
Heinrich Alken ausgeführt wurde. Im folgenden Jahre 1790 schnitzte er dann
noch für die Seitenaltäre 2 kleine noch heute vorhandene Kruzifixe, worüber
sich folgender Beleg fand. "Daß Meister Alken Bilder-Hauer zu Mayen an
versamlten send für 2 crucifix Bilder für auf die neben altär aufs das
genaueste verairordiet bezahlet worden 3 rthl. welche drei rthl. richtig
empfangen wird anmit qauittirend beschienen. S.Johan 20 Jan-1790 bekamen
Heinrich Alken"
Die Kirche in St. Johann bei Mayen
Und ihre innere Ausschmückung durch Mayener Meister
(Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmahpflege und Heimatschutz
Jahrgang 15. heft 2/3 ausgegeben Ende Januar 1922)
Von Dr. Friedrich Born
Wer von Mayen aus seinen Weg durch das herrliche Nettetal nimmt and kurz hinter Reiffs-Mühle die rechts liegende höhe erklimmt, gelangt auf langsam ansteigende Waldwegeb mit prächtigen Durchblicken schlieslich zu de mam fusse des Hochsimmers liegende Dorfe St. Johann. Die Bewohner dieses Dorfes, das früheren Zeiten den Herren von Bürresheim unterstand, sahen sich im ausgehenden 18 Jahrhundert genötigt, an Stelle des alten baufälligen Kirchleins ein neues Gotteshaus zu errichten. Diese in den Jahre 1784/85 erbaute Pfarrkirche ist heute noch im Außenbau und in der inneren Einrichtung, die sie damals erhielt, gut erhalten. Handelt es sich bei dieser Bau auch nu rum eine bescheidene kleine Dorfskirche, so lohnt sich trotzdem ihr besug aus verschiedene Gründen. Einmal ist diese kirche recht geschickt und hübsch dem Dorfbilde eingefügt worden, was vor allenm ein Blick von der gegenüberliegende höhen auf St. Johann lehrt. Sodann aber besitzen wir in dieser Kirche eines der wenigen (1) Gotteshäuser im Stile des Louis seize, über dessen Baugeschichte und innere Einrichtung wir auf Grund schriftlicher Urkunden und Belege gut unterrichtet sind (2) . Da 1784 im benachtbarten Mayen kein baumeister zu finden war, den man mit dem entwurfe eines Baurisses und der selbständigen Leitung des Bauees hätte betrauen können, so wandte sich der St. Johanner Pfarrer Senftleben zwecks Anfertigung der Baurisse an der Hofwerkmeister Michael Wirt in Ehrenbreitstein(3) Wie aus die Angaben der St. Johanner Kirchenrechnung 1784/85 hervorgeht, hat Michael Wirth als “ Baudirector der neuen Pfarrkirch vermög seines accords” im ganßen für seine Tätigkeit 147 rthlr, erhalten. Unter seiner Oberleitung schritt der Bau, den er in der Hauptsache durch Mayener Handwerker ausfürhen ließ, rüßtig voran. Nach der erwähnten Kirchenrechnung erhielten von den Mayener Handswerkleuten u.a. der Mauerermeister Heins für Mauer- und Weißbenderarbeiten 1387 rthlr.; “ die zimmerleuth Henrich und otharius Rosenbaum 610 rthlr.’ Der Schlossermeister Nikolas Geyer für 4480 geliefertses Eisen 280 rthlr. Und für das Turmkrues 22 rthlr., Anton Luxem für Steinhauerarbeiten etwa 300 rthlr., der Glasermeister Matthias Kretzer zuf. 57 rthlr., hiervon 9 rthlr. für die Sakristeifenster, ferner Johannes Bauer blechschläger zu Mayen für den Knopf auf dem Thurm 6 rthlr.”, der “vergulder Josef Alken für den Knopf und Hahnen zu vergulden und das Kreuz in Eisenfarb anzustreichen 11 rthlr, 18 alb.” Und das von einem “ sturm wint vom thurm herunter geworfene zu reparieren 8 rthlr. “, Ferner Jak. Kremer von Mayen und Ignatius Bracht Leyendecker von Koblenz zuf. 455 rthlr. und schlieslich der Mayener Schreinemeister Görg Schneider für die Kirche- (4) und Sakristeitüren 26 rthlr. Am 30 August 1784 konnte bereits die feierliche Grundsteinlegung in St. Johann vorgenomen werden, worüber das folgende Protocol im St. Johanner Pfarrerarchiv ausführlich und anschaulich berichtet:
Protocollum
Über den unterm 30 ten August 1784 vorgenommenen act der Legung des ersten Steines zu dem neuen Pfarrkirchen zu St. Joan:
Actum St. Joan d. 30 ten August 1784
Heut dato wurde in dem neuen Pfarrkirchen Bau zu St. Joan, welcher meistentheils auf Kosten der Pfarrkirch selbsten, außer einem von dem Collegiat Stift zu St. Florin in Koblenz pro rata des jährlichen Zehuten gethanen Beytrag, geführet worden, der sogenannte erste Stein (Lapis primaris) unter nachtstehenden Ceremonien und Formalitäten Vormittags gegen 11 Uhren gelegt.-
Es begaben sich nemlich Sr. Excellenz Franz Ludwig Freyherr von Breidbach, Herr zu Bürresheim, Sr Churfürstl. Durchlt. Zu Trier geheimder Rath und Obrisst Kämmerer, auch Sr. Churfürstl Gnaden zu Mainz geheimer Rath und Burggraf zu Starkenburg, Oberamtmann in der Bergstraß, Amtmann zu Koblenz und Ehrenbreitstein, des hohen St. Michaels Orden Groß Kreuz Herr, auch des Kayzerl. „ Königl.“ St. Josephs Ordens Ritter, und der freyen Reichs Ritterschaft am Nieder Rhein Rath p.p mit Hoch dero Frau Gemahlin gebohrenen Gräfin Walderdorff Isenburg in einem sechsspännigen von dem Schloß Bürresheim abgefahrenen Wagen auf obengemelten Bauplatz, nach Hochderen Ankunft sodann der Sollene actus von dem hierzu laut Erßbischöflicher Confession eigends commitirten Hn Landdechanten des Ochtendunger Landcapitels und Pastorn zu Monreal mit names Erasmus Hurth in Anwesenheit mehrer dabey versammelten Personen von hohen adelstand wie auch deren benachbarten Hn. Pastorn und andere sowohl Geist als weltlichen Hernn, sodann einer zahlreichen zuschauende menge Volks vorgenommen und erstlich der zubereitete Stein mit der Rituali enthaltenen form benediciret und eingesegnet, welches in einer Chorkapp, sodann in Zustand zweyer ministranten in Leviten verrichtet wurde; demnächst wurde der länglicht viereckige und ausgehöhlte Stein, welcher von solcher Grösse ist, das ein Mann denselben ohne sonderliche Beschwerde aufheben konte, auf die in der Mauer, nemlich in der Eck zur Rechten Hand des Eingangs durch die große Kirchen Thür ungefähr 6 Schuhe ober der Erde gelassene Platz hingelegt und in dessen Höhlung wurde ferner eine darin passende Platte von Layenstein gelegt, worauf folgende Inschrift zum denkmale eingestochen (5) ist:
Pio Secto Summo Pontefice, Josepho II, Imperatore. Clemente Wenceslao Archi Episcopo et Electore Trevirensi Francisco Ludovico L.B. de Breidbach, Domini territoriali in Bürresheim ac Patrono collatore huius Parochiae, dilectissima eius Conjuge Maria Anna Comitissa de Waldendorff-Isenburg, Thodoro Senftleben Curatore aarum, Friderico Jomes Satrapa Ditionis: haec Sacra Domus Deo Optimo Maximo et in honorem S.Joannis Bapt. Aedificabatur Et hic lapis primarius tertio Kalendras Septembris MDCCLXXXIV per Decanum curialis Capituli Ochtentunggensis et Parochum in Monreal Erasmus Hurth cum Licentia Archiepiscoplali Solenniter ponebatur
Vorstehende Inschrift wurde auch zuvor denen Anwesenden vorgelesen und sogar in Deutscher Sprache von benannten Hn. Landdechanten verständlich gemacht. Auf vorgemelte platte wurden ferner zwey Bouteilger, wofon eine mit weißen, die andere aber mit rothen weine angefüllt ware, gestellet, wie auch folgende Geld=Münzen, nemlich eine unter der Regierung des Churfursten und Erzbischofen von Trier Clemens Wenceslaus geprägte Dukat, ein Conventions Thaler in dem Werth von 36 Batzen ein Sechsbätzner und ein Dreybätzner, sodann eine silberne Denk Münze vom Pabst Pius VI. Hinzugelegt. Nachdem nun all obiges verrichtet, und der Stein mit den Deckelverschlossen und zugedeckt ware, hat mehrbenannte Solemnisirender Land Dechant die ihme von dem Maurermeister Heins dargereichte schaufel ergriffen, mit derselben die von Kalch und Sand angemachte Speiß auf den Stein geworfen, und mit dem Mauer Hammer zu dreymalen darauf geschlagen. Deisem nach traten Se. Eycellenz Herr Obrist Kämmerer Freyherr von Breidbach, Herr zu Bürresheim herbey, legten ebenfalls eine schaufel voll Speiß auf die gemelte Platz mit Dreymaligen Hammer=streich auf den Deckel des Steins. Letzeres hat sodann auch Se. Excellenz gebohrene Gräfin von Waldendorff Venburg als die frau Gemahlin des Freyherrn von Breidbach zu Bürresheim, die Stifts Dame Gräfin Sophia von Renesse, der Herr Graf von Elz, Churmainzischer geheimmerrath und Obriststallmeijster, der Freiherr von Cloth, Chur Mainzischer Oberjägermeister,Herr von Rumlingen Churfürstl. Treirischer Kammerjunker und Hauptman einer Grenadier Compagnie, der Freyherr von Trautenberg Churfürstl Treirischer Kammerherr und Hauptman einer Fusillier Compagnie, Hr Pastor Senftleben von St. Joon, die beide Ministranten, nemlich Hr. Pastor Haudt von Reiden und Hr. Menges, Pastor zu Kichesch , der Bürresheimische Amtman Jomes. Hr Molitor Stiftsdechant zu Mayen, HR Camp, Camerarius des Pellenzer Tractus und Pastor zu Obermendig, Hr. Betzing Pastor zu Ettringen, Hr Collet Canonicus des Stifts zu Mayen, Hr Custor Vicarius daselbsten, Hr. Cramer Chori Socius, Hr. Lenz Kaplan der Pfarrey zu Monreal, Hr. Kisgen Fruhmesser zu Rieden, Hr Zeininger Fruhmesser zu Kempenich, Pater Veremundus Moser ordinis S. Francisci et Concianatorin Tractus Pellentiae, Hr. Meesen Amtsverwalter zu Mayen, Hr Michael Wirth Churfürstl. - Trierischer - Hofwerkmeister und Baudirektor dieser neuen Pfarrkirche, Hr. Zueng Gerichtschreiber und Scheffen zu Mayen, Hr. Fransquin Dhomkapitularisch- und Freiherrl.- Von Warsbergischer Vogt zu Ober- und Niedermendig, der herrschaitl. Schultheiß Dahm zu Waldesch und zuletzt die Sendscheffen Willelm Müller, Peter Daub, Simon Spizley von St. Joan, und Johann Daub von Zitz Bürresheim verrichtet.Diesemnächts wurde ein feyerliches Meß Amt unter eine Zelte gehalte, und nach dessen Vollendung ein herrliches Mittagmal (6) unter einer andere großen Zelte, so nebendem Kirchenbau aufgeschlagengewesen, mit 26 gedecken auf freywille Kosten Sr. Excellenx gnädigen Landsherrn eingenommen, auch sofort dieser Tag nebst eine Recreation deren Mauermeister und Gesellen, sodann sämtlicher Gemeindsleute von Tt. Joan unter mehrmaligen Abfeuern deren Scheißhaken und wiederholten Vivat rufens feyerlichte beschlossen worden ist.
In Fidem
Jomes, Amtmann. m.pr
Sobald der einfache Außenbau (vgl. Abb 45) fertiggestellt war, dessen Längseite in 3 Abstufungen nach der Sakristei hin abfällt, ging man daran, die Kirche im Innern auszuschmucken. Befor wir in sie eintreten, betrachten wir noch die hübsche, aus Basaltlava gefertigte Umrahmung (7), welche das Hauptportal an der Westseite umgibt. Der saalartige Innenraum, einschiffig, mit flacher Decke und sich anschließendem Chore, hinterläßt trotz stilwidriger Bemalungen des 19. Jahrhunderts und trotz mehrerer „moderner“ Heiligenfiguren einen geschlossenen, wohltuenden Eindruck, der besonders auf die schönen, stilgemaßen Ausstatungsstücke der Kirche, von denen im folgenden zu sprechen sein wird, zurückzuführen ist. Der Hauptaltar wurde von der herrschaftlichen Familie Breidbach zu Bürresheim gestiftet und von dem „ herrschaftl. Schreiner Johannes Gregoruis Jar (8)“ angefertigt. Dieser Altar, einfagh im Aufbau, mit Rokoko- und Louis- seize Verzierungen geschmuckt und von einem prâchtigen Kruzifixus barocken Charakters überragt, ist heute noch vorhanden. Nicht lange nach der Anfertigung des Hauptaltares, am 16.X.1785, wurde die Kirche vom Landdechanten Hurth in Monreal feierlicht eingeweiht und im Anschlusse an die kirchliche Feier „sofort nach der Einsegnung ein herrliches Mittagsmahl in dem Pharrhaus gehalten, wozu die gdige Herrschaft ein halb ohm guten Weines gegeben hat (9).“ In folgende Monaten ging man daran, die noch fehlenden Ausstattungsstücke in Auftrag zu geben. So übertrug man die Kanzel und die beide Beichtstühle dem Mayener Schreiner und spâteren Baumeister Michael Alken. Dieser war ein bruder des Mayener Bildhauers Heinrich Alken, hatte von 1781 – 83 in Mainz gearbeitet und entfaltete dann später in Mayen und seiner nâheren und weiteren Umgebung zunächts als Schreiner, zuletzt als Baumeister eine rege Tätigkeit bis zu seinen Tode 1827 (10). Wie die Kirchenrechnung vom Jahre 1785/86 erzählt, „ sind dem schreinermeister Michal Alken zu Meyen zwey beichtstühl ad 80 rthlr. Und eine neue Kantzel ad 80 rthlr. Sa 160 rthlr veraccordiert worden.“ Nach der noch vorhandenen Quitung von 15.8.1788 hat Alken im ganzen für die Kantzel und die beide beichtstühle 167 rthlr. 18 alb. Erhalten. Der von Alken angefertigte Entwurf zu diser Kanzel befindet sich im eifelvereinsmuseum auf der Genovevaburg zu Mayen (vgl. Abb. 46). Die nach diesem Entwurfe ausgeführte Kanzel, die heute noch in alle Teilen gut erhalten ist, zeigt einige unbedeutende Abweichungen von Entwurfe. Die Kanzel kann, wie Abb 47 lehrt, in ihrer geschickten Verbindung von Barocken Elementen (vgl. Die geschwungene Linie des Predigtstuhles, die Voluten) mit Verzierungseigentümlichkeiten des klassizitischen Stiles, der Eierstäben, Perlschnüren, Lorbeerkränzen usw. Alsrecht gefällig bezeignet werden. Besonders hübsch erscheint uns der Schalldeckel, der von dem Lamme Gottes, das auf der Bibel ruhend über den Wolken schwebt, gekrönt wird. Der wohltuende Gesamteindruck dieser schönen Kanzel wird noch gesteigert durch die alte, prächtige Bemalung, Versilberung und Vergoldung mit entsprechenden Lasuren. Fast die gesamten Vergoldungen und Bemalungen an den verschiedenen Gegenständen im Innern der Kirche sind von Michael Alkens jüngerem bruder Joseph, der in Mayen bis 1794 als Vergolder tätig war und dann nach Andernach (11) verzog, ausgeführt worden. Uber die Vergoldung der Kanzel und einiger andere Ausrüstungsstücke gibt uns das folgendes Protocoll einer anschaulichen Bericht, der uns zudem auch lehrt, welch großen Wert diese Zeit des sterbenden Rokoko noch auf die Bemalungen und Vergoldungen von Holzgeschnißten Kunstgegenstände legte. „Dem Joseph Alken vergulder zu Meyen“, heißt es in dem „Extract aus Sendprotokoll vom 10 April 1787“, „ sind die neue Kanzel, Communicantenbank, Gallerie auf dem Mannhaus (12) und die Säulen sambt dem Gesimbst folgender Maaßen veraccordirt worden: daß er 1. die an der Kanzel Zeirathen vergulden, die Cortinen grün über silber lasiren, die Wolken versilberen mit dem Lamm und dann den hl. Geist alabastiren solle. 2tens hätte er zierathen an der Communicanten zu vergulden, wie auch an der Gallrie auf dem Mannhauz, das übrige in holzfarbe zu feßen, und alles was zerbrochen, anwiederum zu ergänzen. Dafur solle er empfangen auf drey terminen, erster zwar bey anpfang der arbeit, 2ter wan die arbeit fertig, die 3te Martini die Summam gelds ab 95 rthlr.“ Eine von Jos. Alken am 11.11.1787 eigenhändig geschriebene Quittung erzählt, daß ihm dem Akkord entsprechend alles ausbezahlt worden sei. Da Jos. Alken diese Arbeiten zur Zufriedenheit des Sends oder Kirchenvorstandes ausgeführt hatte, wurden ihm am 23.8.1789 die inzwischen von M. Alken fertiggestelten beiden Beichtstühle (13) (Abb. 48) veraccordirt, „ daß er selbige in natürlicher Holzfarb mit gutem glanzfernis darüber, die Bilder aber in Weißen Marmor, und die Lorbeerkränz, so die Bilder einfaßet, vergulten, wie aucg die blumen pötger seyen zu vergulten, meisterhaft machen solle wofür er empfangen solle p. Jeden stuhl 14 rthlr.“ Wenn wir diese von Michael Alken entworfenen und ausgeführten hübschen Beichtstühle erwähnen, dürfen wir nicht die höchst sauber ausgeführten Schnitzarbeiten außer acht lassen, die, wie wir bestimmt annehmen, hier und an der Kanzel nicht von Michael Alken, sondern von seinen älteren Bruder Heinrich Alken, dem Bildhauer stammen. Dieser hatte auch die in dem vorstehende Protocol erwähnten beide Reliefbilder (14) an den Beichstühlen geschnitz, von denen eine die Büßende Magdalena, das andere den hl. Pertus mit Hahn und Himmelsschlussel darstellt. Leider wird duch eine spätere Übermalung der Genuß dieser Arbeiten etwas beeinträchtigt. Nachdem nunmehr die wichtigsten Ausstattungsstücke für die Kirche beschafft waren, bestellte man zuleßt die beiden Nebenalätare, welche gleichfalls heute noch vorhanden sind. Dieser Altäre, ganz schlicht im Aufbau, sind ebenfalls von Michael Alken entworfen worden und, nachdem der versammelte Send noch einege Ausstellungen gemacht hatte, ihm am 15.8.1788, wie das vorhandene Protocol berichtet, „für 135 rthlr. Veraccordiert“ worden. In einer Quittung vom 23.8.1789 bestätigt dan M.Alken mit seiner Unterschrift, daß ihm die summe richtig gezahlt worden sei. Die Bemalung der beiden Altäre übertrug man in dem bereits erwähnten Protokolle von 23.8.1788 dem Vergolder Jos. Alken, aus daß er „ alle geschnittenen zierrathenvergulten, den Kern teils in weißen Marmor, teils in ein anderen, wie es sicham füglichsten schickt, einsetzen solle. Er soll für einen Altar in Sa. Bekommen 55 rthlt.“ Fur diese Altäre schnitzte der Bildhauer Hinrich Alken (15) zwei kleine hübsche Kruzixixe, die in der Nische des Tabernakels stehen sollten und heute noch vorhanden sind.
Wer von den Besuchern der Kirche an einem der beide Nebenaltäre steht, darf nicht versaumen, von dort aus den Blick zu wenden nach der Emporkirche, dem Ducksal (16) oder Mannhaus ( vgl. Abb 49), das von 2 schlanken Holzsäulen mit jonischem Kapitell getragen wird, welche auf steinernen Postamenten (17) stehen. Auf diesen Säulen ruhen der schmale Architrav mit anschliesendem glattem Friese, der nach oben durch ein hübsch profiliertes Gefirms mit Zahnschnitten abgeschlossen wird. Diese aus Holz verfertigten Teile, dazu das hölzerne Bröstungsgitter mit prächtigem Holzgitterwek sind von Michael Alken ausgeführt (18) worden. Das auch der Entwurf von ihm herrührt, dürfen wir bestimmt annehmen; denn während seines Aufenthaltes in Mainz hatte er die verschiedenen antiken Säulenornungen kennengelernt und auf besonderen Blättern (19) in sauberen Zeignung festgehalten. Die hübschen Bänke der Kirche sind in Stile nach einige Jahrzehnte älter. Das wird uns bestätigt durch eine Notiz des Pharrers Braeming in seinen oben erwähnten Kirchenlagerbuche vom Jahre 1847, wo es heißt: „ Die jetznoch vorhandenen Kirchenstühle stammen z.T 13 Stück , aus der alten Kirche (1764 angefertigt), z.T. wurden sie 1786 auf rechnung der Kirche angefertigt (20),“ Außer den alten Kirchenbänken wurden auch noch die beiden von Lehfeldt erwähnten schönen Grabsteine des 16. Jahrhunderts mit den stehenden Gestalten des Hernn vonBreidbach uns seiner Gattin in die neue Kirche überführt und damals (1785) in die Südwand eingelassen, da sie nach einem worte des damaligen Pfarrers Senftleben, welcher der Versetzung der grafsteine zugeschaut hatte, lange genug nach dem Mayener Walde gesehen hätte und jetz mal nach dem Hochsimmer schauen könnten (21). Hoffen wir, das sie weiterhin in und mit der Kirche , in der sie nun stehen, noch viele Jahrhunderte überdauern. Leider scheint nicht allen Gotteshäusern aus der Zeit des Louis seize ein so glückliches Los wie der St. Johanner Kirche beschieden gewesen zu sein. So ist z. B. Die Kirche in Phaffendorf a. Rh., für die gleichfalls der Baumeister Wirth 1784 die Risse angefertigt hatte (22), vor etwa 20 Jahren abgebrochen worden, und von ihrer inneren Ausstatung ist nichts mehr vorhanden.
1. Als die
bekanntesten Beispiele für größere Kirchen aus der zeit des Louis seize
gelten die große Klosterkirche zu Wiblingen bei Ulm und, was die innere
Austattung anbetrifft, die Klosterkirche zu Salemam Bodemsee
2. Die St. Johanner Kirche findet sich kurz erwähnt bei Dehio, Handbuch
der deutschen Kunstdenkmäler, Bd. Iv, und bei Lehfeldt, die Bau- und
Kunstdenkmäler des Reg. Bez. Coblenz. Die von mir in folgenden
mitgeteilten urkundlichen Belege enstammen sämtlich dem Pfarrarchive in
St.Johann, dessen Benutzung Herr Pfarrer Schnit in zuvorkommender Wiese
gestattete, wofür ihm nochmals herzlich gedankt sei.
3. Über den Baumeister Wirth, der sich von einfachen Zimmerman zum
Werkmeister und schließlich zelbständigen Architekten emporgearbeitet
hatte, und der längere Zeit der Gehgilfe des bekannten kurtrierischen
Hofbaumeister Johannes Seiz in Ehrenbreitstein gewesen war, hat uns Karl
Lohmeyer manch wissenswertes mitgeteilt in dem Buche über Johannes Seiz,
Heidelberg 1914, und in der Schrift übr „Barocke Kunst und Künstler in
Ehrenbreitstein“, 1919.
4. Die recht schadthafte Tür zum Haupteingang an der Westzeite der
Kirche mußte vor kurzem durch eine neue ersetz werden, die der
Kunstlicher Fridolin Hörter in Mayen mit richtigen Stilgefühl
geschmackvoll anfertigte. (note von Nico Alken: Fridolin Hörter ist ein
Nachkommen der Bildhauer Heinrich Alken)
5. Vgl. Hierzu die St. Johanner Kirchenrechnung 1784/85, wo es heißt : „
Der Bildhauwer Alken eine rechnung überbracht wegen eingravierung der
buchstaben auf der tafel, so in dem ersten stein eingelegt worden 3
rthlr. 18 alb.“
6. Vlg. Hierzu auch die Notiz des damaligen Pastors Senftleben,
widergegeben von Pfarrer Braemig in seinem 1847 begonnenen
Kirchenlagerbuche, wo es heißt:Zum Zeichen, „ daß die Feierlichkeit mit
aller guter Laune von Sr. Excellenz gnädigem Hernn abgelossen seye,
haben hochdieselben aus vorgekommen propos erlaubt, daß Herr Pastor
Betzing von Ettringen die ganze Gesellschaft mit mehreren Krügen
Dählwein 1779er regaliert hat, welchen Dählwein durch einen herrschaftl.
Bedienten nahmens Wilhelm obre auf herrschaftl. Befehl abgenommen
worden, auf einen Tisch gelegt, sodann mit Brevier unterleget worden.“
7. Das im Giebelfelde der Umrahmung angebrachte Auge Gottes stammt von
Mayener Bildhauer Heinrich Alken, der nach der Kirchenrechnung vom Jahre
1784 hierfür 7 rthlr. 8 alb erhielt.
8. Vgl.die Kirchenrechnung 1784/85: „dem herrschaftl. Schreinermeister
Joes Gregorius Jar, daß er den hohen altar auf herrschaftl. Kosten
gemacht, für Ihn und seine Gesellen, auch dem Vergulder, ein trink geld
gegeben worden 14 rthlr. 36 alb. Vgl.hierzu die Bemerk. Des St. Johanner
Pfarrers Braeming, der in dem bereits erwähnten Kirchenlagerbuche von
Jahre 1847 unter Benutzung einer heute nicht mehr vorhanden Notizdes
damailigen Pfarrer Senftleben sagt: „ Nur einen Teil des hohen altar
ließHerr von Breidenbach in Coblenz machen.“ Danach scheint der
Schreinermeister Jar, der Verfertiger des Hochaltars, aus Koblenz
gewesen zu sein. Die an dem Hochaltar angebrachten Schwenenden Putten
stammen dem Stile nach von dem Mayener Bildhauer Heinrich Alken
9. Bericht des damaligen Pfarrers von St. Johann, Senftleben,
wiedergegeben von Parre Braemig im angeführten Kirchenlagerbuche 1847.
Die Originalschrift Senftlebens war nicht mehr vorhanden.Vgl. ferner die
St. Johanner Kirchenrechnung 1784/85 : „ für das eßen auf 33 personen
rechne mit aufgegangenen wein, so nebst von gdger Herrschaft zu diesem
tractament ggd geschenkter halb ohm wein gedrunken worden 22 rthlr.“
Sowie : „ die frembte schulmeister bey dem heisigen wirth verzehrt 3
rthlr.“
10. Das Leben und Wirken von M.Alkens sowie das seiner kunstfertigen
Brüder Heinrich und Joseph, von denen der eine als Bildhauer, der andere
als Vergolder sich einen Namen machte, soll demnächtst veröffentlich
werden.
11. Frdl. Mitteluch des Archivars Weidenbach in Andernach.
12. Emporkirche
13. Der von M. Alken angefertigte entwurf im Eifelvereinsmuseum in Mayen
zeigt nur wenige Abweichungen.
14. Die von Heinrich Alken unterzeichnete Quitung vom 5 Juli 1789
besagt, daß er „vor die 2 bilder in die aufsätz deren beichtstühl vünf
reichstaler Kölnisch erhalten habe“.
15. Die von Heinrich Alken unterzeichnete Empfangsbestätigung von
20.1.1790 lautet: daß Meister Alken Bilder Hauwer zu Mayen an versamlten
send für 2 Kruzifix Bilder für auf die Neben altar auf das genaueste
veraccordirt bezahlet worden 3 rthlr, welche drey rthlr richtig
emphangen wird anmit quittirend beschienen.“
16. Die heute nicht mehr gebräuchliche Bezeigenung Ducksal für
Emporkirche oder Mannhaus findet sich im Grimmischen Wörterbuche, das
jedoch eine Erklärung des wortes nicht bringt. Das word ist aller
Wahrscheinlichkeit nach, worauf mich Herr Prof. Renard hinwies, eine
volkstümliche Verdeutschung des mittelat. Dozale, eine Bezeignung für
Lettner und Orgelbühne. ( Vgl. Hierzu Kirchliches Handlexikon, München,
und Spemanns Kunstlexicon.)
17. Vgl. Hierzu die Kirchenrechnung 1784/85: „ Anton Luxem steinhauer
unter den Säulen unter dem mannhauß zwey postamenter mit eiem Sockel und
runden geschaft 10 rthlr..“
18. Vgl. Hierzu die Kirchenrechnung 1785/86: „ dem schreinermeister
Michael Alken von Mayen für die Säulen unter dem Mannhaus und zwey
postimenten unter die Epitphien 9 rthlr. 18 alb.; ferner berichtet eine
von Alken ausgestellte Quittung von 1787: „ Ein gefömß an den Duchsahl
gemacht, komt der macherlohn samt aufslagen 10 rthlr. 36 alb.;“ Ferner:
„ Das gedästel an de Duksahlön mit alle gesömßleisten 3 rthlr. 9 alb
(Mit gedästel wird wohl das verästelte Gitter gemeint sein.) Ferner: „
Hölzerne grakstein welliche gemacht worden seint an das gesömß an beite
ent... 1 rhtlr.“
19. In Besitze des Mayener Geschichts- und Altertumsvereins im
Eifelvereinsmuseum zu Mayen
20. Mit dieser Angabe stimmt überein die Quittung des Kürrenberger
Schreiners Johannes Heffer von14.4.1787 daß er „ vor die neue stühl in
der Kirchen zu St. Johann 28 reichsdahler 45 alb. „ erhalten habe.
21. Mitgeteilt von Braemig im genannten Kirchenlagerbuch von St. Johann
1847
22. Vgl. Karl Lohmeyer, Johannes Seiz S. 210, wo auch andere von Wirth
entworfene Kirchen verzeichnet sind.